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Demodays: Machen Sie einen Plan

Wie in jedem Frühling wird auch dieses Jahr wieder ein Tross von Fahrzeugen kreuz und quer durch die Schweiz ziehen und die neusten Errungenschaften aus den Schlägerschmieden präsentieren. Die verschiedenen Hersteller überbieten sich an diesen Anlässen jeweils mit Superlativen: Noch weiter – noch präziser – noch leichter zu schlagen. Ob die Versprechungen sich auch erfüllen, zeigt sich dann aber erst, wenn es auf der Runde ans Eingemachte geht und so manche, angeblich bahnbrechende Errungenschaft hat sich später als Blindgänger erwiesen. Erinnern Sie sich noch an den Top Flite Magna (1993), einen Ball mit etwas grösserem Durchmesser, der einen geraderen Ballflug bringen sollte? Ein Jahr später war der Hype schon wieder vorbei. Gleiches gilt auch bei den Drivern mit den rechteckigen Köpfen, die 2007 von Nike und später anderen Herstellern lanciert wurden. Sie bekamen zwar allenthalben gute Kritiken, klangen aber im Impact oft wie leere Blecheimer und das ungewohnte Design entsprach auch nicht jedem Geschmack. Nach wenigen Jahren waren die klobigen Dinger nur noch auf Flohmärkten zu sehen.

All dem zum Trotz, auch ich fühle mich an einem Demoday wie ein Bub bei Franz Carl Weber. Riesige Bags voller glänzender neuer Driver und Hölzer, Eisen, Wedges und Putter, mit denen ich Bälle auf die grüne Wiese dreschen darf. Und oft locken da auch noch spezielle Demoday Rabatte…

Doch wenn Sie ernsthaft an die Anschaffung von neuem Material denken, was sollte an einem Demoday beachtet werden? Wie profitieren Sie am besten von diesem materialmässigen Angebots-Overkill? Wir haben ein paar Fachleute befragt und hier sind ihre Tipps:

  • Machen Sie eine Bestandaufnahme: Welche Schläger haben in der vergangenen Saison gut und welche nicht gut funktioniert.
  • Überlegen Sie dann, welche Anschaffungen getätigt werden müssen und auf welche Sie noch nicht wirklich angewiesen sind; sprechen Sie darüber auch mit Ihrem Golflehrer, er sieht Dinge, die Ihnen entgehen mögen.
  • Legen Sie sich ein Budget zurecht und halten Sie sich auch bei noch so verlockend schimmernden Neuheiten daran.
  • Machen Sie keine Kaltstarts nach einer längeren (Winter-) Pause. Ihr Schwung sollte einigermassen sitzen. Vor einem Schlägertest können Sie auch noch eine oder zwei Lektionen bei Ihrem Pro einschieben.
  • Geben Sie dem Markenvertreter möglichst viele (ehrliche!) Angaben (Spielstärke, Standardflugbahn Ihrer Bälle, Schwunggeschwindigkeit, wiederkehrende Schwierigkeiten, ev. auch Gegebenheiten auf Ihrem Heimplatz, usw.) damit er Sie richtig beraten kann.
  • Nehmen Sie die eigenen Schläger mit, damit Sie den Direktvergleich spüren und achten Sie unbedingt die Loftwinkel (v.a. bei den Eisen), denn die sind von einer Marke zur anderen (und oft sogar bei verschiedenen Modellen des gleichen Herstellers) unterschiedlich. Dieser Vergleich kann mit einem TopTracer oder Trackman punktgenau gemacht werden.
  • Schauen Sie auf den Ballflug, den Klang, das Gewicht und das Gefühl beim Treffen des Balles.
  • Lassen Sie sich Zeit und zücken Sie vor lauter Begeisterung nicht gleich den Plastikstreifen in Ihrer Brieftasche. Wenn Sie nicht ein tiefes einstelliges Handicap haben und 2- 3 Mal pro Woche spielen oder trainieren, besteht eine realistische Chance, dass Ihre Tagesform grosse Schwankungen aufweist. Machen Sie vor dem Kaufentscheid einen zweiten Test (oder noch besser ein Fitting) an einem anderen Tag.
  • Wechseln Sie die Schläger erst, wenn Sie absolut überzeugt sind dass die neuen bessere Resultate bringen.
  • Ein Fitting bzw. eine seriöse Beratung ist nicht nur für Könner. Ein Einstieg in den ohnehin schon nicht einfachen Sport kann mit falschen Schäften (Härte, Länge) und Schlägerkopfdesign (zu schwer, zu kleiner Sweetspot) zusätzlich erschwert werden.
    Mit gut angepasstem Material können wiederholbare Fehler (z.B. Slice) vermindert werden und so machen Training und Spiel einfach mehr Spass.
  • Vergessen Sie aber nie, dass wirklich grobe Schwungfehler auch mit den besten und neusten Schlägern nicht behoben werden können. In dem Fall hilft nur der Gang zum Golflehrer.    

Zum Schluss ein Tipp aus eigener Erfahrung: Geben Sie nie eine Wedge oder einen Putter oder sonst was weg, das früher einmal gute Dienste geleistet haben. Vielleicht greifen Sie gerne wieder einmal darauf zurück, zum Beispiel wenn der neue Schläger mal bockt oder in die Brüche geht.

Text: Peter Hodel
Mit freundlicher Unterstützung von Ralf Lehman (Headpro im Swiss Golf Park)

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