Challenge Tour: Kein Aufstieg für Girrbach und Iten
4. November 2018

Equipment: Mythen und Fakten

Am 19. Loch werden Geschichten erzählt, über die verflossene Runde, die drei ausgelippten Birdieputts, den unerwarteten Seitenwind, der den Ball ins Aus beförderte und noch viel mehr. Und natürlich wird auch das Thema Ausrüstung durchgekaut und so sind Legenden und  Mythen entstanden. Wir haben einige der gängigsten unter die Lupe genommen und verschiedene Experten dazu befragt.

  • Wie lange hält ein Golfball durch
    Die meisten Bälle sind gar nicht lange genug im Spiel – sie finden ein frühes Ende im Out, Wasser oder Rough – bis sich diese Frage stellt. Doch gehen wir mal davon aus, Sie benützen den gleichen Ball während zehn vollen Runden. Haben hunderte von Schlägen oder ein paar kleine Kratzer eine Auswirkung auf seine Leistung?
    Ein ehemaliger Golfballdesigner von Taylor Made und Titleist meint, dass man einen hochwertigen Ball wenigstens 100 Mal mit einem Driver (und das mit der Schwunggeschwindigkeit eines Tourspielers) schlagen müsste, um die Schale zu beschädigen. Die meisten Bälle würden mehr als 250 Schläge überstehen, ohne Verschleisserscheinungen zu zeigen. Auch Kratzer haben keinen spürbaren Einfluss, wenn nicht Dimples beschädigt wurden.
    Aussentemperatur und Wasser sind die eigentlichen Feinde. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt oder über 38° Celsius werden die Kunststoffe die die verschiedenen Schichten bilden härter oder weicher und das beeinflusst Ballgeschwindigkeit und Spin.
    Mit Bällen zu spielen, die im Wasser gefunden oder von professionellen Tauchern herausgefischt wurden, ist auch keine gute Idee. Der Experte: „Wasser kann innerhalb von wenigen Tagen in den Kern sickern und das kostet Distanz und Geschwindigkeit.“ Das beste Klima für Bälle? Trocken und ungefähr 22 Grad.
  • Wie beeinflussen Temperatur und Höhenlage das Spiel?
    Die Leute von TrackMan haben tausende von Schlägen unter verschiedensten Bedingungen gemessen. Die Temperatur spielt eine grössere Rolle, als Sie vielleicht denken. Ein durchschnittliches 6er Eisen fliegt bei 38 Grad ungefähr 7.5 Meter weiter als bei 5 Grad. Und ein Spieler mit einer durchschnittlichen Schwunggeschwindigkeit (ca. 150 km/h) wird auf 1500 Metern Höhe ungefähr sechs Prozent weiter schlagen als auf Meereshöhe – etwas weniger mit einem Schläger (Fairwayholz oder Hybrid) die eine flachere Flugbahn geben.
    Auf Plätzen in Andermatt, Samedan oder Arosa, oder bei sehr hohen Temperaturen, sollten Sie also Handgelenk x Pi ein Eisen weniger nehmen.
  • Nutzen sich Schläger ab?
    Wenn Sie keine TourspielerInnen sind, die tausende von Bällen im gleichen Punkt auf der Schlagfläche treffen, wird sich die Technologie weiter entwickelt haben, bevor Sie ein Set in die Alteisensammlung tragen müssen. „Spielen Sie mit gegossenen Schlägerköpfen aus rostfreiem Stahl, wird es ewig dauern, bis die abgenutzt sind“, meint der Besitzer eines Golfshops. Etwas weniger lang halten geschmiedete Eisen. Bei denen ist das Material weicher, was ein besseres Gefühl vermittelt, dadurch aber (nur unwesentlich) leichter abgenutzt wird.
    Bei Drivern, Fairwayhölzern und Hybridschlägern wird das Material nicht geschwächt oder abgenutzt, auch wenn Köpfe in ganz seltenen Fällen schon zerbrochen oder geplatzt sind.
    Bei den Schäften ist eine Abnützung hingegen deutlicher spürbar. Stahlschäfte können sich bei intensivem Gebrauch verbiegen, vor allem wenn Sie oft auf Matten trainieren. Bei Grafitschäften hängt es vom Fertigungsverfahren (und damit vom Preis) ab: Hochwertige Produkte wie z.B. von Daiwa werden haben einen höheren – und qualitativ besseren – Anteil an Carbonfasern, was sich direkt auf die Art wie sich der Schaft biegt auswirkt.
    Ambitionierte GolferInnen (mit einem relativ sicheren Schwung) sollten also bei der Anschaffung von Schlägern vorab auf den Schaft und nicht auf den Herstellernamen achten. „Ein toller Schlägerkopf mit einem schlechten Schaft wird zu einem durchschnittlichen (oder sogar unterdurchschnittlichen) Schläger, wogegen ein mittelmässiger Kopf von einem hochwertigen Schaft deutlich profitieren kann“, erklärt ein Vertreter eines japanischen Herstellers.
    Ein wichtiger Punkt bei Grafitschäften ist das Bindemittel (zur Verbindung der Faserschichten). Teurere Schäften enthalten weniger Bindemittel und weil das mit der Zeit härter wird, verlieren günstigere Produkte schneller an Flexibilität und werden (im schlimmsten Fall) brüchig. Auch die besten Schäfte werden also mit den Jahren „müde“.
    Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie den Wedges widmen. „Wenn Sie mit diesen Schlägern intensiv trainieren, werden sich die Grooves (Rillen) abnützen. Sie sollten in diesem Fall etwa alle zwei Jahre ersetzt werden“, sagt ein erfahrener Clubfitter.
    Als letztes: Kaltes Wetter schadet Ihren Schlägern nicht, grosse Hitze – z.B. im Kofferraum des Autos – ist hingegen Gift: Hohe Temperaturen (und unter brütender Sonne kann es da ohne weiteres 60 Grad und heisser werden) schaden dem Epoxidharz, mit dem Schaft und Kopf verleimt werden.
  • Rangebälle fliegen nicht so gut wie „richtige“ Bälle?
    Sie haben gerade ein Eisen 7 auf der Range an die 140 Meter entfernte Fahne befördert. Ein Grund zum Feiern? Nun, es hängt davon ab, welchen Ball Sie gerade aus dem Körbchen genommen haben. In einem Test mit einem Schwungroboter wurden 20 Bälle von verschiedenen Übungsplätzen mit Hochleistungsbällen verglichen.
    Bei einer Schwunggeschwindigkeit von 130 km/h mit einem 7er Eisen flogen die „richtigen“ Bälle 134 bis 139 Meter weit. Bei den Rangebällen war der Unterschied deutlich höher, 127 bis 153 Meter. Rangebälle fliegen also nicht zwangsläufig weniger weit, weisen aber grössere „Streuungen“ auf und es ist deshalb nicht sinnvoll, mit ihnen die persönliche Schlagweite bestimmen zu wollen.
  • Wieviel Distanz geht verloren, wenn Sie den Sweetspot nicht treffen?
    In jedem zweiten oder dritten Instruktions-Artikel oder -Video wird herausgestrichen, wie Sie die Schlägerkopfgeschwindigkeit erhöhen und damit mehr Länge erreichen können. Doch dabei wird eines der wichtigsten Puzzleteile vernachlässigt: Den Sweetspot treffen. Ein Ingenieur und Biomechaniker berechnete den Einfluss von ungenauen Treffern. „Tourspieler treffen den Sweetspot sehr oft und dadurch erhöht sich der „Smash-Faktor“ (SF = Ballgeschwindigkeit : Schlägerkopfgeschwindigkeit) auf ungefähr 1.48. Spieler mit Handicaps von 20 und mehr treffen den Ball überall auf der Schlagfläche und ihr Smash-Faktor liegt meist unter 1.30. Wenn Hobbyspieler ihren Driver mit 150 km/h schwingen, wird sie der tiefere SF ungefähr 35 Meter an Distanz kosten. Achten Sie also im Training mehr darauf, den Sweetspot zu treffen und nicht die Schwunggeschwindigkeit zu erhöhen.

Text: Peter Hodel

1 Kommentar

  1. Karl sagt:

    Haben Bälle ein Verfalldatum?

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