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Tiger und seine Fans leiden weiter

Alles noch OK - Tiger im Jahr 2007

Kurz vor dem Masters in Augusta wurde bekannt, dass Tiger Woods eine vierte Rückenoperation über sich ergehen lassen musste und wohl für den besten Teil der Saison 2017 ausfallen wird.

Viele Golffreunde fragen sich, ob der 14-fache Major Sieger überhaupt je wieder wettkampfmässig spielen und mit den besten seiner Zunft mithalten kann. Die Verletzungsgeschichte des von 1997- 2013 überragenden Spielers liest sich wie ein Gruselroman und nicht wenige „Experten“ meinen, dass er seinem Körper einfach zu viel zugemutet habe. Und dann gibt es noch jene die ihm raten, doch in den Ruhestand zu treten und sein Leben zu geniessen. Finanziell ist der Tiger mit einem geschätzten Vermögen aus Preis- und Sponsorgeldern von etwa einer Milliarde Dollar ja ohnehin längst abgesichert und spielerisch müsste er nach 14 Majortiteln und fast 140 Toursiegen auf allen Kontinenten auch nichts mehr beweisen. Woods gehört dank seinen Erfolgen wie Wayne Gretzky, Muhammad Ali, Roger Federer, Michael Phelps, Pelé oder Michael Jordan in den illustren Kreis der grössten Sportlern aller Zeiten.

Betrachten wir das Ganze aber einmal von einer anderen Warte: Falls Tiger Woods seine körperlichen Handicaps doch noch komplett überwinden kann und auf die grosse Golfbühne zurückkehrt, wie ständen seinen Chancen in „fortgeschrittenem“ Alter noch Erfolge zu verbuchen? Ein Blick in die Geschichte lässt durchaus Raum für Hoffnungen:

22 Majorturniere wurden von Spielern gewonnen, die 42 Jahre und mehr auf dem Buckel hatten. Tiger wird dieses Alter im Dezember 2017 erreichen.

Julius Boros hat 1968 die PGA Championship als 48jähriger gewonnen und beendete 1973 die US Open im Alter von 53 Jahren auf dem 8. Rang.

– wer erinnert sich nicht an die Open Championship 2009 in Turnberry, als Tom Watson im Alter von 59 Jahren den Titel auf den letzten Löchern denkbar knapp verpasste.

Vijay Singh gewann 22 Profiturniere (über 60% seiner Titel) nach seinem 40. Geburtstag – darunter auch die PGA Championship im Jahr 2004.

Phil Mickelson wird im kommenden Juni 47 Jahre alt und sieht nicht so aus, als ob er nächstens in Rente gehen will. Ganz im Gegenteil: Letztes Jahr lieferte er dem auch schon 40jährigen Henrik Stenson in Troon ein packendes Duell und „Lefty“ hat schon bekannt gegeben, dass er sich für das US-Team an den nächsten beiden Rydercup-Austragungen (2018 und 2020) qualifizieren will.

– der grosse Harry Vardon wurde an den US Open 1920 in Inverness (Ohio) im Alter von 50 Jahren immerhin Zweiter. Hier wäre anzumerken, dass der siebenfache Majorsieger während seiner langen Karriere immer wieder von Ausbrüchen von Tuberkulose geplagt wurde, die ihm auch die gefürchteten „Yipps“ beim Putten einbrachten.

Diese Liste liesse sich noch beliebig verlängern, aber die Nachricht ist wohl angekommen: Auch „ältere“ Golfer sind zu herausragenden Leistungen fähig. Ein völlig genesener Tiger hätte also – basierend auf reinen Statistiken – durchaus noch Perspektiven sein Palmares zu erweitern, zumal auch die jüngeren Jordan Spieth, Dustin Johnson, Jason Day oder Rory McIlroy in den vergangenen Monaten mit der einen oder anderen Schwäche oder Verletzung zu kämpfen hatten.

Viele Golffans mögen vielleicht der Meldungen oder Spekulationen zum auf Rang 809 des World Ranking (Stand: Ende April 2017) geführten Tiger überdrüssig sein und lieber News von aktiven Spielern und aktuellen Turnieren hören. Die Strahlkraft von Woods ist aber nicht so einfach auszublenden und es wäre ihm zu gönnen, wenn er seine grosse Karriere mit einem tollen Auftritt (und nicht aufgrund von Verletzungen) beendet.

Text: Peter Hodel
Foto: Wikipedia / Allison

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