Gute Nachrichten für alle Schweizer Golferinnen und Golfer
5. Juni 2018

Zahlen statt Farben

Im Golfclub Heidental sind die farbigen Kugeln weg

Wer dieses Jahr im Golfclub Heidental aufteet, mag sich die Augen reiben: Wo sind die farbigen Kugeln auf den Abschlägen geblieben? Die Lösung des Rätsels bedarf einiger Erklärungen:

Golfspielen soll vor allem Spass machen, zumindest für die überwiegende Mehrheit, die damit nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten muss. Das Spiel braucht aber auch Zeit und die ist für sehr viele Menschen ein äusserst kostbares Gut geworden. Gemäss einer Erhebung der National Golf Course Owner Association (NGCOA)  in den USA ist langsames Spiel der Killerfaktor schlechthin: „Golfer geben den Sport auf oder fangen gar nicht erst damit an, weil sie keine Zeit (mehr) finden, regelmässig einen halben Tag und mehr auf dem Platz zu verbringen.“ Glen Nager, der Präsident United States Golfers Association (USGA), schlägt in die gleiche Kerbe: „Runden die fünf Stunden und länger dauern, sind mit dem modernen Lebensstil nicht kompatibel. Und: Langsames Spiel und eine Runde zu geniessen, ist nicht das gleiche, denn ständiges Warten vor jedem Schlag macht den Spassfaktor zunichte.“

Das Problem ist schon länger bekannt und sowohl die USGA als auch ihre Schwesterorganisation die R&A haben verschiedene Konzepte entwickelt, nur scheinen die sehr langsam zu greifen. Das grösste Problem ist offenbar, dass Golferinnen und Golfer noch immer wie ferngesteuert auf das vermeintlich „richtige“ Tee gehen. Das ist leider vor allem bei Männern der Fall, deren Ego es scheinbar nicht zulässt, die gelben Abschläge hinter sich zu lassen, nur um dann an den Carries – z.B. über Rough oder frontales Wasser vor dem Tee – oder der schieren Länge der Spielbahnen zu scheitern.

Die USGA hat im Rahmen ihrer Kampagne „Tee it Forward“ eine Tabelle publiziert, mit deren Hilfe alle das für sich passende Tee finden sollen. Zu beachten wären natürlich auch topografische Gegebenheiten, Windeinflüsse und Platzdesign (Anzahl Wasserhindernisse, usw.), aber als Orientierungshilfe sind die Angaben sicher eine grosse Hilfe.

Erstmalig in der Schweiz

Der Golfclub Heidental verzichtet seit diesem Jahr auf die Farbmarkierungen an den Abschlägen und setzt auf „non gender“ (geschlechterneutrale) Tees mit Zahlen. Und so sieht das nun im Detail aus:

Ein wirklich mustergültiges Umsetzen des „Tee it Forward“-Konzeptes und die ersten Erfahrungen scheinen durchwegs positiv zu sein.

Jürg Moning (Manager im GC Heidental): „Sinn ist es, die SpielerInnen auf die Gesamtlänge des Platzes aufmerksam zu machen und sie zu ermutigen, eine Kurslänge zu wählen die Ihren Fähigkeiten, ihrem aktuellen Befinden oder den Platzgegebenheiten entspricht. Vor allen die Senioren und die etwas schwächeren Spieler nutzen die Möglichkeit vermehrt, denn sie spielen nicht mehr von den „Damentees“, sondern von den „Fronttees“, was psychologisch sehr wichtig ist. Dazu haben wir allen Farben auf dem Platz, auf der Scorekarte, auf den Markerboards und dem Strokesaver entfernt.“

„Bei den Clubturnieren bestimmt vorab noch die Spielleitung die Abschläge. Wir versuchen aber auch neue Wege zu gehen um die Spielgeschwindigkeit zu erhöhen, indem z.B. bei Teamturnieren nur noch von einem Abschlag gespielt wird. In einem nächsten Schritt ist geplant, dass jeder Spieler bei seiner Anmeldung für Einzelturniere wählen kann, von welchen Abschlägen er spielen möchte. Vorerst möchten wir den Leuten aber die Vorteile der „non gender“ Tees näher bringen und sie ermutigen, auf freien Runden herauszufinden welche Platzlänge für sie ideal ist.“

Text: Peter Hodel
Quellen: USGA, GC Heidental

4 Kommentare

  1. Walter Zimmermann sagt:

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass schwächere Spieler kürzere Distanzen wählen, ausser es hat ein Wasserhindernis beim Abschlag, dass zu überspielen ist. Grundsätzlich möchte doch jeder den Platz möglichst ausnutzen und möglichst viel fürs Geld haben. Insofern ich diese neue Regelung persönlich begrüsse, glaube ich nicht an den Erfolg von schnellerem Spiel. Denn die meiste Zeit wird beim Laufen zum Ball, beim „Quaseln“ und insbesondere zum Suchen der verschossenen Bälle vertan.

  2. Wyss Martin sagt:

    Ich denke der Spieler der heute, aus vielleicht falschem Ehrgeiz, ab der weissen T-Position abschlägt, wird auch in Zukunft kaum auf die 52 gehen.
    Hingegen sind die bunten Bälle fast aus jeder Distanz klar zu erkenn, wo hingegen die neuen Formen und Zahlen wahrscheinlich weniger gut sichtbar sind….
    Ball suchen, scheint schon der grösste Zeitfresser zu sein.

  3. Neuweiler Franco sagt:

    Ich denke auch: mit den Farben ist es übersichtlicher! Warum das Ballsuchen nicht auf 3 Minuten beschränken? Bei 18 Löcher wären schon 36 Minuten eingespart!

    Gruss Franco

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