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Clubmitglieder zeigen sich während Corona-Krise solidarisch

Seit dem Corona-Lockdown steht auch der Betrieb auf sämtlichen Golfanlagen des Landes still. Wir haben uns umgehört und nachgefragt, ob tatsächlich nirgends mehr gespielt wird und wie gross die wirtschaftlichen Folgen für die Clubs sein könnten.

Sonnenschein von frühmorgens bis spätabends. Temperaturen, die kontinuierlich auf der Thermometerskala nach oben kraxeln. Plätze, die perfekt gepflegt nur darauf warten, endlich bespielt zu werden. Und jetzt steht auch noch das Osterwochenende vor der Türe, an dem man doch mehr als genug Zeit hätte. Sind wir ehrlich, viel besser als derzeit könnten die Voraussetzungen für traumhafte Golferlebnisse wohl kaum sein. Zumindest in der Theorie. Die Praxis sieht bekanntlich anders aus.

Kein geselliges Beisammensein, keine Osterausflüge und auch keine Golfrunden. Aufgrund der Coronakrise und dem damit zusammenhängenden Lockdown stehen in der Schweiz sämtliche Golfanlagen seit Wochen still. Doch halten sich die Schweizer Golferinnen und Golfer auch tatsächlich an das Verbot? Was unternimmt der Club wenn nicht? Und wie sehr setzt die Krise den Schweizer Golfclubs aus wirtschaftlicher Sicht zu? Mit diesen Fragen im Gepäck hat sich Golf&Country bei den hiesigen Clubs umgehört.

Keine schwarzen Schafe
Was die Disziplin anbelangt, stellen sämtliche angefragten Golfclubs ihren Mitgliedern ein sehr gutes Zeugnis aus. «Die Platzsperre wird von unseren Mitgliedern zu 100 Prozent eingehalten», sagt etwa Ralph Polligkeit, Director of Golf & Sports der Grand Resort Bad Ragaz AG. Auch Roger Furrer, Manager vom Golfclub Luzern, zeigt sich zufrieden. «Bislang gab es keine Verstösse», sagt er. Die Kontrollen durch den Golfclub selbst und durch die Polizei würden jedoch weiterhin durchgeführt.

Denn wenn ein unbelehrbarer Golfer in diesen Tagen tatsächlich das Gefühl hat, er müsse sich dem Verbot widersetzen und eben doch noch ein wenig an seinem Handicap arbeiten, könnte ihn das teuer zu stehen kommen. Zwar gaben die meisten angefragten Clubs an, dass sie sich noch keine Art von allfälligen Sanktionen zurechtgelegt hätten, da es bislang eben noch nicht notwendig geworden sei. Wenn dies aber doch einmal der Fall sein würde, würde umgehend gehandelt werden. Beim Golfclub Domat/Ems ist man da schon ein wenig weiter. So hat der Club seine Mitglieder bereits am 17. März mit dem Informationsschreiben über die Schliessung der Anlage darüber informiert, dass «Mitglieder/Gäste, die trotz Sperre die Golfanlage Domat/Ems benutzen, vom Golf Club bis Ende Jahr gesperrt werden.» Zudem würde eine allfällige Busse (Verstoss gegen das Epidemie- und/oder Pandemiegesetz), welche schon bei fahrlässiger Missachtung bis zu 5000 Franken betragen kann, dem betroffenen Mitglied/Gast auferlegt werden. Glücklicherweise mussten aber auch hier die Verantwortlichen bislang nicht einschreiten und man sei optimistisch, dass dies auch in Zukunft nicht nötig sein werde.

Solidarität ist gefragt
Etwas weniger optimistisch zeigen sich die Clubverantwortlichen derweil was die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise anbelangt. Auch wenn sämtliche Angefragten zu bedenken geben, dass es noch viel zu früh sei, um den Schaden beziffern zu können, rechnen ebenso alle mit erheblichen Einbussen. «Es sind massive Einbussen zu erwarten, denn der Turnier- und Eventbereich ist de facto bis Ende Mai vollkommen weggebrochen», sagt etwa Ralph Polligkeit dazu. So geht man in Bad Ragaz im Moment bei den Gesamtumsätzen für Golfplatz, Driving Range mit Golfschule, Restaurant und Shop von einem finanziellen Rückgang von mindestens 30 Prozent aus. Auch der Geschäftsführer vom Golf Club Thunersee, Adrian Borter, geht davon aus, dass der Schaden mit Sicherheit gross sein werde. Aber da die Länge des Lockdowns unklar sei, seien Schätzungen aus seiner Sicht derzeit ohnehin unsinnig.

Sinnvoll mit Blick auf die Zukunft der Clubs wäre es – und auch da sind sich alle Clubbetreiber einig – wenn die Mitglieder auf allfällige Rückerstattungsforderungen von Beitragsteilen verzichten würden. «Wenn sich alle Mitglieder solidarisch gegenüber den Golfclubs verhalten und keine Ansprüche für den Ausfall von entgangenen Golftagen verlangen, kann der wirtschaftliche Schaden wohl einigermassen in Grenzen gehalten werden», sagt Albert Friedli, Clubmanager vom Golfclub Gams-Werdenberg. Eine Solidarität, die bis anhin von den jeweiligen Mitgliedern bei allen angefragten Golfclubs vorgelebt wird.


TEXT: FRANCO BRUNNER

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