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Wider die Vorurteile

Erstmals ist die Zahl der Mitglieder in ASG-Clubs zurückgegangen. Zufall? Wohl kaum. Der Golfverband hat jedenfalls reagiert und eine Werbekampagne in Auftrag gegeben, in welcher die Vorurteile gegen den Golfsport korrigiert werden sollen. 
Das älteste und wohl bekannteste Vorurteil gegen Golf heisst: «Spielst Du Golf oder hast Du noch Sex?» Das Bonmot ist durch die überaus umtriebige, paralleleheliche Aktivität des Tiger Woods etwas aus der Mode gekommen. Der Pro hat bewiesen, und es ist global medial verbreitet worden, dass man sehr wohl beide Tätigkeiten nebeneinander ausüben kann. Und wie. Andere Vorurteile jedoch werden weiterhin kolportiert.
Zugegeben, wer nichts von diesem faszinierenden Sport versteht, kann nicht nachvollziehen, was daran spannend sein soll, alleine oder in kleinen Gruppen einen kleinen, weissen Ball durch die Gegen zu schlagen. Insbesondere TV-Übertragungen von Profiturnieren, bei denen häufig gar nichts passiert, weil die Spieler gerade neben ihrem Caddy schlendernd auf dem Fairway unterwegs sind oder warten, bis sie abschlagen können, reissen den Laien nicht vom Sofa. Spannung? Wo denn?
Ebenfalls hartnäckig hält sich das Vorurteil, dass das gar kein Sport ist, und dass die Tätigkeit nur von älteren, meist eher korpulenten, ungelenken Herren ausgeübt wird und schon deshalb nicht cool sein kann. Schlimm sind diese Vorurteile ja nicht, jedenfalls für Golfer nicht. Sie haben sich daran gewöhnt, man nimmt sie mit müdem Lächeln entgegen und statistisch gesehen, wird Golf in der Tat weitgehend von Herren der nicht mehr ganz jungen Generation ausgeübt. Wo also liegt das Problem? Es beginnt dann negativ zu wirken, wenn aufgrund von Vorurteilen die Anziehungskraft des Sportes in Frage gestellt wird und die Zahlen der Golfspielenden zurückgeht, weil es an motiviertem Nachwuchs mangelt. Und das scheint im Moment der Fall zu sein. Zwar nimmt die absolute Zahl der Golfspielenden immer noch leicht zu, was aber zu denken gibt, ist die Tatsache, dass sich die Mitgliederzahl bei den ASG-Clubs reduziert hat. Und da läuteten in Epalinge (Sitz der ASG) die Alarmglocken.
Die ASG ist mit der Vergabe eines Werbeetats gewissermassen über ihren Schatten gesprungen, denn bisher hat sich der Verband in seiner über 110 jährigen Existenz noch nie kommunikationsmässig aus dem Fenster gelehnt. War auch nicht nötig, weil Golf ja einen eigentlichen Boom erlebt hat. Doch jetzt scheint die Zeit gekommen zu sein, etwas zu unternehmen.
Die ASG hat die Berner Werbeagentur «Check in» beauftragt, eine Inseratekampagne zu entwerfen, die spielerisch die Vorurteile zu widerlegen oder zumindest in Frage zu stellen versucht. Überraschende Momentaufnahmen präsentieren dem Betrachter eine etwas andere Golfwelt und polieren das leicht vorurteilbelastete Image des Sportes auf. Dass das Ganze mit einem Augenzwinkern aufzunehmen ist, versteht sich von selbst. Werbung hat ja noch nie wirklich die Wahrheit erzählt.

Piero Schäfer

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