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Traumberuf ProfigolferIn?

Grosse Bühnen (wie hier in Wentworth) sind sicher verlockend

Die vier Majors der Männer im Jahr 2018 sind entschieden und bereits Geschichte. Vielleicht hatten Sie ja Gelegenheit, einige Runden der Grossanlässe zu verfolgen und es ist nur logisch, dass sich Amateurspieler insgeheim mal fragen, wie sie wohl im Vergleich mit den besten Profis abschneiden würden. Oder, Sie haben nach einigen Jahren Clubgolf und dem Gewinn der einen oder anderen Trophäe sogar schon mal daran gedacht, das Hobby zum Beruf zu machen, doch ein Leben im Profigolf ist eine der härtesten Karrieren, die man anpeilen kann.

Die allermeisten Topspielerinnen und -spieler haben 7- 10 Jahre gebraucht, um es ganz nach oben zu schaffen. Ausnahmen wie Rory McIlroy und Lydia Ko sind selten, sogar Majorsieger wie Zach Johnson, Lee Janzen, Jim Furyk oder der aktuelle US Open und USPGA Champion Bruce Koepka haben sich in kleineren Turnierserien hochgearbeitet, und das ist zuerst mal mit beträchtlichen Ausgaben verbunden.

Ein Jahr auf der web.com Tour kostet einen Spieler rund $75‘000.-, allein die Turniergebühren liegen bei $1‘000.- pro Anlass. Und auf der „grossen“ PGA Tour muss man mit etwa $120‘000.- für die Mitgliedschaft, Reisen, Unterkunft, Verpflegung, usw. rechnen. Eine Menge Geld, bevor ein Spieler überhaupt nur einen Dollar verdienen kann. Hier ein Beispiel, wie es um das Ausgaben-Einnahmen-Verhältnis bestellt ist: Der 20. der Gateway Tour (Arizona Series) im Jahr 2011 kam auf ein Preisgeld von $23‘626.-, schaffte dabei immerhin 13 von 17 Cuts und machte damit unter den Strich einen Verlust von rund $35‘000.-. Und auf lukrative Sponsorenverträge können Spieler auf dem zweiten und dritten Level eben nicht zählen.

Die Mitglieder auf den Mini Touren spielen allesamt ausgezeichnetes Golf, sind hochmotiviert, wettkampfgestählt, furchtlos und wissen, was sie unter Druck liefern müssen. Während bei Amateurturnieren auf höchstem Niveau Resultate von 8 bis 12 unter Par über vier Runden für einen Spitzenplatz gut sind, würde man mit einem solchen Score selbst auf einer der kleineren Touren meistens im unteren Teil der Rangliste landen. Und auf der LPGA und PGA Tour wird noch deutlich besser gespielt. Die untenstehende Grafik zeigt, dass Yani Tseng als Leaderin der LPGA Tour 2011 in 77 Turnierrunden 54 Mal, das sind 70.1%, unter Par gespielt hat. 2017 spielte Jordan Spieth bei seinen Turnierteilnahmen einen Durchschnitt von 68.85 Schlägen und Paul Casey, der notabene im gleichen Jahr keinen Sieg einfahren konnte, brauchte in 94 Runden durchschnittlich 69.46 Schläge.

Die Verdienstmöglichkeiten sind sicher einer wichtigsten Motivationsfaktoren für die Profis. Francesco Molinari konnte bei seinem Sieg an der Open Championship im Juli 2018 etwa 1.6 Millionen Euro einstreichen, doch mit der Verteilung der grossen Summen ist es auch so eine Sache. Rund 80% aller verfügbaren Preisgelder gehen an die etwa 300 besten SpielerInnen, die regelmässig einen Rundendurchschnitt von deutlich unter Par zustande bringen und das auf langen und schwierigen Plätzen, die für uns Hobbygolfer kaum oder gar nicht zu meistern sind.

Dan Brown – nein, nicht der Bestsellerautor – brachte es im Juni 2018 einem befreundeten Journalisten gegenüber auf den Punkt: „In den letzten sechs Wochen habe ich 700 Pfund gewonnen und das hat mich fünf Riesen gekostet. Kids sucht Euch einen sicheren Job.“ Und der Mann aus Yorkshire, der zurzeit auf der European Challenge Tour spielt, hat immerhin einen recht beeindruckenden Leistungsausweis: Als Amateur ein Handicap von +5, English Amateur Champion 2016 und in der Vorauswahl des Team von Grossbritannien & Irland für den Walker Cup 2017.

Denken Sie immer noch ernsthaft an die Aufgabe Ihres Amateurstatus? Gut, dann wissen Sie jetzt wenigstens was Sie ungefähr leisten müssten, um mit der absoluten Elite mithalten zu können.

Text: Peter Hodel
Quelle und Grafiken: Pro Tour Golf College
Foto: European Tour

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