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Wundertüte Masters

Jack Nicklaus (46) und Sohn Jackie feiern 1986 einen erfolgreichen Putt

Auch wenn auf der US PGA Tour schon einige Turniere ausgetragen worden sind und die European Tour während den Wintermonaten in Asien, Südafrika und Australien gastierte, so richtig in Fahrt kommt die Saison für das Golfpublikum jeweils erst Anfang April. Das erst 1934 ins Leben gerufene Masters – die Open Championship gibt es seit 1860, das US Open wird seit 1895 und die US PGA Championship seit 1916 ausgetragen – erhält wahrscheinlich weltweit die meiste Beachtung und ein Eintrag in der Siegerliste in Augusta ist so etwas wie der ultimative Ritterschlag für einen Profigolfer.

Gleichzeitig ist das erste Majorturnier des Jahres fast so etwas wie ein vorgezogenes Saisonfinale, denn wer am 9. April ins grüne Jackett eingekleidet wird, hat bei einem Siegerscheck von 1.8 Millionen Dollar seine Schäfchen finanziell eigentlich schon im Trockenen und ist, was Renommee und Vermarktbarkeit angeht, unter den Topspielern etabliert.

Prognosen taugen nicht viel

Eine Prognose ist bei allen Majors, vor allem aber beim Masters, notorisch schwierig. Der Blick auf die Historie zeigt, dass in Augusta alle möglichen Kapriolen von kolossalen Abstürzen bis zu Aussenseitererfolgen möglich sind. Jordan Spieth, 2015 überlegener Start-Ziel-Sieger, wurde ein Jahr später als klarer Favorit gehandelt, machte aber am Sonntag nach ein paar Fehlschlägen, zwei davon am kurzen, aber teuflisch schwierigen 12. Loch, den Weg frei für Überraschungssieger Danny Willett.

Ähnliches erlebten auch Greg Norman und Ken Venturi, der US Open Champion von 1964. Der „Weisse Hai“ ging 1996 mit sechs Schlägen Vorsprung in die letzte Runde und gab den Sieg doch noch aus der Hand. Venturi lag 1956 (als Amateur) nach drei Runden mit vier Schlägen in Front, schrieb in der Schlussrunde eine 80 und verlor das Turnier mit einem Schlag Rückstand auf Jack Burke Jr.

Doch nicht nur fast unerklärliche Fehler, sondern auch unerwartete Triumpfe tragen dazu bei, dass das Masters oft als verhextes Turnier bezeichnet wird: 1997 trug sich das 21jährige Supertalent Tiger Woods als jüngster Spieler mit dem Rekordvorsprung von 12 Schlägen in die Siegerliste ein, obwohl in Augusta Platzkenntnisse, Geduld und spielerische Reife eine grössere Rolle spielen als irgendwo sonst. 1986 benötigte Jack Nicklaus, schon 46 Jahre alt und sicher weit über den Zenit seiner einmaligen Karriere hinaus, auf den Backnine der letzten Runde nur 30 Schläge, holte seinen sechsten Titel und ist damit bis heute Rekordsieger. Der Kommentator von CBS damals: „Der Bär ist aus dem Winterschlaf erwacht.“

Das Masters hat viele Mehrfachsieger hervorgebracht (Jack Nicklaus 6; Arnold Palmer und Tiger Woods 4; Jimmy Demaret, Sam Snead, Gary Player, Nick Faldo und Phil Mickelson 3 Erfolge), aber es gibt auch herausragende Golfer wie Lee Trevino (6 Majorsiege), Nick Price,  der fünffache (British) Open-Sieger Peter Thompson oder auch Payne Stewart, die nie ein grünes Jackett überstreifen konnten.

Der Platz ist so angelegt, dass vom Abschlag oft ein Draw, zum Green dann aber ein Fade gespielt werden muss. So betrachtet wären Spieler wie Sergio Garcia, die beide Flugbahnen beherrschen, eigentlich im Vorteil. Im Fall von El Niño ist aber seine notorische Schwäche beim Putten in entscheidenden Momenten auf den stark ondulierten und pfeilschnellen Greens wohl ein zu grosses Handicap.

Ins Gespräch gebracht haben sich in den vergangenen paar Monaten nebst Rory McIlroy, Jordan Spieth, Jason Day und Dustin Johnson vor allem der junge Justin Thomas, Rickie Fowler (Sieger bei der Honda Classic), Hideki Matsuyama (Sieger der Phoenix Open) und auch Marc Leishman mit dem Erfolg beim Arnold Palmer Invitational Mitte März.

Allen Prognosen und Statistiken zum Trotz stehen die Chancen aber gut, dass auch 2017 wieder die eine oder andere Überraschung passiert – und spannend wird es auf jeden Fall werden.

Text: Peter Hodel

Foto: GolfNewsNet

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