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Der Schläger – oder wie Odysseus das Golf erfunden hat

Eine Kolumne von Mischa Peter, Swiss PGA Pro im Golfpark Holzhäusern.

Karl kam schon das 26. Mal in die Stunde diese Saison. Fairerweise muss ich sagen, dass er auch im Januar und Februar zum Training gekommen war. Diesmal kam er mit seinem kleinen Golfbag. So eine klitzekleine Tragetasche, in die knapp die Bälle reingehen, geschweige denn der ganze Rest des Haushalts, den er sonst in seinem grossen Jucad-Bag – ­wasserdicht natürlich – drin hat.

Aus dem kleinen Bag sah ich nur Driver-Köpfe rausquellen. Mindestens sieben. Wie in aller Welt hatte er die in diesen Bag reingequetscht? Und wie bekommt er die wieder raus? Ich war gespannt.

«Ich brauche einen neuen Driver. Ich habe gelesen, dass dieses neue Teil von Ping so verdammt gut ist. Aber dann habe ich auch noch den TaylorMade, den Dustin Johnson spielt, und den Cobra von Bryson dabei. Aber nicht mit fünf Grad Loft.» Er lachte nervös dabei. Es ging weiter ohne Punkt und Komma. «Bei Callaway wusste ich nicht, welchen ich nehmen soll, deshalb habe ich alle drei dabei.»

Ich schaute ihn an, lächelte leicht. «Karl, wir haben doch erst gerade vor drei Wochen den Onoff-Driver für dich gefittet, und du warst happy damit?» «Ja schon, aber dann habe ich im Internet gelesen …» Aha, im Internet gelesen, dachte ich. Das ist, wie wenn ich eine neue Pille schlucken muss, nachdem ich beim Arzt gewesen bin, und mich danach im Internet «schlau» mache, was ich da überhaupt schlucken muss, und dann nur schon beim Lesen Bauchkrämpfe, Haarausfall, starken Achselschweiss, krumme Zehennägel und faule Zähne bekomme. Ganz zu schweigen von Durchfall ?und überhöhtem Blutdruck. Ich darf auf jeden Fall unter gar keinen Umständen ein Fahrzeug lenken nach der Einnahme dieser Pillen.

«Also im Internet», sagte ich. «Und was stand denn da?» «Also den Onoff hab ich schon gut getroffen, vor allem mit diesem speziellen Schaft mit nur 1,8 Grad Torque und 3/4 Inch kürzer, den du für mich extra in Amerika bestellt hast. Der fühlte sich zwar extrem hart an, aber ich habe die Bälle noch nie so gut getroffen. Aber eben.» Jetzt wurde er etwas nervös. «Dann war ich mir nicht sicher, als ich auf dem Platz am Turnier dreimal den Driver nicht so gut getroffen habe und er wieder diesen leichten Fade drin hatte, weisst du?»

Ja, ich weiss, dachte ich mir. Es liegt nicht am Driver, Karl. Es liegt NICHT! am Driver. «Also, was willst du jetzt machen?» «Ich weiss, wir haben nur eine halbe Stunde, weil du so aus­gebucht bist zurzeit, aber ich dachte, wir könnten mal schnell diese Driver anschauen und testen.» Seine Stimmte ging zum Schluss des Satzes leicht hoch, weil er eigentlich wusste, dass sich in mir gerade sämtliche Alarmglocken im Sturm bewegten, mein Magen sich zusammenkrampfte und mir sicher schon ein Haar ausgefallen war.

«Also lass mich das klarstellen: Du willst in einer halben Stunde eine seriöse Meinung von mir zu sieben Drivern, nachdem wir vor drei Wochen gerade ein zweistündiges Fitting gemacht haben?» Er war ruhig und schaute mich an. Er dachte nach, welche Antwort mich etwas beruhigen könnte. Aber er wählte den falschen Ansatz.

«Also weisch, ähm, ich habe mir auch noch einen neuen Putter gekauft. Also nein, noch nicht gekauft, aber mal getestet und ich konnte ihn auf 18 Loch mitnehmen. Das war richtig nett vom Verkäufer.» Ja, wenn der Verkäufer an deine Geburtstage und an die Taufe deiner Enkeltochter und die Hochzeit deiner Tochter eingeladen war, weil du ihn fast mehr siehst, als deine Frau, dann nehme ich an, dass er dir den Schläger zum Testen mitgibt, dachte ich für mich.

Es kam, wie es kommen musste: Karl kramte den ersten Driver aus dem Bag, schlug einen Ball, schaute mich an und sagte: «Ja, ich denke, der ist schon besser als der andere».

Oh Odysseus, wie recht du hattest.

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