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Verpasste Chance

Um den Zuschlag für die Olympischen Spiele zu erhalten, haben die Behörden in Rio de Janeiro unter anderem eine grossangelegte Säuberungsaktion der Strände in der Guanabara Bucht in Aussicht gestellt. Doch jetzt krebsen sie zurück. 

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern? Der Spruch kommt einem in den Sinn, wenn man die Situation an diversen Stränden rund um Rio de Janeiro verfolgt. Ein wichtiges Argument bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2016 war die Nachhaltigkeit: Neben neuen Strassen und Transportverbindungen, Flughäfen und andere Infrastruktureinrichtungen stand dabei die Reinigung der Strände rund um die Stadt im Vordergrund.

Gegen 1 Milliarde Dollar waren vorgesehen um die 31 Kilometer lange und 28 Kilometer breite Guanabara Bucht, an deren westlichen Ufer Rio liegt, von Abfall zu befreien. Die Olympischen Spiele waren Grund genug, das Jahrzehnte lange Versäumnis nachzuholen. Doch im letzten April teilte die regionale Regierung mit, dass das Säuberungs-Budget um 95% reduziert werde. Mit fatalen Folgen: Die Strände präsentieren sich wie gehabt in einem elenden Zustand. Das Umweltsekretariat gab diese Woche bekannt, dass die angekündigte Reinigung nicht stattfinden werde. Experten schätzen, dass es für eine gründliche Säuberung der Bucht 20 Jahre brauchen würde. Und die Kosten sich auf 3,8 Milliarden Dollar belaufen.

Wie dringend entsprechende Massnahmen wären, zeigen diverse Ereignisse der letzten Zeit: Im Dezember haben Wissenschaftler eine «Superbakterie» im Carioca River und an der Flamengo Beach entdeckt, deren gesundheitliche Schäden sich nicht mit Antibiotika behandeln lassen. Im selben Monat sind Schweizer Segler, welche in der Bucht trainiert haben, nach Wasserkontakt an Fieber und Durchfall erkrankt. Und im Januar hat das Umweltsekretariat nach diversen Tests festgestellt, dass der Sand an sehr beliebten Stränden wie Copacabana, Barra und Arpoador für Menschen schädlich sein kann. Ursache: Verfaulte Speiseresten und Hundeexkremente. Keine erfreulichen Nachrichten also für Besucher der Olympischen Spiele. Wie es scheint, hat der Druck der Spiele nicht gereicht, um ernsthaft an die Sanierung der Bay zu gehen.

Eine verpasste Chance.

Piero Schäfer

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