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Er ist wieder da!

Gut gelaunt und von den Zuschauer gefeiert: Tiger am Arnold Palmer Invitational 2018

Während die Golfenden in der Schweiz noch den Winter aussitzen müssen (so langsam reicht’s wahrscheinlich nicht nur mir), sind die besten Profis schon mitten im Wettkampfmodus und vor dem ersten Saisonhöhepunkt in Augusta (5.- 8 April) waren die Turniere der letzten paar Wochen sehr gut besetzt, dienten als echte Standortbestimmung und brachten auch einige dicke Überraschungen.

Mitte Februar holte sich Bubba Watson an der Genesis Open in Pacific Palisades (Kalifornien) nach zwei Jahren wieder einen Sieg auf der Tour. Eine Woche später beendete „Lefty“ Phil Mickelson eine fünfjährige Durststrecke ohne Sieg an der WGC in Mexiko City. Und an der Valspar Championship in Innisbrook (Ende 2017 noch Austragungsort des Internationalen Finals der birdie-open Serie!) gewann Paul Casey seinen zweiten PGA Tour Titel nach 2009. Der Engländer spielt allerdings auch auf der European Tour und hat dort schon 13-mal gewonnen. Interessant ist, dass alle Drei schon im vermeintlich fortgeschrittenen Sportleralter sind (Mickelson 47, Casey 40 und Watson auch schon 39). Dazwischen, an der Honda Classic, behielt dann wieder ein Youngster das bessere Ende für sich. Justin Thomas (24) spielte cool und besonnen und besiegte im Playoff den wenig bekannten Luke List.

Die grösste Aufmerksamkeit der Zuschauer und Medien bekam seit Anfang Jahr allerdings das Comeback von Tiger Woods, auch wenn das einigen nicht so recht zu schmecken scheint. So meinte Greg Norman scheinbar etwas genervt, „ich schaue nicht auf Tiger, denn es gibt so viele talentierte Spieler auf der Tour die mehr in den Fokus gehören.“ Der zweimalige Majorsieger hat offenbar nicht begriffen, welche Stahlkraft der frühere Dominator noch immer hat. Abgestraft wurden er und andere Kritiker dann postwendend vom einzigen echten Gradmesser, dem Publikum. Die standen bei den Auftritten von Woods bis zu zehn Reihen tief am Fairwayrand und feierten ihn bei jedem gelungenen Schlag und Putt.

Ich muss gestehen, dass ich zu den USA – obwohl ich dort Verwandte und viele Freunde habe – ein etwas zwiespältiges Verhältnis habe. Doch eines fasziniert mich immer wieder: Jemand fällt auf die Schnauze, steht wieder auf, schüttelt den Staub ab, beginnt nochmals von vorne und gilt eben nicht als Versager. Genau das scheint Tiger jetzt zu erleben. Die Zuschauer feuern ihn an – vielleicht intensiver und ehrlicher als zu seinen besten Zeiten – und er dankt es mit für ihn völlig neuem Auftreten. Er lacht, scherzt mit den Mitspielern im Flight, reagiert auf Beifall, klatscht sogar auf dem Weg vom Green zu nächsten Tee mal Kids ab und gibt Interviews. Der lange von Verletzungen und privaten Problemen geplagte Superstar wirkt auf dem Platz zwar wie immer hochkonzentriert, ist aber irgendwie zugänglicher geworden und freut sich ganz offen, dass er wieder mitspielen kann. Und es blieb nicht nur beim Mitmachen: An den letzten drei Turnieren platzierte sich die Golfikone wie folgt:

The Honda Classic: 12.
Valspar Championship: T2
Arnold Palmer Invitational: T5

Auch wenn ihm – nach der langen Wettkampfpause mehr als verständlich – noch etwas die Konstanz fehlt, es ist beeindruckend wie flüssig sein Schwung aussieht, wie überlegt er seine Abschläge angeht, öfter mal nur ein Fairwayholz oder ein Eisen 2 platziert und sein Kurzspiel – auch aus üblen Lagen – ist überzeugend. Einzig auf den Greens läuft es noch nicht wirklich tiger-mässig. Früher war das schon fast sein Markenzeichen: Schwierige und/oder entscheidende Putts versenkte er in Stil eines Scharfschützen. Auf der „Florida-Tournee“ rollten die Bälle noch öfter mal knapp am Loch vorbei.

Die ehemalige Weltnummer 1 gab sich nach seinen Auftritten dennoch zuversichtlich, war mit seinem Spiel zufrieden und die Beobachter, darunter Leute wie Nick Faldo und Jack Nicklaus die ein, zwei Dinge von Golf verstehen, zeigten sich sehr beeindruckt von Woods Fähigkeiten und meinten, dass er am Masters durchaus zu einem Faktor werden könnte. Rory McIlroy (Sieger in Bay Hill mit einer überragenden 64er Schlussrunde) und viele andere Spitzenspieler werden sich auch bewusst sein, dass er den Platz kennt wie kaum ein anderer. Ich persönlich freue mich einfach, dass er wieder dabei ist und auch wenn es in Augusta nicht zum sechsten Titel reichen sollte. Tiger is back!

Text: Peter Hodel
Foto: PGA Tour / Getty

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