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Royal Ashdown Forest

Aussicht bis zum Horizont vom obersten Punkt auf dem Old Course

Eine knappe Stunde Fahrzeit von London entfernt liegen die beiden Grafschaften Kent – oft auch als „Garden of England“ bezeichnet – und East Sussex und dort finden Golfreisende auf rund 120 Plätzen alles was das Herz begehrt – und das auf einer Fläche, die etwa der Grösse des Kantons Bern entspricht. Die berühmten Linkscourses von Royal St. Georges, Princes und Royal Cinque Ports stehen ganz oben auf der „to do list“ vieler Golffreunde, aber auch Inlandplätze wie der London Club oder Chart Hills sind beliebte Ziele. Und mitten in den Downs – einer Hügelkette, die sich von der Südostküste bis zur Themse erstreckt – liegt ein aussergewöhnlicher Golfplatz der Natur pur bietet.

Der Royal Ashdown Forest Golf Club ist nur etwa 30 Kilometer von Südlondon entfernt und doch fühlt man sich in eine andere Welt versetzt. Der Club wurde 1888 gegründet und erhielt bereits fünf Jahre später den Royal-Titel von Prince George, einem Cousin Queen Victorias‘. Seit 1922 ist das Layout praktisch unverändert und eines fällt schon nach wenigen gespielten Löchern zur Verblüffung vieler Besucher auf: Die vollständige Absenz von Bunkern! Das hat seinen Grund in einer Royal Charter (einer königlichen Satzung, die zum Beispiel auch an Universitäten oder Wohlfahrtsverbände verliehen wird), in der festgehalten wurde, dass der Golfclub das Areal zum Spiel benützen darf, grössere Erdbewegungen vorzunehmen oder Sandhindernisse zu graben wurde aber strikte untersagt.

Der Platz bietet aber dennoch viele Herausforderungen in Form von Schräglagen, kleinen Gräben und welligen, oft mehrstufigen Greens und die R&A ist da offenbar gleicher Meinung, denn der Course ist regelmässig Schauplatz der „Regional Qualifiers“ zur Open Championship. Hier erlebten wir auch wieder einmal, dass die reine Länge eines Loches gar nichts zu bedeuten hat. Das 6. Loch mit Namen „Island“ misst gerade einmal 113 Meter von ganz hinten, ein Par oder gar Birdie ist aber doch ein Grund zum Feiern. Unser einheimischer Begleiter Stephen erzählte uns, dass 1897 ein Preisgeld von £ 5.00 (nach heutiger Kaufkraft rund 700 Franken) für ein Hole-in-One ausgesetzt wurde, das erst 50 Jahre später eingefordert werden konnte.

Wie überall auf britischen Plätzen ist die Geschichte allgegenwärtig und unser Führer zeigte während der Runde auf ein kleines Anwesen, das etwas versteckt neben dem Platz steht. „Hier ist Abe Mitchell aufgewachsen.“ Wir nicken artig, auch wenn uns diese Information nicht gerade aus den Schuhen gehoben hat. Stephen bemerkte das und holt weiter aus: „Mitchell war in den 1910er und 20er Jahren einer der besten Spieler und persönlicher Golflehrer von Samuel Ryder. Die kleine Figur oben auf dem Ryder Cup ist ein Abbild von Abe Mitchell.“

Der hügelige, 6530 Yards lange Old Course verlangt auch konditionell ziemlich viel ab, entschädigt wird man aber mit teils atemberaubenden Fernsichten bis zum Horizont. Wer es  etwas gemütlicher angehen möchte, kann auf den West Course (18-Loch, Par 68/69) ausweichen. Der Platz ist wesentlich flacher und kürzer, der Pflege wird aber ebenso viel Aufmerksamkeit geschenkt und natürlich sind auf dem Ladies Course auch Herren willkommen.

http://www.royalashdown.co.uk/

Text: Peter Hodel
Foto: RADF Golf Club / Getty / David Cameron

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