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Golfverband vs. Public Golf: Kein Silberstreif am Horizont

Wie hat es Woody Allen einmal auf der Leinwand ausgedrückt? „Tragödie ist Komödie plus Zeit“ und ich versuche seit Monaten verzweifelt den Querelen unter den drei Big Playern der Golfszene Schweiz auch eine komische Seite abzugewinnen. Jede Partei beharrt darauf, im Recht zu sein und dabei natürlich nur das Wohl der Schweizer Golferinnen und Golfer im Fokus zu haben. Erinnert vage an das verbale Wortgefecht zweier bekannter Politiker über den grösseren Knopf. Die ASG hatte zwar eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die sich mit dem Mitte 2017 losgetretenen Problems befasst. Die soll aber jeweils hinter verschlossenen Türen tagen und die rund 90‘000 Schweizer Golferinnen und Golfer wissen nicht, was da wieder ausgekocht wird.

Das Lachen blieb mir endgültig im Hals stecken, als ich kurz vor Jahresende las, dass die Migros ab 2018 zwei verschiedene Mitgliedschaften anbietet. Nebst der bereits seit Jahren bewährten ASG Migros GolfCard für 270.-, eigentlich so ziemlich das Pendant zur ASGI Mitgliedschaft, ist nun auch eine Migros GolfCard für 185.- pro Jahr erhältlich. Diese beinhaltet keine ASG Lizenz und damit entfällt auch die Handicapverwaltung nach EGA (European Golf Association).

Der (auszugsweise) Wortlaut des Angebots „Die Migros GolfCard eignet sich Spieler, welche vorwiegend auf den Anlagen der Migros (inkl. Limpachtal) spielen und keine (oder nur wenige) Turniere spielen.“ Die zweite Klammer macht nun stutzig. Künftig treffen also Spielerinnen und Spieler deren Handicap nach einheitlichen Regeln geführt wird auf solche, die nicht in dieses System eingebunden sind. Ich spiele Golf zwar zum Vergnügen und Pokale und Preise sind mir etwa so wichtig wie eine Halsentzündung, aber das Handicap wurde einmal mit dem Zweck erfunden, Golfenden verschiedener Stärkeklassen einen fairen Wettkampf zu ermöglichen.

Die günstige Variante der Migros garantiert zudem auch kein Spielrecht auf den Plätzen ausserhalb deren hauseigener Golfanlagen. Man kann aber davon ausgehen, dass gerade Plätze die finanziell weniger gut dastehen auch Golfer ohne eine ASG-Lizenz willkommen heissen werden. Das ist wirtschaftlich zwar nachvollziehbar, schafft aber ein noch grösseres Ungleichgewicht bezüglich Kostenverteilung für Erstellung und Unterhalt der Infrastrukturen, als das von der ASG und einigen Clubs ohnehin schon moniert wurde.

Was genau der Orange Riese mit seinem Überraschungscoup bezweckt, ist mir unklar. Zur Glättung der Wogen ist er aber sicherlich nicht geeignet. Und wie die ASG und die ASGI darauf reagieren werden, steht noch in den Sternen. Ich sage es mal deutsch und deutlich: Mir steht das ganze Gezausel bis zum Hals. Golf ist meine Leidenschaft und ich kann nicht nachvollziehen, dass sich gestandene Frauen und Männer nicht an einen Tisch setzen und eine Lösung finden, mit der allen Golfenden – ob Clubmitglied oder Unabhängig – geholfen ist. Sollten sich die Funktionäre und Verantwortlichen der drei Interessengruppen nicht bald einigen, werde ich ab 2019 die Einladung zu einer Clubmitgliedschaft im Ausland annehmen. Und wenn mir ein Schweizer Club dann kein Greenfee verkaufen möchte, ist mir das so ziemlich egal.

Anmerkung: Dieser Text wiederspiegelt mein eigene Meinung und nicht die des House of Swiss Golf.

Text: Peter Hodel
Foto: Private Kollektion

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