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Brooks Koepka – der Master der Majors

Koepka: Die Majors sind sein Ding

Die 101. U.S. PGA Championship, neu ins Frühjahr verlegt, auf dem Bethpage Black in der Nähe von New York versprach im Vorfeld einiges an Spannung. Die allerbesten Spieler der Welt mit dem unglaublich schwierigen Platz konfrontiert, das musste doch zwangsläufig für Nervenkitzel sorgen. Tat es aber nicht, zumindest nicht für einen. Titelverteidiger Brooks Koepka zog schon am ersten Tag unwiderstehlich davon und man musste sich fragen, ob der Modellathlet vielleicht an einer Leseschwäche leidet. Ein grosses Schild vor dem ersten Abschlag auf der öffentlichen Anlage (hier darf jeder gegen eine recht bescheidene Gebühr von ca. $130- 150 antreten) weist überdeutlich darauf hin, dass dieser Course nur von „highly skilled players“ zu meistern ist. Doch Koepka ging am Donnerstag raus, notierte am Ende seiner Runde eine 63 und erzielte damit einen neuen Platzrekord. Einzig der Australier Danny Lee mit einer tollen 64er Runde konnte mit dem Leader mithalten, während Tommy Fleetwood und andere bereits vier und mehr Schläge einbüssten.

Am zweiten Tag ging das Schaulaufen von „Brooksy“ weiter. Obwohl er nach 27 gespielten Löchern (!) sein erstes Bogey kassierte, blieb er mit -5 erneut deutlich unter Par. -12 nach zwei Tagen und satte sieben Schläge Vorsprung auf Jordan Spieth der seine Puttingschwäche scheinbar überwunden hat und Adam Scott (beide -5). Weiter hinten im Feld kämpften Tiger Woods und andere mit den Tücken des „Black“, trafen Mal für Mal nicht die Fairways und mussten froh sein, in die Nähe von Par (70) zu kommen. Resultat: Tiger, Sergio, Bubba, Poulter, Reed, Dechambeau und Furyk gehörten zu den bekanntesten Spielern die nach zwei Tagen ausschieden.

Samstag: „Nur“ eine 70er Runde

Der dritte Tag bei Turnieren wird, insbesondere bei den Majors, im Allgemeinen als „moving day“ bezeichnet, weil sich da oft viele Topspieler in Position bringen und Boden gut machen (oder aber einbüssen). Koepka lieferte da auch seine bisher schwächste Vorstellung ab und musste mit einer Parrunde zufrieden sein. Doch seine nächsten Verfolger Spieth und Scott machten es auch nicht besser (beide 72) und so waren es Jazz Janewattananond und Harold Varner III (beide 67) Hideki Matsuyama und Patrick Cantlay (beide 68) sowie Luke List (69), die die grössten Sprünge nach vorne machten.

Trotzdem betrug der Vorsprung des Leaders immer noch komfortable sieben Schläge und bei mir machte sich das grosse Gähnen bemerkbar. Wer (oder was) sollte diesen Mann noch vor dem Gewinn seiner zweiten PGA Championship in Folge stoppen…

Finaltag: Dustin Johnson und die späte Aufholjagd

Am letzten Tag büsste Brooks Koepka zwar noch weitere Schläge ein und seine 74er Runde mit sieben Bogeys (zwei mehr als an den drei Tagen zuvor) war ein kleiner Wermutstropfen bei seiner sonst überzeugenden Vorstellung. Doch die Spannung über den Ausgang hielt letztlich nur etwa eine Stunde an, als DJ auf den Frontnine drei Birdies gelangen. Im Finish musste der nach dem Turnier von der Spitze der Weltrangliste verdrängte Johnson auch noch mal drei Bogeys notieren und Koepka kam schliesslich mit zwei Schlägen Vorsprung ins Ziel. Mit gehörigem Respektabstand folgten Spieth, Patrick Cantley und der überraschende Matt Wallace (alle -2).

Hier geht’s zum Leaderboard:

https://www.pga.com/events/pgachampionship/leaderboard/2019

Die Luxusprobleme des Siegers

Der 29jährige Koepka hat mit seinem Sieg auf Long Island seinen vierten Majortitel geholt, doch die Herzen der Fans scheinen ihm weiterhin nicht zuzufliegen. Der Mann aus West Palm Beach in Florida mit der Athletik und dem Aussehen eines Marvel Comic Superhelden wird von den Zuschauern trotz seiner überzeugenden Leistungen in den letzten zwei Jahren nicht so gefeiert wie Tiger Woods vor einem Monat in Augusta oder früher Jack Nicklaus und Arnold Palmer. Irgendwie hat man das Gefühl, der ganze Medien- und Zuschauertrubel würde ihn kaum interessieren und dass er einmal verlauten liess „Golf ist irgendwie langweilig, es fehlt die Action“ hat auch nicht zur Steigerung seiner Popularität beigetragen. Die Golffans erwarten von ihren Helden bedingungslose Hingabe und viele Emotionen, doch Koepka macht einfach sein Ding und das tut er – vor allem an den Grossanlässen – seit rund zwei Jahren besser als alle anderen:

2017 Masters: T11 U.S. Open: 1 British Open: T6 U.S. PGA: T13
2018 Masters: DNS (verletzt) U.S. Open: 1 British Open: T39 U.S. PGA: 1
2019 Masters: T2 U.S. PGA: 1    

Wenn sich „Mr. Ice“ weiterhin so konsequent auf die Majors konzentriert und seine Stärken – Länge gepaart mit Präzision vom Tee und mit den Eisen und vor allem tolles Putten – auszuspielen vermag, müssen sich seine Konkurrenten warm anziehen und Koepka werden die etwas gedämpften Sympathiekundgebungen aus dem Publikum egal sein. Der am Ende sechstplatzierte Luke List fasste nach der dritten Runde zusammen, was wohl viele gedacht haben: „Wir spielen alle nur noch um den Ehrenplatz. Eine solche Dominanz haben wir seit den besten Tagen von Tiger Woods nicht mehr erlebt.“

Text: Peter Hodel
Foto: Corey Sipkin / UPI

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