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Streamsong Blue

Toller Finish: Die 18 auf dem Blue Course

Der Blue Course im Streamsong Resort stammt aus der Feder von Tom Doak. Der erst 57jährige gehört schon seit dem Design von Pacific Dunes in Bandon (Oregon) zur absoluten crème de la crème unter den Golfarchitekten. Weitere bekannte Plätze des Chefs von Renaissance Golf Design sind unter anderem Cape Kidnappers in Neuseeland und Barnbougle Dunes in Tasmanien.

Vorab noch eine Anmerkung: In Streamsong arbeiteten Bill Coore und Tom Doak Seite an Seite, mit dem Auftrag, 36 Löcher zu „finden“ (Doak bezeichnete diese Zusammenarbeit als „grössten Spass, den wir je beim Bau eines Platzes hatten.“) und es ist tatsächlich so, dass einige Bahnen auf dem Red aus der Feder von Doak und einige auf dem Blue wiederum von Coore & Crenshaw stammen.

Der Blue Course hat einige der spektakulärsten Höhenunterschiede im ganzen Resort und eröffnet immer wieder tolle Aussichten über das ganze Gelände. Das beginnt bereits beim ersten Abschlag, zu dem man fast 20 Meter hinaufkraxeln muss. Den breiten Fairway am nur gerade 330 Meter langen Loch zu verfehlen scheint fast unmöglich, offenbart aber eines der Markenzeichen von Doak-Designs: Wer auf Par- oder sogar Birdiejagd gehen will, muss die Abschläge im „richtigen“ Teil der Fairways platzieren, sonst werden die zweiten Schläge teils sehr knifflig. Ganz typisch eben an diesem – mit Stroke Index 14 – vermeintlich einfachen Start: Das Green wird links von einem Bunker und rechts von einer hohen Düne eingerahmt und dazu kommen noch abfallende Böschungen – ungenaue Annäherungen werden also umgehend bestraft.

Ein ähnliches Bild auch am folgenden Par 5: Von den Black Tees rund 465 Meter lang, scheint ein Birdie auch für Hobbygolfer im Bereich des Möglichen und man ist versucht, es – angesichts des extrem breiten, abwärts führenden Fairways – so richtig krachen zu lassen. Wer aber das Green in zwei Schlägen angreifen will und nicht darauf geachtet hat, wo die Fahne steht, dem steht eine unangenehme Überraschung ins Haus. Wenn der Ball aus einem schlechten Winkel gespielt werden muss, lauert vor der nierenförmigen, diagonal angelegten Puttingfläche ein mächtiger und tiefer Bunker. Solche überraschenden, aber nie unfairen Aufgaben und Hindernisse finden sich auf fast allen 18 Löchern, doch Doak und sein Team haben immer Alternativen für weniger versierte Golfende eingeplant. Einmal auf einem der teils riesigen und oft stark ondulierten Greens angekommen, gibt es allerdings für Niemanden mehr eine „Auszeit“. Gutes Putten mit feinem Gefühl ist – wie auch auf dem Red – für ein akzeptables Score zwingend.

Das 7. Loch, ein Par 3 das fast parallel zum tollen 16. auf dem Red Course verläuft, ist eines der beliebtesten Fotosujets im Streamsong. Das Green liegt deutlich tiefer als die Tees und wird vorne von einem tiefen Wasserloch und einem riesigen Bunker und hinten von zwei hoch aufragenden Dünen eingerahmt. Am 13. Loch, einem kurzen Par 4 (284 Meter von den hintersten Abschlägen) kann ein Birdie drin liegen, oder aber pures Desaster! Das von allen 55 im Resort wohl am stärksten gewellte Green kann wirklich zu schaffen machen, vor allem wenn die Geschwindigkeit bei 10- 11 auf dem Stimpmeter liegt. Hier bewährte sich zum x-ten Mal die alte Regel „vertraue immer Deinem Caddie, wenn er Dir eine Linie gibt“…

Wie auch das Duo Coore/Crenshaw hat Tom Doak die letzten Löcher zu einem krönenden Abschluss einer ohnehin schon abenteuerlichen Runde gestaltet. Die 15. Bahn (über 400 Meter lang) ist mit seinem Hügel und den Bunkern in der Mitte des Fairways eine Reminiszenz an das legendäre 17. Loch (genannt „Alps“) in Prestwick in Schottland und das zweitletzte Loch, ein Par 5 mit fast 540 Metern von den grünen Tees ein Tribut an den berühmten Designer A.W. Tillinghast, der „the Devil’s half Acre“ in Pine Valley initiiert hatte. Quer durch den Fairway, etwa 50- 70 Meter vor dem Green verlaufen vier riesige Bunker, aus denen blinde Schläge zum Ziel fällig werden. Und dann wartet noch das Schlussloch mit seinem stark nach rechts geneigten Green; wer die linke Seite des Fairways getroffen hat, wird grösste Mühe haben, den Ball darauf zum Stoppen zu bringen.

Ein 19. Loch und zwei kleine Schlaufen

Doak hat als kleines Extra vor dem Clubhaus noch ein kurzes Par 3 (deshalb also insgesamt 55 und nicht 54 Greens) gebaut, an dem laufende Wetten bei allfälligem Gleichstand nach 18 Löchern noch ausgespielt werden können.

Für Besucher, die spät anreisen oder früh wegfahren müssen gibt es in Streamsong noch ein recht ungewöhnliches Angebot, das laut Clubmanager Scott Wilson eigentlich zufällig entstanden ist. Ein paar gewitzte Besucher merkten, dass das 6. Loch sowohl auf dem Blue als auch dem Red Course fast bei Clubhaus endet. Also beschlossen Sie, diese Bahnen nochmals zu spielen. Daraus ergab sich das Konzept, das man beide kleinen Schlaufen einzeln oder zusammen und so sechs oder zwölf Löcher spielen kann.

Vergleich Blue – Red

Welcher der zwei Plätze ist nun mehr nach unserem Geschmack? Beide sind unter den Top20 Public Courses der Welt. Der Red fordert etwas mehr Strategie und ist von den Tees bis zu den Greens sicher schwieriger zu spielen. Der Blue hat „unruhigere“, gewellte Fairways und verlangt einiges mehr beim Kurzspiel und Putten. Unsere Entscheidung: Unentschieden. ABER: Da gibt es ja nochmals 18 Löcher! Den Black Course von Gil Hanse, der u.a. den Olympic Course für die Spiele 2014 in Rio de Janeiro gebaut hat, mussten wir aus Zeitgründen leider auslassen. Man erzählte uns aber, dass der erst im Herbst 2017 eröffnete und mit fast 6700 Metern (und Par 73) längste Platz, sehr gute Kritiken bekäme und dass sich darauf insbesondere gute Putter ganz in ihrem Element fühlen würden.

Streamsong Blue
Par 72. Green: 7176, Black: 6698, Silver: 6285, Gold: 5531 Yards

Streamsong Black
Par 73. Green: 7331, Black: 6759, Silver: 6240, Gold 5293 Yards

www.streamsongresort.com

Text: Peter Hodel
Fotos: Courtesy of Streamsong Resort / Credits: Larry Lambrecht Photography

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