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Der Papst spielt auch Golf – oder wie man den Spass verliert

Eine Kolumne von Mischa Peter, Swiss PGA Pro im Golfpark Holzhäusern.

«Ich bin Bruno», stellte er sich vor. Bevor ich sagen konnte: «Ich weiss», weil ich Bruno schon seit bald 30 Jahren kenne, fuhr er fort, «und ich sage nie, dass ein Schlag schön war oder mach ein Kompliment. Ich spiele einen Callaway 2», schloss er seinen Auftritt beim Betreten des ersten Tees ab.

Ein schöner Donnerstagnachmittag, Startzeit 13.20 Uhr. Auf einem wunderschönen Privatclub in der Schweiz. Wir waren schon auf dem Abschlag und haben etwas «Trash Talk» betrieben. Es war ein Einladungsturnier und deshalb durfte ich mit den Amateuren spielen. Ich mag das sehr – nicht, weil ich dann meist gewinne, nein, weil es unverblümt und roh ist. Die Realität des Golfsports, wie ich sie auf der Driving Range eben nicht oft mitbekomme, oder nur vom Hörensagen. Auch die anderen beiden Herren kannte ich schon länger und deshalb war der «Trash Talk» auch lustig.

Als Bruno (Name der Redaktion bekannt) seinen Auftritt hatte, schauten wir uns etwas verwundert an, lächelten etwas unsicher, nicht genau wissend, was wir in dem Moment gerade davon halten sollten. Unsere Unterhaltung fand damit auch ein abruptes Ende, und unsere Körperspannung war fast wie bei einer Militärparade mit dem Gewehr bei Fuss.

Die Stimmung drohte zu kippen. Deshalb entschloss ich schnell, meinen Ball aufzuteen und allen ein gutes Spiel zu wünschen. Mein Ball flog gerade und weit. Das militärische Adrenalin schien sich auszuzahlen. Bruno blieb stumm wie ein Fisch, die anderen wagten kaum etwas zu sagen, ausser einem anerkennenden Kopfnicken.

So liefen wir relativ ruhig und wie es schien konzentriert den ersten Fairway runter. Ausser Bruno waren alle etwas irritiert. Der stampfte zu seinem Ball, der im Rough rechts zu kurz hinter dem Bunker gelandet war, und liess sich nicht anmerken, dass er mit diesem Schlag restlos überfordert war. Deshalb hackte er ihn auch nur kurz in den Bunker rein. Wir beendeten das erste Loch: ich spielte ein Birdie an diesem Par 5, die anderen spielten Par und Bruno ein Doppelbogey. Das posaunte er auch laut raus, sobald der Ball ins Loch fiel und er sicher war, dass derselbe nicht wieder rauskam. Wir anderen schauten uns an, liefen zu unseren Bags, die wir natürlich nicht ganz genau beim nächsten Abschlag stehen gelassen hatten, und schrieben unsere Score-Karten.

Nur Bruno. Der war schon am nächsten Abschlag. Er hatte trotz seiner zusätzlichen Schläge die Zeit gefunden, seinen Trolley genau auf die Höhe des weissen Abschlags zu stellen, genau ausgerichtet in der Spielrichtung dieses Par 3, und nahm erst dort die Score-Karte aus dem Lederetui, in dem die Karte steckte wie eine Königin am Nationalfeiertag. Nennen wir ihn Hans, der sagte, dass ich ein schönes Birdie gespielt hatte. Was ich im Übrigen auch fand. Doch Hans sagte es mir nur ganz leise, da er Bruno nicht auf den Plan rufen wollte. Wir klatschten uns heimlich ab und grinsten wie Schuljungen, die einen Streich gespielt hatten.

Mit seiner Art hatte Bruno in diesem Flight einen Mikrokosmos geschaffen. Er war der Papst. Wir die Untertanen. Die Folgsamen. Wir konnten uns nicht richtig identifizieren mit dem Gehabe von Bruno, auch nicht, wenn er uns bei den Regeln belehrte, die wir korrekt anwendeten, er aber sicher sein wollte, dass er uns auch seine Meinung dazu sagte. Sogar nachdem der Ball gedroppt und geschlagen war. Bruno war in seinem Element. Er war in seinem Palast, von dem er auf uns herabschaute.

Wir hatten keine Ahnung, wir waren kleine unerzogene Jungs. So kamen wir uns zumindest vor. Der Trost dabei: Hans und Franz spielten ihr Handicap, ich spielte zwei über Par, womit ich sehr happy war. Nur Bruno sagte beim Verlassen des 18. Grüns: «Also so schlecht habe ich noch nie gespielt.»

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