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Golfanlagen – wo geht die Reise hin?

Altes Gedankengut als Hemmnis moderner Strukturen *

Seit ihren Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die schweizerische Golflandschaft signifikant verändert. Treibende Kraft für die Gründung des schweizerischen Golfverbandes ASG 1902 war der ausländische Tourismus, vorwiegend in den Bergregionen. So entstanden erste Golfplätze, die von Golfclubs (in der juristischen Form eines Vereines nach dem Zivilgesetzbuch), dank der Finanzierung ihrer Gründungs-Mitglieder erstellt werden konnten. Es entsprach der damaligen Logik, dass im schweizerischen Golfverband als Mitglieder ausschliesslich Vereine aufgenommen wurden. Dem Verein gehörte das Land, die Bauten und er blieb verantwortlich für Unterhalt und Modernisierung der Anlage.  Ausnahme bildet seit 2008 einzig der Anschluss der Vereinigung der unabhängigen Golfer (ASGI) und des Migros-Genossenschaftsbundes. 

Die aktuellen Statuten des schweizerischen Golfverbandes lassen eine Aufnahme juristischer Gesellschaften (Aktiengesellschaft, Gesellschaft mit beschränkter Haftung u.a.) nicht zu. Was im nahen Ausland (Deutscher Golfverband) längst möglich ist, wird von den Funktionären der ASG in Epalinges nach wie vor konstant abgelehnt. Auch wird nicht zugelassen, dass mehrere Vereine auf der selbigen Golfanlage Golf spielen und gleichzeitig Mitglied bei der ASG sind. Die Logik  der Gründerzeit (Eigentum und Verantwortung für einen Golfplatz liegt bei einem Verein) ist nicht mehr zeitgemäss. Sie trägt massgeblich dazu bei, dass es zu Konflikten und Missstimmungen verschiedenster Art kommen kann. Es kann nicht sein, dass eine Betreibergesellschaft nur mit der ASG in schriftlichen Kontakt treten kann, wenn der Geschäftsführer oder ein anderes Organ der Betreibergesellschaft gleichzeitig im Verein eine Vorstandsfunktion ausübt, die Schulterklappen des Vereines trägt und mit Vereinsunterschrift zu zeichnen hat. So sind verschiedene Hüte gleichzeitig zu tragen, die das effektives und effizientes Handeln sowohl für das Unternehmen wie auch für den Verein nicht immer einfach machen.

Der Betrieb einer Golfanlage ist nicht billig. Die Führung durch die Betreibergesellschaft kann deshalb nur unternehmerischen Grundsätzen folgen. Wohingegen die Leitung eines Vereines – im Einklang mit den jeweiligen Statuten: Förderung des Golfsports und der Geselligkeit – wahrzunehmen ist. Der Golfverband folgt ungeachtet dieser Situation dem altbewährten Weg: Es wird wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass Betreibergesellschaften Geld investieren. Als Mitglieder sind die juristischen Personen aber dennoch nicht erwünscht.

Auf der Umsetzungsebene – im operativen Tagesgeschäft – sind Konfliktherde zwischen der Golfplatz-Betreibergesellschaft und des auf der Anlage spielenden Golfclubs, dem die Golfanlage nicht gehört, vorprogrammiert. Beiden Seiten (ehrenamtliche Funktionäre im Verein und bezahlte Leitungsorgane der Aktiengesellschaft) ist bewusst, dass nur Letzterer die finanzielle Verantwortung und letztlich das unternehmerische Risiko alleine trägt und tragen soll.

 Dennoch besteht beim Vorstand wie auch Mitgliedern im Verein die tief verwurzelte „kulturelle Grundhaltung“, dass ein Mitsprache, bis hin Mitentscheidungs-Recht, eingefordert wird. Die Grenzlinie zwischen Nutzung im Rahmen des Vorgegebenen und des Einwirkens sowie Mitentscheiden-Wollens wird dadurch überschritten. Frust und Unverständnis bei den Funktionären im Verein, die nicht gleichzeitig den Hut der Betreiber-gesellschaft tragen, und bei der „Spielfeld-Organisation“ nicht mitentscheiden dürfen, ist nicht selten die Folge.  Die „Spiesse des Entscheidens und des Handelns“ haben eben unterschiedliche Längen.

So gesehen hat der Vorstand eines Golfclubs keine direkten Einwirkungsmöglichkeiten auf die Betreibergesellschaft, ob, wie und wann in dessen „Stadion“ Golf gespielt und auf dessen „Golf-Trainingsfeldern“ geübt wird. Auch investieren diese Vereine in Ermangelung notwendiger Finanzen richtigerweise auch keine Mittel im „Stadion Golf“. Dass sich fast keine Funktionäre für die Vereinstätigkeit im eigentlichen Sinne mehr finden  ist auch verständlich.

Anders gewendet: Liesse der schweizerische Golfverband moderne Strukturen auf unseren Golfanlagen zu, indem er juristische Gesellschaften als vollwertige Mitglieder aufnähme, entstünden viele Problemfelder gar nicht erst, oder würden sich von alleine erledigen, zumindest entschärfen.

* Fachbeitrag von Dr. Andreas Keller, Binningen, Geschäftsführer/ Eigentümer Golfzentrum Rheinfelden.

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