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Land unter auf Linksplätzen

Nah am Wasser gebaut und gefährdet: Linksplätze auf den britischen Inseln

In Grossbritannien stehen die Zeichen im wahrsten Sinne des Wortes auf Sturm. Viele der Linkscourses liegen direkt an der Küste, sind buchstäblich auf Sand gebaut und dort ist die (noch immer kontrovers und emotional diskutierte) Klimaerwärmung besonders spürbar. Küstenerosion ist zwar nichts Neues und hat es schon immer gegeben, aber in der Region Angus nördlich von St. Andrews verzeichnete man in der jüngsten Vergangenheit einen Landverlust von mindestens eineinhalb Metern pro Jahr. Auf dem legendären Medal Course von Montrose, dem fünftältesten Platz der Welt (erbaut 1810), wurden am 3. Loch alle Teeboxen vom Meer zerstört und andere Spielbahnen sind ebenfalls bedroht, wenn nicht zügig Massnahmen ergriffen werden.

https://youtu.be/YIeLLX5nNkQ

Noch schlimmer erging es dem knapp 10 Kilometer nördlich von Royal Dornoch gelegenen Golspie Golf Club, als Ende 2012 die Dämme an der Küste nachgaben, sich die Nordsee fast 150 Meter weit ins Landesinnere frass und den Platz an einigen Stellen über drei Meter unter Wasser setzte.

Der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels, kombiniert mit extremen Winden und starken Gezeiten ist nicht zu unterschätzen. Royal North Devon Golf Club, der älteste Golfplatz in England (auch bekannt als Westward Ho!) an der Südwestküste von England hat seit Jahren Sorgen mit dem 7. Green und dem 8. Abschlag. Im Januar 2018 riss der Sturm Eleanor, der auch in Irland für Verwüstungen sorgte, an dieser Stelle einen Landstreifen von 15 Metern weg.

Die Schäden lassen sich zwar instand stellen, doch das ist mit erheblichen Kosten verbunden – kein Zuckerschlecken für Clubs, die unter rückgängigen Mitgliederzahlen leiden. Und auch Natural England, die Behörde für Naturschutz-Beratung, kommt bei den geplanten Reparaturen ins Spiel. Von deren Seite wurde verlautet, dass man keine Pläne für zusätzliche Küstensicherungs-massnahmen habe. Das Statement: „Die Küstenlinie mit ihren Dünen und Kieselbänken ist ein natürliches und dynamisches Ökosystem und damit konstanten Veränderungen unterworfen.“

Im Caldy Golf Club, nur knapp fünf Kilometer südlich von Royal Liverpool entfernt, wurden die nahe an der Mündung des River Dee gelegenen Löcher 3- 6 auch schon von Sturmfluten verwüstet, doch hier stimmten die Stadtplaner einer Verstärkung der Uferbefestigungen zu. Gleichzeit erging aber auch eine Warnung an die Verantwortlichen des von Jack Morris – einem Neffen des berühmten Old Tom – entworfenen Platzes: „Solche Massnahmen verhüten zwar Schäden durch starke Gezeiten, doch die langfristige Erosion der Küste kann damit nicht gestoppt, nur verlangsamt werden. Der einzig gangbare Weg wird letztlich sein, dass der Club die gefährdeten Spielbahnen aufgibt und Alternativen im Landesinneren prüft.“

Die Probleme der Linksplätze als „quantité négligeable“ zu betrachten die nur den Golfsport betrifft, ist auch keine Lösung. Die Küstenstriche, auf denen gespielt wird, dienen oft als Flutbarrieren und im Fall von Montrose befürchtet man, dass beim fortschreitenden Landverlust bald auch Wohngebiete gefährdet sein könnten.

Das Problem ist zwar vielerorts erkannt worden, doch griffige Lösungen sind teuer und werden teils auch kontrovers diskutiert. Und betroffen sind auch neue Projekte wie beispielsweise der geplante Coul Links in Embo (bei Dornoch). Hier plant Mike Keiser, u.a. Besitzer von Bandon Dunes in Oregon, einen brandneuen Linkscourse. Scottish Natural Heritage, die für den Erhalt des schottischen Naturerbes verantwortliche Organisation stellte fest, dass das Projekt nicht nachhaltig sei. „Einige der Tees und Greens sind an exponierten Stellen geplant, an denen die Küstenerosion während der mutmasslichen Nutzungsdauer der Anlage fortschreitet und von flankierenden Massnahmen nicht verhindert werden kann.

Über vielen der klassischen Linkscourses haben sich also dunkle Wolken zusammen gebraut und es wäre ein herber Verlust für Fans von Küstengolf und auch für die traditionelle Spielweise „bump-and-run“, wenn Plätze die nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegen, darunter auch der Old, der New und der Jubilee in St. Andrews oder auch in Carnoustie (Austragungsort der diesjährigen Open Championship) in nicht allzu ferner Zukunft aufgegeben werden müssten.

Text: Peter Hodel
Quellen: scottishgolfhistory.org / bbc.com
Foto: Royal North Devon Golf Club

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