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Von Paradisen und Schätzen

Kitzbühel ist bekannt für die legendäre Hahnenkamm-­Abfahrt, den Höhepunkt jeder Ski­saison. Doch auch für Golferinnen und Golfer lohnt sich die Reise in den Tiroler Tourismusort.

Das mit den knackigen PR-Slogans von Tourismusdestinationen ist so eine Sache. Es kommt schon mal vor, dass mit den Werbetextern bei der Gestaltung eines möglichst auffallenden, allgemein wirksamen und dennoch aussagekräftigen Spruchs ein klein wenig die Euphorie-Pferde durchgehen und mit der ganz grossen Kelle angerührt wird und ja, auch mal ein klein wenig übertrieben wird.

Mit dem Slogan «Golfparadies der Alpen» gibt sich auch Kitzbühel Tourismus in der Destinationsbeschreibung alles andere als zurückhaltend. Und man kann sicherlich darüber streiten, was denn paradiesisch sein soll und was nicht. Dennoch. Dass der Paradies-Vergleich sozusagen doch nicht gänzlich utopisch ist, davon konnten wir uns bei einem Besuch im bekannten Tiroler Ferienort gleich selber überzeugen. Denn was in Kitzbühel aus golferischer Sicht auf engstem Raum zu erleben ist, ist tatsächlich fast schon paradiesisch schön. Doch der Reihe nach.

VIEL GOLF AUF ENGSTEM RAUM
Unter dem Titel «4 Plätze 4 Schätze» wird dem Kitzbüheler Golfbesucher das hiesige Golfangebot angepriesen, um gleich in der Tourismus-PR-Sprache zu bleiben. Und tatsächlich hat jeder einzelne dieser vier komplett unterschiedlichen Plätze Schatzpotenzial. Und das Beste daran, sie sind weniger als zehn Fahrminuten voneinander entfernt.

Den Anfang machen wir auf dem Golfplatz Rasmushof, der direkt im Zielgelände der legendären Streif-Abfahrt liegt. Ein 9-Loch-Par-3-Kurs. Also ideal für einen lockeren Aufgalopp unserer Reise. Von wegen. Auch wenn es sich beim Rasmushof «bloss» und ausschliesslich um Par-3-Löcher handelt, spielt sich der Platz alles andere als einfach.

Sowohl die selektiv angelegten Fairways, die bis zu 209 Meter langen Lochdistanzen oder auch die von der Streif gegebenen Steilhänge fordern auch die tiefen Handicapspieler zu einer mehr als bloss durchschnittlichen Leistung heraus. Dies ohne dabei gleichzeitig den Spielspass für die etwas höheren Handicaper oder Golfanfänger zu verringern.

Den zweiten Stopp legen wir auf der 18-Loch-Anlage im Golfclub Eichenheim ein. Dieser zum exklusiven Kreis der «Leading Golf Courses» gehörende Platz lässt gleich zu Beginn auf Loch 1 die Muskeln spielen. «Das ist wohl eines der schwierigsten Einstiegslöcher überhaupt, die auf den Golfplätzen Österreichs zu finden sind.» Diese Aussage stammt nicht von irgendwem, sondern von Hildegard Falkner-Bujar, ihres Zeichens amtierende und insgesamt bereits neunfache Eichenheim-Clubmeisterin und verdankenswerterweise unsere Flightpartnerin an diesem Tag.

Und tatsächlich. Dieses von den gelben Herrenabschlägen 466 Meter lange Par 5, dessen Felsschneise 150 Meter vor dem Green den spektakulären Blick auf den «Wilden Kaiser» ermöglicht, ist ebenso eindrucksvoll wie spannend zu spielen. Doch auch nach dem spektakulären Einstiegsloch hat die vom amerikanischen Platzarchitekten Kyle Phillips entworfene Par-71-Anlage immer wieder herausragende Golfmomente und noch eindrücklichere Panoramaerlebnisse zu bieten.

VIELSEITIGE HERAUSFORDERUNGEN
Weiter gehts auf dem Golfplatz Kitzbühel-Schwarzsee-Reith. Einem 18-Loch-Championship-Course und einem eigentlichen Kontrastprogramm zum Alpin-Platz Eichenheim. Hier sind vor allem die ersten neun Löcher eher flach und mit grosszügigen Fairways angelegt. An golferischen Tücken mangelt es derweil auch hier nicht.

Mit seinen diversen Wasserhindernissen, den flachen Fairways zwischen Loch 1 und Loch 9 sowie dem immer hügeliger werdenden Profil der Löcher 10 bis 18, bietet diese Anlage vielseitige Herausforderungen für Golfer jeglichen Niveaus. So zum Beispiel die 16, die von den Mitgliedern liebevoll «Mausefalle» genannt wird. Ein Par 3, das über eine kleine Schlucht zu spielen ist. Oder aber die 2, ein spektakuläres und gleichzeitig das schwierigste Loch. Ein ab Weiss 414 Meter langes Par 4 mit Dogleg nach links und einem knapp 30 Meter tiefen, herausfordernd ondulierten Green.

EIN 9-LOCH-JUWEL
Zum Schluss unserer kleinen Kitzbühel-Golfrundreise wartet schliesslich das absolute Schmankerl auf uns. Die 9-Loch-Anlage des Golfclubs Kitzbühel. Kaum angekommen in dieser rund 30 Hektar grossen Parkanlage des Schloss Kaps, in der sich der Golfplatz ungemein harmonisch einfügt, fühlt man sich wie in einer Oase. Eine perfekt gepflegte Anlage – für die neun Löcher schauen nicht weniger als acht Greenkeeper zum Rechten – und mehr als 60 Jahre Clubtradition machen diesen Platz tatsächlich einzigartig und für jeden Golfer zu einem absoluten Muss bei einer Kitzbühel-Reise.

Der 2006 neu gestaltete Platz besticht und verzaubert von Anfang an. Eine besondere Herausforderung sind die beiden Inselgrüns der Löcher 8 und 9, die sich inmitten des beim Umbau neu angelegten Sees befinden. Hier muss zweimal über das Wasser hinweg gespielt werden und man gelangt mittels kleiner, irgendwie an schottische Traditionsplätze erinnernde Steinbrücken auf die andere Seite. Doch auf diesem Platz irgendwelche Favoritenlöcher oder Favoritenmomente herauszustreichen, ist schlicht ein Ding der Unmöglichkeit. Es ist vielmehr ein Gesamt­erlebnis.

AUF WIEDERSEHEN
Ein bleibendes Erlebnis bleibt denn auch unsere Kitzbühel-Golfreise als solche. Denn die golferische Vielseitigkeit, die sich hier auf engstem Raum auftut, ist eindrücklich. Vielseitig ist derweil auch das Hotel- und Gastronomieangebot in Kitzbühel. Nicht weniger als elf Golfhotels stehen dem Gast zur Auswahl. Allesamt Hotels also, die sich um sämtliche Golfangelegenheiten der Gäste – Reservierung von Greenfees, Buchung von Pro-Stunden oder auch die Organisation von Golfausflügen ausserhalb von Kitzbühel – kümmern.

Wir waren bei unserem Besuch im Hotel Rasmushof unmittelbar beim gleich­namigen Golfplatz am Fusse des Hahnenkamms untergebracht. Einer von der Familie Reisch geführten Vier-Stern-Anlage mit der typischen Tiroler Gastfreundschaft, gemütlichen, traditionell eingerichteten Zimmern und einer abwechslungsreichen Küche mit klassischen Gerichten aus der Region der Kitzbüheler Alpen und internationalen Spezialitäten. Keine Frage: Kitzbühel, wir kommen wieder.

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