DV des Golfverbandes 2019
15. April 2019

T!!!ger’s grösster Sieg

Die Sonntagsfarben sind geblieben, die Freude aber deutlicher sichtbar

Das Masters in Augusta verspricht immer Hochspannung. Nirgends liegen Triumphe und Tragödien, Glückseligkeit und Verzweiflung so nahe beisammen, doch was am Sonntag, 14. April 2019 ablief, hätten wohl selbst Alfred Hitchcock, Stephen King und Ridley Scott in Personalunion kaum spannender inszenieren können. Noch selten war der Ausgang des Geschehens beim ersten Major des Jahres derart nervenaufreibend und bis zum Schluss äusserst eng.

Eldrick Tont „Tiger“ Woods holte sich sein fünftes Green Jacket und den insgesamt 15. Majortitel und es war nicht nur für ihn persönlich eine Genugtuung, sondern für die gesamte Sportwelt eines der grössten Comebacks aller Zeiten. 22 Jahre nach seinem ersten Titel im ANGC und 11 Jahre nach seinem letzten Major-Erfolg an den US Open in Torrey Pines konnte Tiger seinen vielleicht grössten, sicher aber emotionalsten Sieg einfahren.

Kein Spieler blieb ohne Fehler

Tiger Woods hatte auf dem Platz, gefeiert und angefeuert von tausenden Zuschauern so eine Art Heimspiel – nur Jack Nicklaus hat noch einen grünen Kittel mehr überstreifen dürfen – doch fehlerlos blieb auch er während den vier Runden nicht. Bemerkenswert waren aber sein Course Management und seine Selbstkontrolle. Beides wurde auch von Butch Harmon, seinem ehemaligen Coach und Co-Kommentator bei Sky Sports besonders hervorgehoben. Nach verzogenen Drives oder verschobenen Putts, und davon gab es einige, blieb Tiger geduldig, griff nicht umgestüm an, vermied so gröbere Schnitzer und spielte über 72 Löcher kein Doppelbogey.

Zu diesem aufregenden und spannenden Finaltag haben aber auch viele andere Cracks beigetragen: Brooks Koepka, Dustin Johnson, Tony Finau, Xander Schauffele, Patrick Cantlay und natürlich der lange vorne platzierte Francesco Molinari hatten Chancen auf ihren ersten Sieg in Augusta, starteten ihre Aufholjagd aber entweder etwas zu spät, oder strauchelten irgendwo zwischen Amen Corner und der 18. Bahn. Und genau dort setzte Tiger zum grossen Sprung an.

Schicksalsloch Nr. 12

Zuerst versenkte hier Koepka einen Ball im Wasser = Doppelbogey und da halfen ihm ein toller Eagle an der 13 und ein Birdie an der 15 nicht mehr wirklich weiter. Gleich hinter dem zweimaligen Majorsieger von 2018 erlitten Finau und „Mr. Konstanz“ Molinari das gleiche Schicksal. Tiger hingegen folgte der Devise von Jack Nicklaus – „egal wo die Fahne steht, ziele immer auf die Fläche zwischen vorderem und hinteren Bunker“ – und machte ein solides Par.

Während sich Koepka, Finau und Molinari (der zudem an der 15 noch einen Ball nass machte) noch die Augen rieben, setzte Woods zu seinem Schlussspurt mit drei Birdies an der 13, 15 und 16 an und hatte vor dem letzten Loch zwei Schläge Distanz zwischen sich und die hartnäckigen Verfolger Johnson, Schauffele und Koepka gelegt. Am 72. Loch konnte er sogar ein Bogey verkraften – sein zweiter Schlag wurde vom stark aufgekommenen Wind regelrecht gestoppt – doch das schmälerte seine Freude nicht und der einzige wirkliche Schreckmoment für den Superstar geschah schon am dritten Tag. Da wollte ein Marshall die etwas zu enthusiastischen Zuschauer auf Distanz halten, rutschte im Eifer des Gefechts aus, vollführte ein ungeschicktes „sliding tackling“ wie bei einem Fussball Grümpelturnier und erwischte Woods am Knöchel. Das hätte auch ins Auge gehen können, doch Tiger hatte 2019 in Augusta eben auch das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite.

Wo geht die Reise hin?

Gleich nach seinem 15. Majortitel begannen natürlich auch die Spekulationen. Wird Tiger den Rekord von Jack Nicklaus (18 Siege) vielleicht doch noch einstellen oder gar übertreffen? Die nächsten beiden Grossereignisse werden auf Plätzen ausgetragen, auf denen er schon gewonnen hat: Mitte Mai auf dem Bethpage Black (US PGA Championship) und ein Monat später in Pebble Beach (US Open). Aufgrund seiner Leistung in Augusta wären zwei weitere Titel durchaus möglich, aber was auch geschehen mag, Tiger Woods hat schon jetzt gezeigt, dass er noch hungrig ist und weiss, wie man im richtigen Moment zuschlägt.

https://www.golfchannel.com/tours/pga-tour/2019/masters-tournament

Text: Peter Hodel
Foto: Getty Images

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