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Eine Runde mit Joel Girrbach

Kein alltägliches Bild: Ein Schotte, Ein Engländer und zwei Schweizer in Nordirland

Kevin aus Glasgow, Chris aus Huddersfield und ich schleppen unsere Bags in noch leicht verkatertem Zustand quer über die bereits von geschäftigem Treiben summende Anlage. Es ist früh am Mittwochmorgen, wir steuern das Zelt an in dem ein Frühstücksbuffet aufgebaut ist und greifen herzhaft zu, denn in weniger als 45 Minuten geht’s an den Start zum ProAm der Northern Ireland Open, einem European Challenge Tour Event.

Ohne gross aufzuwärmen – wir sind ohnehin schon knapp dran – marschieren wir zum 10. Abschlag und dort wartet schon „unser“ Pro Joel Girrbach, der uns freundlich begrüsst und etwas erstaunt ist, dass einer im Flight Schwyzerdütsch spricht. Viel Zeit meine Anwesenheit zu erklären bleibt aber nicht, denn der Starter ruft uns schon auf.

Vor uns liegt einer der schönsten Parklandplätze in Nordirland, der für diesen Anlass hervorragend präpariert wurde und das war für die Organisatoren wegen den Niederschlägen an den Vortagen nicht einfach. Der Course ist gespickt mit vielen Wasserhindernissen, gesäumt von altem Baumbestand und misst von ganz hinten knapp 6‘500 Meter. Wir drei Hobbyspieler bekommen natürlich ein paar hundert Meter weniger aufgebrummt, haben aber auch damit genug zu tun.

Joel macht sich ans Werk und nun können wir aus nächster Nähe eine eindrückliche Vorstellung der letztjährigen Siegers der Swiss Challenge im Golf Sempachersee geniessen. „Schöggu“ wie der Thurgauer mit Spitznamen heisst, wirkt vom ersten Schlag an hochkonzentriert, betrachtet den Platz sehr genau und notiert sich immer wieder Anhaltspunkte für die Planung seiner Turnierrunden. Sehr viel geredet wird in unserem Flight nicht, aber wir haben Verständnis, denn für Joel ist es die einzige Gelegenheit für eine Trainingsrunde und er braucht für das Jahresranking dringend gute Resultate. Und wir haben ohnehin genug damit zu tun, eine einigermassen passable Figur abzugeben. Immerhin kommt uns bei der vorgegebenen Spielform zu gut, dass wir unsere Bälle jeweils beim Landepunkt des Drives von Joel platzieren dürfen. Und seine Abschläge kommen regelmässig viel weiter vorne zu liegen, obwohl wir da und dort doch einen „Bonus“ von 40 bis 50 Metern erhalten. Besonders beeindruckend der Abschlag unseres Pros an der vierten Bahn, einem 294 Meter langen „risk-and-reward“ Hole, wo er seinen Drive auf Fahnenhöhe an den Greenrand setzt. Leider bleibt der Ball aber drei lausige Zentimeter im Vorgrün hängen und keiner von uns versenkt den teuflisch schwierigen, extrem steilen Bergab-Putt zum Eagle.

Wir drei Amateure vergurken in der Mitte Runde einige Löcher so richtig doll – Joel hat uns schon zu Beginn gesagt, dass nur Birdies gefragt sind, alles andere könnten wir vergessen – und machen uns schon auf ein kleines Debakel gefasst. Doch so einfach die Flinte ins Korn zu werfen liegt uns dann doch nicht, wir stellen uns den letzten Herausforderungen, beschliessen das neunte Loch mit einem Chip-in zum Eagle unseres Leaders und drei Birdies und erfahren am Abend zu unserem Erstaunen, dass wir den 6. Rang von 50 klassierten Flights erreicht haben. „Schöggu“ hat sich da längst verabschiedet und sucht wie die meisten seiner Mitbewerber sicher etwas Ruhe vor dem Turnierbeginn.

Am nächsten Tag zieht unsere kleine Gruppe bereits weiter nach Portrush und wir haben keine Gelegenheit mehr Joel zu begleiten. Wie sich später herausstellte lief es ihm vor allem an den ersten beiden Tagen mit Runden von 72 und 70 Schlägen sicher nicht wunschgemäss, aber auch er zeigte Kampfgeist und kam nach einer 66er und einer 68er Runde schliesslich auf den geteilten 26. Rang.

PS: Nur eine Woche später erzielte „unser“ Pro an der Rolex Trophy in Genève (nach einem 2. Rang Anfang Juli in Prag) sein zweitbestes Resultat in diesem Jahr, machte einige Ränge im Jahresranking gut und steht dort nun auf Platz 26. GO JOEL!!!

Text: Peter Hodel
Foto: Billy Scott

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