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Der Übergolfer: Wenn zu grosse Erwartungen zum HCP werden

Eine Kolumne von Pascale Fahrni, Golf-Mental-Coach und Unternehmerin.

Seit 30 Jahren begleitet sie Menschen auf ihrem Weg, Ressourcen zu erkennen und diese gewinnbringend zu nutzen.

Gisela und Gustav Olfer sind stolz auf ihr Golfjahr. Sie haben vieles umsetzen können und Gisela hat sogar ihr Handicap verbessert. Was beiden auf dem Golfplatz jedoch oft zum Verhängnis wurde, war und ist die hohe Erwartung an sich selber.

Perfekt wollen alle sein. Und da liegt der Golferhaken begraben. Es gibt ihn, diesen einen perfekten Schwung. So war es bei Gisela, als sie aus 90 Metern ihren Annäherungsschlag einlochte. Auch Gustav hatte schon sein Highlight. Zum Beispiel, als er den Eagle auf dem Par 5 schaffte. Doch dazwischen liegen etliche Tiefs und Enttäuschungen, weil es einfach nicht so ging, wie man wollte.

Enttäuschung folgt auf zu hohe Erwartungen. Geschieht dies zu oft, sinkt der Selbstwert. Ist der Selbstwert im Keller, kommt die Unsicherheit dazu. Und eine unsichere Spielweise ergibt ein schlechtes Spiel. Viele schlechte Runden erzeugen Frust, Nervosität und Verkrampfung. Fertig mit lockerem Spiel auf dem Platz.

Golfer erwarten von sich ein perfektes Spiel. Das heisst, tolle Runden, super Schläge und gute Ergebnisse. Wie die Profis eben. Im Moment der hohen Erwartung vergessen 

jedoch leider viele Golferinnen und Golfer,

– wie ihr wirklicher Trainingszustand ist,

– wie wenig Turniererfahrung sie schon gesammelt haben,

– wie ihr aktueller physischer und psychischer Zustand ist.

Und stimmt das erwartete Ergebnis nicht, folgen eben Ent­täuschung, Nervosität, Frust und Ärger sowie hässliche Selbst­gespräche. Die Selbstzerstörung setzt ein.

Gisela kennt das. «Wenn ich meine 33 netto nicht erreichte, ärgerte ich mich. Es war kein gutes Spiel!» Sie erwartete von sich jeweils eine solche Runde. Wenn sie unter diesem Wert lag, sammelte sie Enttäuschung um Enttäuschung und war jeweils mit sich selber unzufrieden.

Woher kommt denn diese Sichtweise, dass man mindestens 33 netto spielen muss, damit man gut ist? Sie meint: «Das habe ich gelesen und das sagen auch die anderen!» Et voilà – ein Glaubenssatz, verbunden mit hoher Erwartung, ist entstanden, der mehr Frust als Leichtigkeit bringt.

Gustav Olfer ging es ebenso. Er muss zugeben, dass er gerne wie McIlroy und all die anderen «Cracks» spielen möchte. Der Fokus auf das Hier und Jetzt geht dann verloren. Angriff ohne Wenn und Aber ist angesagt. Dass dabei der Ball zu oft links und rechts im Aus oder in absolut schlechten Lagen zum Liegen kommt, wird dann entweder mit «Pech» oder mit einer heftigen Selbstzurechtweisung quittiert. Beides löst ein ­un­gutes Gefühl und Stress aus.

Gehen Sie anders an Ihr Golfspiel Heran. 

1) Erkennen Sie Ihre Erwartungen an sich selber und an andere.

2) Welche lösen bei Ihnen Stress, Enttäuschung, Frust und negative Selbstgespräche aus?

3) Spielen Sie erwartungslos und werden Sie locker.

4) Setzen Sie sich ein anderes Ziel als den Score.

Bewusstes Zielmanagement verhindert Enttäuschungen. Setzen Sie Ihr nächstes Rundenziel wie folgt: Wie gelingen mir meine Annäherungsschläge aus Entfernung XY? Wo liegt jeweils mein erster Ball auf dem Green in Distanz zur Fahne? Wie oft denke oder sage ich etwas Negatives zu mir? Notieren Sie sich dies auf der Karte. Im Anschluss nehmen Sie ein bis zwei Punkte raus, die Sie in Zukunft verbessern werden.

Das Fazit daraus: Zu hohe Ziele nicht erreichen, heisst Enttäuschungen sammeln, und viele Enttäuschungen bedeuten, dass der Selbstwert sinkt, der Frust steigt. Nehmen Sie sich Rundenziele vor, die nichts mit dem Score zu tun haben. ­Besprechen Sie diese Ziele und Resultate mit Ihrem Golftrainer oder Mental-Coach. Spielen Sie auch einmal eine Runde ohne jeglichen Erwartungen an sich oder an andere. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen bereits jetzt eine tolle Golfsaison 2020.

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