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The War by the Shore

Eine Insel mit kilometerlangem Sandstrand, fünf Golfplätzen – darunter einer der weltbesten – sowie ein fantastisches Hotel. Kiawah Island zählt zu Recht zu den weltbesten Golf-Resorts.

Der «Palmetto State» South Carolina ist mit seiner über 300 Kilometer langen Küste sowie mit der «Golfhauptstadt» Myrtle Beach, Hilton Head Island und Charleston als eine der besten Golfdestinationen der Welt bekannt. Insgesamt gibt es in dem Bundestaat über 380 Golfanlagen, die besonders im Herbst und Frühling eine Reise wert sind.

Das Team von Golf & Country entschloss sich zu einer Reise nach Charleston, wo wir dem legendären Kiawah Island Golf Resort einen Besuch abstatteten. Wir gelangten mit nur einma­ligem Umsteigen von Zürich nach Charleston. Alternativ können auch die Flughäfen von Charlotte (Fahrzeit rund drei Stunden) sowie Atlanta (zirka fünf Stunden) angeflogen werden – dies empfiehlt sich vor allem dann, wenn auch diese Städte besucht werden.

Charleston geniesst den Ruf, die «charmanteste Stadt» des Südens zu sein und begeisterte uns mit seinem entspannten Ambiente. Neben einigen sogenannten «Plantations» (wo früher Sklaven gehalten wurden) und zahl­reichen historischen Bauten verfügt Charleston für US-amerikanische Verhältnisse über eine bewegte Historie und hat daher für Besucher einiges zu bieten.

Die frühere Hauptstadt von South ­Carolina (die mittlerweile von Columbia abgelöst wurde) spielte bereits eine wichtige Rolle im Unabhängigkeitskrieg, zudem begann dort 1861 der Bürgerkrieg mit Schüssen auf Fort Sumter. Tipp: Historisch Interessierte sollten sich das Fort unbedingt ansehen. Besucher sollten zumindest einen halben Tag im Zentrum der 1670 gegründeten Stadt verbringen, in welcher wir uns von Beginn an fast wie in «Vom Winde verweht» fühlten.

EINZIGARTIGE LAGE

Rund 30 Autominuten dauert die Fahrt vom Stadtzentrum nach Kiawah Island, dessen abgeschiedene Lage uns fast wie die Reise in eine andere Welt erschien. Die rund 35 Quadratkilometer grosse und schmale Insel liegt im Atlantik vor der Küste und beheimatet das gleichnamige Resort.

Ein Gefühl von Exklusivität wird einem bereits vor der Ankunft vermittelt. Am Beginn der Insel befindet sich ein Torhaus, wo man einem Security-Beamten seinen Namen nennen muss, ehe einem ein Zugangspass sowie ein Plan der Insel ausgehändigt werden. «Geniessen Sie Ihren Aufenthalt», gibt uns der freundliche Angestellte auf t­ypisch amerikanische Art mit starkem Südstaaten-Akzent mit auf unseren Weg.

Von dort aus fahren wir weiter in das Fünfsternehotel The Sanctuary, welches uns bereits beim ersten Anblick begeistert. Schon beim Betreten der Lobby des grossen und eleganten Gebäudes haben wir den Eindruck, in einem historischen Haus zu sein, obwohl es gerade einmal 15 Jahre alt ist. Gestaltet wurde es in Anlehnung an ein Südstaaten-Herrenhaus im klassischen «Antebellum-Stil». Wenn man vom Eingang direkt an der Bar vorbei geht und dort den Ausgang benutzt, kann man direkt den Blick auf das Meer geniessen.

Das Hotel beheimatet 255 Zimmer und Suiten, wobei 90 Prozent davon über Meerblick verfügen. Unser Zimmer war gross und geräumig und bot uns alle nur erdenklichen Annehmlich­keiten. Das umfangreiche kulinarische ­Angebot reicht vom opulenten The ­Ocean Room, einem Steakhouse mit über 1000 Weinen, über Jasmine Porch bis hin zum relaxten Loggerhead Grill. Diejenigen, die ihre Ferien lieber ­ungestört verbringen wollen, können eine der komfortablen Villen oder Privathäuser mieten. Zur Auswahl ste­hen Einheiten mit drei bis sechs Schlafzimmern, die alle voll ausgestattetet sind und teilweise sogar über Meerblick verfügen.

FÜNF ABWECHSLUNGSREICHE UND UNTERSCHIEDLICHE RESORTPLÄTZE

Unser Ziel war es, während unseres dreitägigen Aufenthalts mit zwei Übernachtungen alle fünf Resortkurse zu spielen. An unserem Ankunftstag spielten wir eine Runde auf dem Osprey Point Golf Course, der von Tom Fazio angelegt wurde. Dabei handelt es sich um einen klassischen Resortkurs, der für Spieler aller Handicapklassen geeignet ist. Für eine Herausforderung sorgen strategisch positionierte Bunker und einige Wasserhindernisse. Der Parcours ist dennoch fair und empfiehlt sich ­besonders für eine «Aufwärmrunde». «18 Löcher hier zu spielen, ist wie ein schöner Spaziergang in einem Park», erklärt unser Spielpartner Dr. Sanjay Shah.

Am Nachmittag folgte eine Runde auf dem Cougar Point Golf Course, dessen Clubhaus gerade neu gebaut wurde. Der von Gary Player konzipierte Kurs wurde 2017 renoviert und modernisiert. Das Layout wird von einer Kombination aus langen und kurzen Par 4s sowie strategischen Par 5s charakterisiert. Uns gefielen vor allem die Spielbahnen der ersten Neun, die entlang des Kiawah Rivers und neben Marschland gespielt werden und die gleichermassen spielerisch herausfordernd wie optisch ansprechend sind.

Am nächsten Morgen stand eine Runde auf Oak Point auf unserer Agenda. Das ist der einzige Kurs, der ausserhalb des Resorts und nicht auf Kiawah Island, sondern dem benachbarten John’s Island – eine kurze Autofahrt vom Sanctuary entfernt – gelegen ist. Wir spielten an einem Samstag vor 8.00 Uhr in der Früh. Wie sich bereits vor dem ersten Abschlag – sehr zum Entsetzen unserer Mitspieler – herausstellte, wird Alkohol am ­Wochenende erst ab 10.00 Uhr verkauft. Sichtlich enttäuscht begannen sie die Runde ohne ihr ersehntes Bier, auf welches sie sich bereits gefreut zu haben schienen. «Das werden wir erst sehen», antwortete unser Spielpartner nüchtern auf die Frage, ob er ohne Alkohol überhaupt spielen könne.

«An 17 Spielbahnen kommt hier Wasser ins Spiel», erzählte der freundliche Starter mit einem Lächeln und gab uns somit einen Vorgeschmack auf die ­bevorstehenden Herausforderungen. Architekt Clyde Johnston konzipierte ­einen anspruchsvollen Kurs, auf dem man bei unpräzisem Spiel zahlreiche Bälle verlieren kann. Zu unseren Favoriten zählt Loch 9, ein Par 3, dessen Grün direkt vor einem Fluss liegt.

Nach einem typisch amerikanischem Mittagessen im Turtle Point Clubhouse spielten wir eine Runde auf dem von Jack Nicklaus gestalteten Parcours, der nach einer Renovation Ende 2016 wiedereröffnet wurde. Das Highlight des Kurses sind klar die Spielbahnen 14 bis 16 (Par 3, Par 4, Par 3), welche direkt am Ozean gelegen sind. Auf der Anlage konnten wir einige Alligatoren – bis zu über drei ­Meter lang – und verschiedene Vögel ­beobachten, was unsere Runde zusätzlich denkwürdig machte. «Ich fühle mich auf diesem Golfplatz fast wie in einem Zoo», kommentierte einer unserer fas­zinierten Mitspieler die Szenerie.

EINER DER SCHWERSTEN KURSE DER USA
Den Höhepunkt hoben wir uns für den Abreisetag auf! Nach einer 15-minütigen Autofahrt erreicht man vom Hotel den The Ocean Course, der an dem östlichen Ende der Insel gelegen ist. Angeblich soll kein Golfplatz der nördlichen Hemisphäre so viele Löcher haben, die am Strand liegen – zehn am Atlantik und die anderen acht parallel dazu.

Ursprünglich sollte der Parcours in den Dünen liegen. Alice Dye, die Gattin des legendären Designers Pete Dye, schlug jedoch vor, den ganzen Platz zu erhöhen, um den Spielern Ausblicke auf das Meer zu ermöglichen. Dadurch wurde der Platz exponierter und aufgrund des häufig herrschenden Windes noch anspruchsvoller.

Weltberühmt wurde der Parcours ­bereits kurz nach seiner Eröffnung als Gastgeber des legendären Ryder Cups im Jahr 1991, der als «War by the shore» in die Golfgeschichte einging. Nach dem ersten Golfkrieg wurde der Event von Patriotismus und emotionaler Stimmung geprägt. Bernard Langer verfehlte auf dem 18. Loch einen Putt aus unter zwei Metern, der für ein Untentschieden und somit den Verbleib des Pokals in Europa gesorgt hätte. Zudem war der Parcours 2012 Austragungsort der PGA Championship (Sieger Rory McIlroy) – 2021 wird dieses Major wieder zu Gast sein. In der Bewertung unserer Partnerpublikation «Golf Digest» rangiert er auf Platz 4 der «100 Greatest Public Courses» (den 100 besten öffentlich zugänglichen Plätzen der USA) sowie auf Rang 25 der «100 Greatest US Golf Courses».

Generell ist der Ocean Course «walking only» – einzige Ausnahme sind die Sommermonate Juni, Juli und August ab 10.00 Uhr. Da kann auch mit einem Cart gefahren werden, mit welchem man ­allerdings die Wege nicht verlassen darf. Wir empfehlen jedoch, einen Caddie zu engagieren – durch dessen Expertise können nicht nur Schläge eingespart werden. Die erfahrenen und fachkundigen Caddies erzählen auch gerne Anekdoten und sorgen damit für eine unterhaltsame Runde. «Wir sehen immer wieder Golfer, die zum ersten Mal hier spielen und die glauben, sie könnten hier ihr Handicap spielen. Die meisten merken dann recht schnell, dass es auf diesem Kurs nicht möglich ist», erzählt ­einer der Caddies mit einem schelmischen Lächeln vor dem ersten Abschlag. «Jedes Score, bei welchem eine 8 an der ersten Stelle steht, ist auf diesem Platz eine gute Runde», verriet ein Caddie.

Die Runde beginnt mit einem relativ freundlichen Par 4, danach zeigt der Par­cours mit einem anspruchsvollen Par 5 sein wahres Gesicht. Die Spielbahnen befinden sich in einer fast mondartig anmutenden Dünenlandschaft mit unzähligen Waste-Areas – dazu kommen Wasserflächen und meist noch starker Wind. Man sollte auf alle Fälle genügend Bälle mitnehmen und die ausserge­wöhnlichen Löcher sowie die Ausblicke ­geniessen – wer es dabei schafft, seinen Score zu vergessen, wird wahrscheinlich noch mehr Spass haben. Neben dem neunten Grün wartet ein Chauffeur, der die Spieler – aufgrund der grossen Distanz – nach einem Stop beim Halfway House zum zehnten Abschlag fährt.

Die zweiten Neun erschienen uns noch schwieriger und verlangen selbst den weltbesten Spielern alles ab. «Bei Gegenwind gibt es keine fünf Löcher in Folge, die so schwer sind wie 14 bis 18 am Ocean Course», warnte uns unser Caddie. Doch wir hatten Glück: An diesem Tag herrschte Rückenwind und die Spielbahnen präsentierten sich daher verhältnissmässig freundlich.

EINDRUCKVOLLES 19. LOCH
Es wäre fast unfair, ein «Signature Hole» ausmachen zu wollen – vielmehr ist jede Spielbahn für sich ein Kunstwerk und der Parcours wird daher nicht zu Unrecht seit vielen Jahren als einer der besten Plätze der Welt in unzähligen «Top 100»-Listen angeführt. Zu unseren Favoriten zählt sicher Nummer 17, ein Par 3 über Wasser, dessen Grün links von zwei diabolischen Bunkern und rechts von dem Wasserhindernis verteidigt wird. Das 18. Loch ist das «Grande Finale»: ein langes Par 4, welches die Küste entlangführt und so für einen angemessenen Abschluss sorgt.

In der im imposanten Clubhaus gelegenen Ryder Cup Bar wird klassisch amerikanische Cuisine serviert. Wer Fisch in einer gediegeneren Atmosphäre präferiert, ist im The Atlantic Room perfekt aufgehoben. Bei gutem Wetter sollte man unbedingt auf der Veranda sitzen, die eindrückliche Ausblicke auf den Golfplatz sowie den Atlantik bietet. Unser Tipp: Von dort aus sollte man einmal den Sonnenuntergang bewundern. In unserem Fall stellte das einen würdigen Abschluss unseres Besuchs des aussergewöhnlichen Resorts dar.


www.kiawahresort.com

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