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U.S. Open 2018: Bruce Koepka zum Zweiten

Daumen hoch für Fleetwood nach der 63er Schlussrunde, doch den Sieg holte sich Bruce Koepka

Die United States Open Championship Mitte Juni war das mit Spannung erwartete zweite Major dieser Saison. 156 Spieler aus 27 Ländern gingen auf dem Platz von Shinnecock Hills auf Long Island bei New York an den Start und schon die beiden ersten Tage brachten selbst Cracks wie Bubba Watson, Jason Day, Tiger Woods, Rory McIlroy, Jon Rahm, Martin Kay und viele andere an den Rand der Verzweiflung. Grund: Die organisierende USGA hatte den 6770 Meter langen Platz (Par 70) wie üblich sehr schwierig präparieren lassen. Die Green ultrahart und schnell, deren Ränder wie mit einen Sechsklingen-Rasierer bearbeitet, das Rough tief und zäh und der Wind als zusätzlicher Spielverderber – es war die ultimative Herausforderung für die besten Spieler der Welt. Da kamen gut gespielte Bälle kurz vor vorne auf dem Green gesteckten Fahnen auf, nahmen ein oder zwei Hopser und rollten zwanzig und mehr Meter weiter hinter die Puttingfläche.

Die USGA hatte schon immer den Anspruch, dass „ihr“ Open das schwierigste Turnier der Welt sein müsse und nachdem der Sieger 2017 in Erin Hills mit 16 unter Par (ein Affront für die Organisatoren?) gewonnen hatte, wollte man die Anforderungen offenbar noch einmal erhöhen…

Die Kritiken liessen denn auch nicht lange auf sich warten, zum Beispiel von Ian Poulter, der nie vor einer deutlichen Ansage zurück schreckt. Er meinte auf einem Social Media Kanal: „Wer hat den Platz aufgesetzt, Bozo*?“ Das war nicht etwa der Spruch eines frustrierten Gescheiterten, der Engländer blieb in der ersten Runde als nur einer von vier Spielern unter Par und landete am Schluss auf dem geteilten 25. Platz. Mike Davis, der Präsident der United States Golf Association, musste denn auch Farbe bekennen und seine Erklärung fiel ziemlich müde aus. Man hätte den Platz bewusst schwierig gestaltet – „test the Best“, aber eben nicht mit den starken Winden gerechnet… Halloooo! Ein Mann in seiner Position müsste eigentlich über die geografischen und klimatischen Bedingungen rund um die für „sein“ wichtigstes Turnier auserkorenen Plätze Bescheid wissen.

Es war auch wirklich nicht schön anzusehen, dass Weltklassespieler vor allem auf und rund um die Greens des Öfteren eher wie mittelmässige Amateure herum zu werkeln schienen. Nur Dustin Johnson liess sich auf den ersten zwei Runden nicht beeindrucken, spielte von Anfang bis Ende sehr gut, lochte praktisch jeden Putt und schien vorne weg zu ziehen, doch auch er zog am dritten Tag, als die Bedingungen noch einen Tick schwieriger wurden – 45 der besten Spieler der Welt blieben an diesem Tag über Par – eine 77er Runde ein. Von den acht Bestplatzierten kam am „moving day“ ein Spieler zurecht, dessen Karriere vor sechs Jahren an der Swiss Challenge in Sempach (damals noch bescheidener 27.) ihren Anfang nahm. Bruce Koepka schloss mit 72 Schlägen auf und so ging es am Finaltag scheinbar für ein Quartett bestehend aus Daniel Berger, Tony Finau, DJ und Koepka um den Titel.

Die vier Spieler machten ihre Sache denn auch sehr gut, doch von hinten drohte plötzlich Gefahr, als Tommy Fleetwood phänomenales Golf zeigt. Die 63er Runde mit acht Birdies und einem Bogey des 27jährige Engländers war etwas vom Feinsten, was man in den letzten Jahren an den Majors zu sehen bekam, Er verbesserte sich an einem Tag um 21 Ränge und egalisierte den US Open Rekord über 18 Löcher. Grund zum Feiern? Wohl eher mit gemischten Gefühlen, denn auf dem 18. Green verfehlte Fleetwood ein neuntes Birdie nur um Millimeter für den alleinigen Rekord und die geteilte Führung!

So brachte Bruce Koepka mit überlegtem, solidem Golf seinen zweiten Sieg in Folge ins Trockene. Damit ist er nach Legenden wie Bobby Jones, Ben Hogan oder Curtis Strange erst der siebte Spieler, der den Titel seit 1903 erfolgreich verteidigen konnte. Und wie erwähnt: Ein bisschen „Swissness“ haftet dem US Open Champion 2018 auch an.

*Bozo ist eine populäre amerikanische Clowns-Figur. Der Ausdruck wird aber auch für eine inkompetente oder etwas linkisch-ungeschickte Person verwendet.

Text: Peter Hodel
Fotos: © Andrew Redington / Getty

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