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16. Januar 2019
Golfszene Schweiz
16. Januar 2019

Streamsong Red

Das Schlussloch auf dem Red: Augenweide und Herausforderung zugleich

Schon die Anfahrt zum erst 2014 eröffneten Streamsong Resort verrät, dass da keine der in Florida typischen, von Häuserzeilen eingerahmten und mit Wasserhindernissen gespickten Plätze zu erwarten sind. Die Destination liegt weit ab von den Ballungszentren Miami und Orlando, 50 Kilometer von der nächsten Interstate (I-4) entfernt, mitten im Nirgendwo. Wenn einen das Navi (sehr zu empfehlen!) nicht ungerührt weiter führen würde, könnte man glatt meinen, sich hoffnungslos verfahren zu haben und in den Ausläufern der Everglades und auf der Snackkarte von ein paar hungrigen Alligatoren zu landen.

Schliesslich wird aber alles gut und der erste Eindruck von Streamsong ist wohl selbst für weitgereiste Golffans ein Augenöffner. Keine Spur von flachen Fairways die von den im Sunshine State üblichen Cartwegen begrenzt werden. Stattdessen teils hoch aufragende Hügel, ausgedehnte Waste-Areas und da und dort bedrohlich wirkende, tiefe Wasserlöcher mit steil abfallenden Böschungen. Man fragt sich unweigerlich, wie viele tausende Tonnen Erde da verschoben wurden, um ein solches Golfwunderland zu schaffen. Tatsächlich waren beim Bau der Plätze aber fast keine schweren Maschinen im Einsatz, denn die Anlage liegt auf dem Areal einer alten Phosphatmine und die Dünen stammen vom Abraum, der vor Jahrzehnten aufgeschüttet und dann von Gras und Buschwerk vereinnahmt wurde.

Der Red Course wurde vom Duo Bill Coore/Ben Crenshaw gestaltet, das seit 1986 sehr erfolgreich zusammen arbeitet und zum Beispiel den berühmten Sand Hills-Course in Nebraska gebaut hat.

Sich von der Lage und dem Terrain in Streamsong zu sehr ablenken zu lassen, sollte man aber tunlichst vermeiden, denn schon das erste Loch auf dem Red ist eine harte Nuss und die „richtigen“ Tees zu wählen absolut zwingend. Dabei verlässt man sich am besten auf auf den Rat eines der versierten Caddies. Das über 430 Meter lange, tolle Startloch mit Strokeindex 2 spielt sich in die vorherrschende Windrichtung und es als Par 5 anzugehen ist für höhere Handicapper keine Schande. Gleich darauf folgt ein 500 Meter langes Par 5, mit einem der ganz wenigen „forced carries“ über Wasser vom Tee. Bereits nach den ersten paar Bahnen wird klar, dass der Parcours äusserst abwechslungsreich gestaltet ist und man immer wieder mit Überraschungen wie am vierten Loch konfrontiert wird. Mit nur 300 Metern von ganz hinten scheint das selbst für Hobbygolfer leicht zu bewältigen, doch der breite Fairway wird von einem enormen Bunker zweigeteilt und den Ball auf dem quer zur Spielrichtung liegenden Green zu stoppen ist auch keine einfache Aufgabe.

Ein ganz ähnliches Bild dann auch am 9. Loch, von „unseren“ silbernen Tees gerade mal 235 Meter lang. Aber vor dem abenteuerlich ondulierten Green, das zudem noch mit falschen Fronten versehen ist, muss selbst der beste Spieler in unserem Flight mit Handicap 4 kapitulieren, zähneknirschend ein Bogey hinnehmen und konstatieren, dass die reine Länge einer Spielbahn eben nicht selten nur die halbe Wahrheit erzählt.

Bevor wir die zweiten Neun angehen, raten uns die Caddies zu einer kurzen Verpflegungspause, denn auf den – deutlich längeren – Backnine würden noch ein paar weitere knifflige Aufgaben warten. Besonders in Erinnerung bleibt uns das 13. Loch, ein Par 5 mit einem „double dogleg“, an dem der Approach an einer hohen Kuppe vorbeigezirkelt werden muss und das 15., ein extrem langes Par 4 (mit Strokeindex 1!). Und wenn man schon denkt, „besser kann es nicht werden“, folgt das 16. Loch, eines der aufregendsten Par 3 das wir je gespielt haben. Der Ball muss über einen tiefen, mit Wasser gefüllten Schlund auf ein Green mit einer quer durch die Puttingfläche  verlaufenden Kuhle (ein sogenanntes Biarritz-Green) gezirkelt werden. Das Schlussloch verlangt uns dann auch nochmals alles ab: Das Par 5 misst von den Backtees zwar „nur“ 494 Meter und hat Index 17, aber es geht bergauf, der tiefe Längsbunker im Fairway muss vermieden werden und – wen wundert es – der stark aufgekommene Wind bläst uns direkt ins Gesicht.

Fazit: Der Red Course in Streamsong rangiert zu Recht unter den 20 besten Public Courses in den USA und bietet jede Menge aufregende und tolle Aufgaben. Golfvergnügen gewährleistet? Ja, wenn man nicht überschwingt, dem Caddie vertraut, sein Spiel realistisch einschätzt und eine Fülle von verschiedensten Schlägen zu würdigen weiss.

Der ganze Spass hat allerdings auch seinen Preis: Je nach Saison liegen die Greenfees für eine Runde zwischen 125 bis 275 Dollar (Gäste des sehr schönen, topmodernen Hotels bezahlen zwischen 85 und 235 Dollar). Obendrauf kommt noch das Entgelt für die Caddies (ca. $100 plus Trinkgeld). Und in der Hochsaison zwischen 1. Januar und 31. März geht es fast nicht ohne deren Hilfe, denn in dieser Zeit gilt die Devise „keine Carts“.

Streamsong Red:
Green Tees: 7148 / Black: 6584 / Silver: 6094 / Gold: 5184 Yards, Par 72

www.streamsongresort.com

Die beiden anderen Plätze im Resort werden wir Ihnen in einem der nächsten Newsletter vorstellen.

Text: Peter Hodel

Fotos: Courtesy of Streamsong Resort / Credits: Larry Lambrecht Photography

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