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Ryder Cup gegen Europamüdigkeit

Allenthalben mehren sich EU-kritische Stimmen. England verlässt vielleicht die Gemeinschaft, die Osteuropäer werden nationalistischer. Wo ist das Gemeinschaftsgefühl der Europäer geblieben? Der Ryder Cup könnte es wieder auferstehen lassen. 

Bis 1979 war der Ryder Cup eine reine Angelegenheit zwischen den USA und Grossbritannien/Irland. Seither sind auch Teilnehmer aus anderen europäischen Ländern mit dabei, und das Turnier ist seither wesentlich ausgeglichener. In nackten Zahlen: Bis 1979 gewannen die USA 18 Mal, Grossbritannien drei Mal, einmal ging das Match unentschieden aus. Seitdem nicht bloss Briten gegen die USA spielen, hat sich das Bild radikal gewandelt: Die Amerikaner konnten noch sieben Siege feiern, die Europäer aber deren zehn. Bei einem Unentschieden.

Besonders überzeugend waren die Europäer, in deren Reihen Spieler aus über einem Dutzend Nationen standen, in den Jahren 2004, 2006 und 2014: Mit zwei Mal 18 1/2 : 9 1/2 und einmal 16 1/2 : 11 1/2 Punkten fegten sie die Yankees geradezu vom Rasen. Was sagt uns das? Besteht «Europa» nur aus Grossbritannien/Irl, hat das Team keine Chance. Es braucht die besten Kräfte aus Ländern wie Schweden, Spanien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Belgien oder Italien, um den meist als Favoriten antretenden US-Boys die Stirn bieten zu können. Dass die Europäer dermassen geeint und stark auftreten und sich als verschworenes Team fühlen, ist einmalig. Kein anderes Sportevent schweisst die Vertreter des alten Kontinents dermassen zusammen wie dieses Golfturnier. Keine Sprachgrenzen, keine Mentalitätsunterschiede trennt die Golfer aus all diesen Ländern.

Im Gegenteil. Insofern ist die Ryder-Cup-Mannschaft der Europäer ein europapolitisches Vorbild. Ein wunderbares Exempel dafür, dass Europa nur gemeinsam gegen grosse Gegner wie die USA bestehen kann. Was im Sport gilt, ist auch in anderen Bereichen möglich. Nur gibt es im Moment leider eher zentrifugale Kräfte, die den europäischen Gedanken verteufeln und zurücktendieren in Zeiten, als jeder für sich schaute und politischen Egoismus zelebrierte. Mit bekannten, grauenhaften Konsequenzen.

Ich weiss nicht, wer in Brüssel für das Image der EU zuständig ist. Vermutlich niemand, denn wenn es jemand gäbe, der müsste längst auf die Idee gekommen sein, europakritische Politiker zum Ryder Cup (29. Sept. bis 3. Okt. in Chaska, Minnesota) einzuladen. Nirgends sonst kann man eine derartige «Wir-gehören-zusammen-Euphorie» erleben wie dort. Und wenn sich dann die Mitglieder des Europateams in den Armen liegen und mit Freudentränen den Sieg feiern (hoffentlich), würden auch Euro-Muffel ihre Europamüdigkeit vergessen.

Vielleicht.

Piero Schäfer

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