Der kleine Mann im roten Shirt
7. Januar 2021
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Einer-der-nicht-gennant-werden-soll

Die letzte Kolumne von Mischa Peter, Swiss PGA Pro im Golfpark Holzhäusern.

Ist es moralisch unbedenklich, Golf zu spielen dieser Tage, wenn man doch weiss, dass es dringendere Dinge gibt, die unsere volle Aufmerksamkeit erfordern? Ist es ok, fröhlich-frustriert seinem Ball hinterherzujagen, wenn es anderen Leuten nicht gut geht?

Ich weiss es nicht. Lassen Sie mich trotzdem über Moral reden: Einer-Der-Nicht-Genannt-Werden-Soll spielt mehr Golf als jeder vor ihm und wird dabei beobachtetet, wie er bescheisst und den Ball mit unerlaubten Mitteln ins Loch lenkt. Wie er mit einem Golf-Cart fröhlich und ohne mit den Wimpern – die vermutlich gefärbt und toupiert sind – zu zucken über ein Grün fährt, dort anhält und kurvend wieder davonbraust. Winkend natürlich. Und lachend – über die Welt lachend. In vollem Bewusstsein, das Falsche zu tun. Sich foutierend um Regeln, Moral und Traditionen.

Wir versuchen, unseren Junioren und Anfängern, Golf als Spiel und als bewusstseinserweiternden Sport weiterzugeben. Als Lernaufgabe im spielerischen Sinn für Ehrlichkeit, Ausdauer, Demut, positives Denken, Umgang mit Nieder- und Fehlschlägen. Doch das Vorbild sieht in vielen Fällen anders aus. Die Klischees, mit denen Golf als Sport zu kämpfen hat – trotz erfolgreichem Public Golf – kommen nicht von ungefähr. Und gerade dann, wenn die ganze Welt zuschaut, sorgt einer dafür, dass der Aufbau und die Fortschritte bezüglich Ansehen des Sports zunichte gemacht werden. Es wird eine schnelle Lösung vorgelebt. Die Folge ist klar: Golf ist ja einfach. Das kann ich auch. «Wann kann ich die Platzreife machen», fragen sie schon nach drei Wochen!

Golf wird von Einem-Der-Nicht-Genannt-Werden-Soll lächerlich gemacht. Als Sport dargestellt, den nur die Alten und Reichen spielen können und sollen, um vom Rest des Geschehens abzulenken. Oder von sich selber.

Dass Golf aber ein Spiegel der Gesellschaft sein kann und vermutlich auch ist, das wird zu wenig ernst genommen. Die Regeln wurden vor drei Jahren soweit angepasst, dass Old Tom Morris sich vermutlich im Grab umdrehte. Es gab zwar ein paar Top-Golfer, die sich kritisch äusserten, weil sie die Traditionen bewahren wollten. Diese Stimmen wurden aber schnell auf stumm geschaltet. Die Befürworter des Wechsels predigten, dass es gut sei für alle. Dass es das Spiel schneller machen würde, dass es an die moderne Zeit angepasst sei, dass es den Sport in seiner Entwicklung vorwärtsbringen würde.

Wirklich? Tut es das? Ist das alles eingetreten, was man propagandamässig kommuniziert hat?

Wenn ich mit dem Golf-Cart aufs Grün fahren und im Wald meinen Ball besser legen will, dann kann ich das auch zu den alten Regeln. Und schneller meinem Ball hinterher laufen kann ich auch ohne Fahne im Loch.

Leute – und ich sage bewusst nicht Golfer –, die sich um die Grundwerte des Golfsports foutieren, wird es immer geben. Traditionalisten auch. Wichtig für unseren Sport ist – auch hier – die Demokratie. Man lässt sich in Ruhe. Man geht miteinander. Man frönt dem Sport und nicht der Politik. Ich plädiere für den Weg zurück zur Gewaltentrennung. Man respektiert alle Seiten. Ohne den Sport kaputtzumachen. Wir alle wollen spielen. Wir alle wollen Spass haben in unserer Freizeit.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit. Freie Zeit. Spass am Spiel. Ich verabschiede mich mit dieser Kolumne von Golf&Country. Es war mir eine Freude, Sie in den letzten drei Jahren zu unterhalten. Hebed Sorg. Ihr Mischa Peter.

*Mic Drop*

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