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5. April 2017
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1. Mai 2017

Masters-Ticker IV / 2017

Sonntag: Hitchcock führt Regie und endlich… Sergioooooo!!!

– kurz nach 10 Uhr Ortszeit geht Ernie Els auf die letzte Runde. Diesmal ist er als Solounterhalter auserkoren, als Marker amtiert wie schon am Samstag (für Jason Day) Augusta National Club Mitglied Jeff Knox. Ein Marker darf übrigens selber spielen – sicher ein tolles Erlebnis – und nicht nur die Scorekarte schreiben. The Big Easy hat eine desaströse 3. Runde mit 83 Schlägen hinter sich, macht es zwar heute trotz zwei Doppelbogeys an der 13 und 14 ein bisschen besser (78 Schläge), beendet aber das Turnier mit 20 über Par als Letzter, sogar noch hinter Larry Mize (+17).

– die beiden Amateurspieler Curtis Luck (AUS) und Stewart Hagestad (USA) haben ihre Runden auch beendet. Der Aussie, der den Cut am Freitag gerade soeben noch geschafft hatte, liegt insgesamt 9 über Par und lässt damit immerhin so gestandene Pros wie J.B. Holmes und Emiliano Grillo hinter sich. Hagestad (+5) kann unter anderem sogar Jason Day, Louis Oosthuizen und Marc Leishman distanzieren. Der US Mid-Amateur Champion schafft mit 294 Schlägen (6 über Par) das beste Resultat eines Amateurs seit 1998, als Matt Kuchar mit 288 Schlägen auf den (geteilten) 21. Platz kam.

– knapp vor 15 Uhr gehen Justin Rose und Sergio Garcia auf die Runde. Der Spanier gibt mit Birdie – Par – Birdie gleich mal den Takt vor und nimmt Rose zwei Schläge ab.

– die vor den beiden Führenden gestarteten Charley Hoffman und Rickie Fowler bringen ebenfalls je ein Birdie (an der 2. bzw. 3. Bahn) zustande, während Jordan Spieth mit Bogey – Birdie – Bogey anfängt und zwei Ränge einbüsst.

Martin Kaymer hat mächtig, aber viel zu spät aufgedreht. Der Deutsche spielt auf den Löchern 9- 13 eine Birdieserie und zum Schluss Bogey – Birdie – Par – Par – Bogey. Even Par für das Turnier und der geteilte 16. Platz. Wäre da nicht die verflixte 78 auf der ersten Runde gewesen, er hätte vielleicht sogar um den Sieg mitspielen können.

– Charley Hoffman scheint als erster der Favoriten ins Trudeln zu geraten: Bogey an der 5. und Doppelbogey an der 7. Bahn. Und es kommt für den während drei Tagen so solid spielenden, 40jähringen Kalifornier noch dicker: Bogey an der 10., Doppelbogey an der 13. und drei Bogeys an der 15. bis 17. Bahn. Alles vorbei, 78 Schläge für den Tag – 13 schlechter als am Donnerstag – und ein tiefer Fall auf den geteilten 22. Platz.

– auch bei Spieth scheinen die Nerven blank zu liegen. Kein einziges Birdie zwischen dem dritten und dem 15. Loch, dafür aber viermal Bogey und am kurzen 12. Loch… ein Doppelbogey – dasselbe wie schon vor einem Jahr! So einfach lassen sich böse Erinnerungen nicht wegwischen. Mit drei Birdies auf den letzten vier Löchern zeigt Spieth zwar, was er wirklich drauf hätte, aber eine 75er Runde bringt ihn schliesslich nur auf den 11. Schlussrang.

– gleichauf mit Spieth beendet Matsuyama sein Masters 2017. Der Japaner bringt, zusammen mit Matt Kuchar, mit 67 Schlägen die beste Runde des Tages nach Hause.

Kuchar ist wie so oft ganz vorne dabei, spielt fehlerlose Backnine mit drei Birdies und locht seinen Abschlag am 16. Loch für ein Hole-in-one. Er beendet das Turnier schliesslich – gemeinsam mit Masters-Rookie Thomas Pieters  auf dem 4. Platz. Sein zweitbestes Resultat nach dem 3. Platz 2012 dürfte Matt wenig Trost bereiten, er hat auch nach 17 Jahren noch immer keinen Majortitel auf seinem Konto.

Paul Casey kommt fehlerlos über die ersten Neun Löcher (-4), rückt auf den 3. Zwischenrang vor, hat aber immer noch vier Schläge Rückstand auf Garcia und Rose. Die Aufholjagd des Engländers wird dann aber nach Bogey an der 11. und 14. Bahn gestoppt. Birdies an der Vierzehn und Achtzehn bringen ihm eine 68er Runde und den 6. Schlussrang ein.

Carl Schwartzel, der Masters Champion von 2011 bringt (nebst zwei Bogeys) sechs Birdies zustande. Er verbessert sich mit seiner 68 um fünf Ränge und wird in der Gesamtabrechnung schliesslich Dritter – sein bestes Resultat an einem Major seit sechs Jahren.

Rickie Fowler, im Flight vor Rose und Garcia hat als nächster etwas Probleme. Mit einem Birdie an der Acht kann er zwar den vorher mit zwei Bogeys angerichteten Schaden begrenzen, aber Even Par für die Frontnine sind einfach nicht gut genug, um noch ernsthaft um den Titel mitzuspielen. Rickie scheint das zu ahnen, versucht es auf den letzten 9 Löchern etwas mit der Brechstange und… wird gnadenlos bestraft. Mit fünf Bogeys (und Birdie am 13. Loch), 40 Schlägen und seiner schlechtesten Turnierrunde (76) in diesem Jahr fällt er auf den 11. Schlussrang zurück.

– nun ist es für die Mitbewerber eigentlich gelaufen. Masters-Rookie Jon Rahm sorgt zwar an der 13. Bahn mit einem Eagle-Chip noch für etwas Unterhaltung beim Publikum, doch jetzt sind alle Augen auf das Duell Gracia/Rose gerichtet und es wird ein…

dramatisches Finale, denn die beiden Leader liefern sich ein episches Duell, das dem Zweikampf Stenson-Mickelson im letzten Jahr in Troon in nichts nachsteht.

Rose produziert an Loch 5 ein Bogey, legt dann aber gleich nach: Birdie – Birdie – Birdie an den Löchern 6- 8 und nun sind beide gleichauf.

– die alte Weisheit „das Masters beginnt am Finaltag auf den Backnine“ scheint sich wieder einmal zu bewahrheiten: Die Aufholjagd des Engländers scheint Garcia aus dem Konzept zu bringen. Sein zweiter Schlag am 10. Loch landet kurz und weit rechts vom Green, er muss den Ball irgendwie an einem kleinen Baum vorbei und über einen Bunker spedieren und kann eigentlich von Glück sagen, dass er nur mit einem Bogey davonkommt.

– gleich darauf versiebt El Niño seinen Abschlag an der Elf und muss trotz eines mirakulösen Befreiungsschlages erneut ein Bogey schreiben. Rose spielt mittlerweile sichere Pars und führt mit zwei Schlägen Vorsprung.

Sergio’s wilder Ritt geht an der 13 weiter: Am Loch mit dem Namen „Azalea“ landet sein Drive genau unter einem gleichnamigen Busch. Der Spanier muss droppen – Strafschlag! – schafft aber Houdini-mässig trotzdem noch das Par, einer der berühmten „Momentum-Changer“?

–  Wenig später die Auflösung der Frage: Garcia macht ein Birdie an der 14 und verkleinert den Rückstand auf einen Schlag.

– Am 15. Loch (Par 5) setzt der Spanier seinen zweiten Schlag 5 Meter neben die Fahne und locht den Ball anschliessend mit der allerletzten Umdrehung zum Eagle. Rose zeigt sich unbeeindruckt, erzielt seinerseits ein Birdie, doch nun liegen beide wieder gleichauf. Was für ein Zweikampf!

– und es wird noch besser für den Engländer: Er locht an der kurzen Sechzehn einen tollen Putt zum Birdie und geht wieder in Führung.

– Rose muss Garcia wieder aufschliessen lassen, weil er am 17. Loch einen schwierigen Parputt verpasst. Der Spanier spielt die letzten drei Löcher sicher und beide Spieler haben auf dem 18. Green einen möglichen Birdieputt zum Sieg. Rose verschiebt seinen Birdieputt um Millimeter und schaut ungläubig aus der Wäsche – soooo knapp vorbei. Sergie kann nicht profitieren, scheint wieder einmal an einem wichtigen Putts zu scheitern und so geht’s ins…

Playoff!

– Rose verzieht seinen Drive vom 18. Tee nach rechts in die Bäume und muss seinen Ball unter den Ästen hindurch schlagen. Keine Chance, das Green mit dem Zweiten zu erreichen.

Garcia mitten im Fairway, bringt den Ball sicher aufs Grün. Rose liegt mit drei Schlägen etwa fünf Meter neben dem Loch. Letzte Chance, aber der Engländer schiebt den Parputt ein paar Zentimeter links vom Loch vorbei.

– Garcia liegt hinter dem Loch – Downhillputt! – kann sich aber mit zwei Schlägen seinen ersten Majortitel sichern. El Niño lässt sich nicht lumpen und versenkt den Ball mit Feingefühl zum Birdie.

„Big hug“ mit Caddie Glen Murray und breites Grinsen von Beiden. Sergioooooo ist endlich am Ziel und niemand, aber auch gar niemand wird dem Spanier diesen Erfolg wohl nicht gönnen.

Hier geht’s zum Leaderboard:

www.masters.com/en_US/scores/index.html

Text: Peter Hodel


Masters-Ticker III

Nach dem Cut…

– werden die im Feld verbliebenen Spieler umgekehrter Reihenfolge der Rangliste auf die Runde geschickt. Eine Chance für die in den hinteren Regionen Klassierten mit einem Blitzstart ein Zeichen zu setzen und sich für den Showdown am Sonntag in eine möglichst gute Position zu bringen – die Amis bezeichnen den Samstag deshalb auch als „Moving Day“.

– das Wetter zeigt sich nun von einer deutlich freundlicheren Seite, vor allem der böige Wind ist nicht mehr zu spüren.

Jason Day eröffnet um 10.20 Uhr die dritte Runde und geht ohne Mitspieler vom ersten Tee, weil eine ungerade Zahl von Spielern den Cut überstanden hat. Sein Marker Jeff Knox ist ein Amateurgolfer, der auf dem Platz einmal eine 61er Runden (Platzrekord) gespielt hat – allerdings ausserhalb des Masters.

Brandon Grace (SA) und Daniel Berger (USA) bilden den zweiten Flight und der Mann aus Pretoria kommt mit 2 unter Par aus der halben Runde zurück.

– 14 Uhr in Augusta: Die Spieler im hinteren Teil des Feldes sorgen für wenig Positives. Der Engländer Andy Sullivan produziert auf den ersten Neun vier Bogeys und rutscht auf den zweitletzten Platz zurück. Sein Landsmann Ross Fisher hat nach fehlerlosen 13 Löchern eine blitzsaubere Scorkarte, macht aber nicht wirklich Boden gut.

Jason Day spielt ab dem 12. Loch vier Birdies in Folge, muss an der 17. Bahn einen Schlag abgeben, beendet aber die dritte Runde mit 69 Schlägen – eine deutliche Steigerung gegenüber den Vortagen (74/76).

– 14.45 Uhr Lee Westwood und Marc Leishman haben sieben Löcher absolviert. Der Engländer fährt ab dem 3. Loch etwas Achterbahn: Bogey – Birdie – Birdie – Birdie – Bogey.

– Altmeister Larry Mize ist nach dem geschafften Cut offenbar der Sprit ausgegangen; er beendet die Runde mit 79 und sein Flightgefährte, der australische Amateur Curtis Luck, mit respektablen 75 Schlägen.

–  um 15.15 Uhr haben Ross Fisher und James Hahn (USA) ihre Runde abgeschlossen. Der Engländer aus Ascot hatte bis zum 17. Loch eine blütenweisse Scorekarte (17 Pars in Folge), stolperte dann aber am letzten „Hindernis“ (Loch 18) mit einem Doppelbogey.

Ernie Els hat (nicht zum ersten Mal) Mühe mit den Front-Nine. The Big Easy scheint die erste Schlaufe in Augusta nicht sonderlich zu mögen (oder umgekehrt…) und liegt für den Tag schon sieben Schläge über Par.

– auch Hideki Matsuyama schwächelt auf den ersten Neun und lässt drei Schläge liegen.

Matthew Fitzpatrick verzeichnet am 18. Loch ein Bogey, kann aber nach einer durchzogenen Runde mit einer 73 den Schaden in Grenzen halten. Sein Spielpartner Brad Snedeker spielt eine fehlerlose 69er Runde (3 Birdies und 15 Par!) und macht 18 Ränge gut – „tolle Leistung Sneds!“

Charley Hoffman und Sergio Garcia nehmen als Letzte ihre Runde – früher als angekündigt – in Angriff (die Organisatoren hatten vorsorglich zwei Startzeiten leer gelassen). Der US-Amerikaner schafft am 2. und 4. Loch ein Birdie und übernimmt die alleinige Führung.

El Niño lässt sich nicht beeindrucken, holt an der Fünf einen Schlag auf und weil Hoffman am 6. Loch ein Bogey produziert, herrscht wieder Gleichstand.

– Fünf Flights vor den beiden Führenden lässt Jordan Spieth – unterwegs mit Phil Mickelson – die Funken sprühen: Dreimal Birdie und sechsmal Par bringen den Masters-Sieger von 2015 auf Tuchfühlung mit der Spitze. Mickelson dagegen beendet die ersten Neun mit +3 und verliert 14 Ränge.

Pat Perez (41), Sechster der US PGA Championship 2005, erzielt eine 70er Runde und verbessert sich vom 32. auf den 21. Zwischenrang.

Adam Scott macht mit zwei Birdies den beiden Par 5 (Loch 2 und 8) weiter Boden gut.

– 23.15 Uhr Schweizer Zeit: es geht munter zu und her bei den Führenden. Garcia verliert einen Schlag am schwierigen 7. Loch (Par 4 mit einem Score Average über 4.5), macht das am Par 5 Achten zwar gleich wieder wett, muss aber an der Neun wieder ein Bogey notieren.

Rickie Fowler und Thomas Pieters liegen beide +1 für die Runde und sind etwas zurück gefallen.

– alle Spieler haben die Frontnine absolviert. Es bleibt eng: Hoffmann -6, Garcia und Spieth -4 und ein Schlag zurück Justin Rose, Adam Scott, Ryan Moore, Thomas Pieters und Rickie Fowler. Zwischen dem Führenden und dem Vierzehnten liegen nur 5 Schläge

…und ich gönne mir jetzt eine Mütze voll Schlaf…

Rory McIlroy gibt nach seinem Doppelbogey am 7. Loch auf den Backnine Vollgas und wuchtet seine Drives mehrmals an die 300 Yard Marke. Doch beim Kurzspiel hapert es etwas und mit Ausnahme eines Birdies am kurzen Zwölften kann Rory nicht entscheidend punkten. Zum Schluss schaut „nur“ eine 71 und damit Even Par in der Gesamtabrechnung heraus. „Vier oder fünf unter Par wären durchaus möglich gewesen, aber ich habe meine Chancen nicht genutzt“, meint der Nordire nach der Runde.

Mickelson schliesst Minuten später seine Runde ab. Auf den Frontnine hatte Lefty nach zwei Birdies drei Bogeys und sogar ein Doppelbogey notiert. Seine 74er Runde wirft ihn weit zurück, acht Schläge hinter die Führenden. Flightpartner Spieth beschliesst den Tag mit Birdie – Bogey – Par – Par, postet eine 68 und wird am Sonntag mit nur zwei Schlägen Defizit zu beachten sein.

– Charley Hoffman, bis zu diesem Zeitpunkt sehr solid spielend, versenkt seinen Ball am berüchtigten 16. Loch im Wasser und schreibt sein erstes Doppelbogey im ganzen Turnier. Damit fällt er zwei Schläge zurück, nur eine kleine Hypothek für die Finalrunde.

Justin Rose und Adam Scott scheinen sich gegenseitig anzutreiben, wobei der Engländer das bessere Ende für sich behält. Rose braucht auf den Backnine nur 31 Schläge (5 unter Par) und ist mit -6 zwischenzeitlich alleiniger Leader. Seine 67 wird die beste Runde an diesem Tag bleiben. Scott braucht zwei Schläge mehr und liegt am Schluss des dritten Tages auf dem siebten Platz.

William McGirt und der unauffällige Ryan Moore erklimmen den letzten Aufstieg zum 18. Grün. McGirt produziert sein zweites Bogey in Serie und verliert insgesamt sechs Schläge auf die Spitze. Moore hat nebst sechs Birdies auch drei Bogeys auf der Karte stehen, wahrt aber mit nur zwei Schlägen Rückstand auf Rose seine Chancen.

Thomas Pieters (unterwegs mit Rickie Fowler) erwischt keinen guten Tag. Eine 75er Runde ist sein schlechtestes Ergebnis an allen drei Tagen. Fünf Schläge Rückstand sind zwar noch nicht entscheidend, aber der Belgier müsste am Sonntag sein bestes Spiel auspacken.

Fowler bleibt an diesem Tag irgendwie unauffällig (vier Birdies, drei Bogeys), macht aber auch keine groben Schnitzer und kommt mit 71 Schlägen ins Clubhaus. Ein Schlag Rückstand auf die Leader und damit eine echte Chance am Finaltag (endlich) seinen ersten ganz grossen Erfolg einzufahren.

Sergio Garcia und Charley Hoffman bleiben auf den beiden letzten Bahnen ohne Fehler und der Spanier zieht dank sehr solidem Spiel auf den Backnine und einer 70er Runde mit Justin Rose gleich.

Am Schluss des dritten Tages sind die Abstände noch immer klein: Carl Schwartzel, der etwas ausserhalb meines Radars eine tolle 68er Runde (mit einem Eagle an der 15. Bahn) hingelegt hat, ist auf dem 8. Zwischenrang nur vier Schläge hinter dem Führungsduo. Dazwischen liegen Fowler (-5), Hoffmann, Moore und Spieth (-4) und Scott (-2).

Auf dem geteilten neunten Platz folgen Lee Westwood und Thomas Pieters mit -1 und zumindest für die ersten zehn Spieler scheint noch (fast) alles möglich. Paul Casey, McIlroy, Kjeldsen, Matt Kuchar, McGirt und Jon Rahm liegen bei Even Par und haben (im Gegensatz zu mir – für heute) auch noch nicht alles Pulver verschossen.

Hier geht’s zu Leaderboard:

http://www.golfchannel.com/tours/pga-tour/2017/masters-tournament/

Text: Peter Hodel


Nach dem ersten Tag

– die äusseren Verhältnisse sind praktisch unverändert. Sonnig, aber relativ kühle Temperaturen bei knapp 20° Celsius. Der Wind – schon während und nach der 1. Runde das Gesprächsthema Nummer 1 – weht weiterhin mit etwa 25 km/h, Böen bis 50 km/h machen die Schlägerwahl aber äusserst schwierig.

– Fred Couples (57), der Masters Champion von 1992, meinte nach seiner guten 73er Startrunde: „So schwierige Verhältnisse erlebte ich seit meiner ersten Teilnahme 1983 noch nie. Meine Hybrids musste ich im Bag lassen, die würden bei dem Wind wie Ballone in die Höhe fliegen.“

Brad Snedeker verbrachte am Donnerstag volle fünf Minuten auf dem 12. Tee bis er sich zum Schlag entschied und fragte dann die Zuschauer scherzhaft, ob jemand Lust hätte, diesen Schlag auch zu versuchen. Der toll gestartete Thomas Pieters versenkte seinen Ball am gleichen Loch mit einem Eisen 8 – für ihn eigentlich mehr als genug Club zum nur rund 140 Meter entfernten Green – carry im Rea’s Creek.

Runde Zwei – ein Quartett geht in Führung

Charley Hoffman kann seine hervorragende Leistung vom ersten Tag (-7) nicht wiederholen, bleibt aber trotz satten 10 Schlägen mehr als beim Auftakt insgesamt immer noch vier unter Par.

Vorjahressieger Danny Willett patzert wie schon in der ersten Runde (Doppelbogey) gleich am ersten Loch, diesmal mit einem Quadrupelbogey 8, schreibt am Schluss eine 78er Runde,  fällt um 43 (!) Ränge zurück und verpasst den Cut um einen Schlag. Damit ist auch klar, dass weiterhin nur drei Spieler – Jack Nicklaus (1965/66), Nick Faldo (1989/90) und Tiger Woods (2001/02) den Titel erfolgreich verteidigen konnten.

Sergio Garcia startet mit drei Birdies auf den ersten drei Löchern, muss zwar dann auch drei Bogeys hinnehmen (Loch 4, 10 und 13), aber drei weitere Birdies bringen El Niño eine 69 und damit Gleichstand mit Charley Hoffman.

Jon Rahm, Landsmann von Sergio und erst seit 2016 Profi, lässt seiner 73er Runde vom Vortag eine 70 folgen und wird am Samstag mit nur drei Schlägen Rückstand auf die Leader starten.

– der in unseren Breiten völlig unbekannte US-Amerikaner Brian Stuard macht einen grossen Sprung nach oben. Er verbessert sich gegenüber der 1. Runde um volle 50 Ränge und liegt drei Schläge über Par.

– deutlich steigern können sich auch die am ersten Tag noch bös gebeutelten Martin Kaymer (verbessert sich um 59 Ränge), Hideki Matsuyama (T16), Jimmy Walker (T19), Jordan Spieth und Adam Scott (beide auf dem geteilten 10. Platz). Der Aussie hatte am Vortag über grenzwertige Spielkonditionen lamentiert (mindestens hatten aber alle Spieler mehr oder weniger gleiche Bedingungen!), schafft nun aber die Wende.

– ein besonderes Kapitel schreibt der amtierende US-Mid-Amateur Champion Stewart Hagestad, der seine Brötchen seit Abschluss des Studiums an der USC (University of Southern California) als Finanzanalyst verdient: Er spielte zwei Trainingsrunden mit Jordan Spieth, zeigt eine feine Leistung (74 und 73 Schläge) und darf in den Finalrunden mittun.

– der zweite Amateur, der auch im Feld bleibt, heisst – Nomen est Omen – Curtis Luck. Mit nur einem Schlag liegt der Glückspilz haarscharf über der Cutlinie. Weniger „lucky“ war der Zuschauer, den der künftige Neo-Profi mit einem üblen Hook am Loch 4 (Par 3) abgeschossen hatte.

Freddy Couples (Sieger 1992) liegt nach einer 73er und einer 70er Runde auf dem geteilten 6. Rang und auch Larry Mize, Master-Gewinner vor 30 Jahren (!), schafft – wenn auch äusserst knapp – nochmals den Cut.

– weit abgeschlagen und wohl bereits am Kofferpacken sind nach zwei Runden neben Danny Willett auch der vor einem halben Jahr am Ryder Cup in Hazeltine so gross aufspielende Patrick Reed, sowie Bubba Watson, Zach Johnson und Henrik Stenson, der Open Champion vom letzten Jahr.

Phil Mickelson, mit dem sich Stenson in Royal Troon ein episches Duell lieferte, macht es besser und liegt bei Halbzeit mit 144 Schlägen an zehnter Stelle.

– auf der Karte von Rory McIlroy stehen vier Birdies und fünf Bogeys. Mit fünf Schlägen Rückstand sind ihm zwar noch nicht alle Felle davon geschwommen, aber er wird sich  – zusammen mit Matt Kuchar und dem Dänen Soren Kjeldsen (alle +1) in den beiden Runden vom Samstag und Sonntag sputen müssen.

Rickie Fowler hat eine späte Startzeit, erzielt am 2. Loch einen Eagle, lässt vier Birdies folgen und vergibt eine makellose Runde dann mit einem Bogey an der 15. Spielbahn. Gemeinsam mit Thomas Pieters, dem am 13. Loch ein Eagle gelingt, macht Rickie aus dem Führungsduo Hoffman/Garcia ein Quartett.

– der weiterhin beständig spielende William McGirt liegt mit zwei Schlägen unter Par allein auf dem 5. Zwischenrang, gefolgt von Olympiasieger Justin Rose, Ryan Moore und den bereits im Clubhaus eingetroffenen Couples und Rahm (alle Eins unter Par nach zwei Runden).

– für Freitag ist eine Wetterverbesserung in Aussicht und vor allem der Wind solle endlich nachlassen. Die Spieler und sicher auch die Zuschauer werden darüber nicht unglücklich sein, denn das Spieltempo war bisher (verständlicherweise) alles andere als flott.

Text: Peter Hodel


– am Mittwoch stürzt Dustin Johnson im angemieteten Haus eine Treppe hinunter und verletzt sich am Rücken. Auf der Driving Range zeigt sich am Donnerstag, dass DJ wohl  starke Schmerzen hat und schliesslich kommt die Hiobsbotschaft, dass die Weltnummer Eins und US Open Champion von 2016 forfait erklären muss. Einer der Titelanwärter hat sich durch Unachtsamkeit schon vor dem 1. Loch aus dem Spiel genommen…

1. Runde (Donnerstag)

– Der Start zum Masters erfolgt traditionell mit einem Teeshot der beiden Golflegenden Jack Nicklaus und Gary Player. Augusta National Chairman Billy Payne und die beiden Honorary Starter gedenken dabei ihrem langjährigen Weggefährten Arnold Palmer, der im letzten September verstorben ist.

– das Wetter ist zwar gegenüber dem Vortag etwas besser – am Mittwochnachmittag musste der Platz wegen starken Gewittern gesperrt werden – der Wind ist allerdings ein Faktor und die Spieler werden auf dem ohnehin schon schwierigen Parcours noch zusätzlich gefordert.

– Masters-Neuling Thomas Pieters, am letztjährigen Ryder Cup einer der fleissigsten Punktesammler für das Team Europa, lässt sich von den äusseren Bedingungen nicht beeindrucken und legt los wie die Feuerwehr. Der Belgier liegt nach 10 Löchern fünf unter Par, kann aber die Pace nicht durchziehen, spielt auf den letzten acht Löchern +5 und beendet seine erste Mastersrunde mit einer 72.

– an der Spitze liegen zwischenzeitlich Matthew Fitzpatrick (Irl) und William McGirt (USA) mit 3 unter Par, der junge Ire muss dann aber auch etwas beissen und geht mit -1 vom 18. Green.

– nach und nach wird klar, dass die Windverhältnisse ein mächtiger Faktor bleiben und jedes Score in der Nähe von Par eine mehr als gute Leistung bedeuten. Gleich 22 Spieler liegen am Ende des Tages zwischen -1 und +1, darunter auch Rory McIlroy, Phil Mickelson, Sergio Garcia, Ernie Els (der auf den ersten Neun drei über Par spielte), Rickie Fowler und der unverwüstliche Freddy Couples (immer noch einer der elegantesten Spieler überhaupt).

– als sich viele schon damit abgefunden haben, dass es heute eher ums Überleben denn um tolle Resultate geht, bringt Charley Hoffmann die Zuschauer zum Staunen. Der 40jährige vierfache Turniersieger auf der PGA Tour der sein Markenzeichen „wallende Lockenpracht“ inzwischen abgelegt hat, muss zwar auf den ersten Neun Löchern auch zwei Bogeys hinnehmen, läuft dann aber richtig heiss und erzielt nicht weniger als neun Birdies für eine beeindruckende 65er Runde. Damit nimmt der US-Amerikaner seinen Konkurrenten vier und mehr Schläge ab.

– eine ansprechende Vorstellung zeigt Masters-Rookie William McGirt. Der 37jährige bleibt mit einer sehr ausgeglichenen Runde (4 Birdies, 13 Pars und nur 1 Bogey) drei unter Par und damit als einziger einigermassen auf Tuchfühlung mit Hoffmann.

– anderen Cracks ergeht es weniger gut: Adam Scott, Masters Champion 2013, erwischt einen mässigen Start (+3) und wird sich massiv steigern müssen, um seine Chancen auf ein zweites grünes Jackett zu wahren.

– mit dem gleichen Resultat wie Scott beendet auch Jordan Spieth die erste Runde. Der geteilte 41. Platz ist sicher nicht nach dem Gusto des Siegers von 2015.

– noch weiter hinten landen unter anderem so hochgehandelte Spieler wie Hideki Matsuyama (+4) Zach Johnson und Louis Oosthuizen (+5) und „Longhitter“ J.B. Holmes und Martin Kaymer (+6). Für sie dürfte der Weg auf einen der vordersten Plätze – falls kein Wunder geschieht – bereits versperrt sein.

– die Wetterfrösche prognostizieren für Freitag ähnliche Windverhältnisse wie bei der ersten Runde. Es wird also für viele Spieler ein zähes Ringen um den Cut geben und die eine oder andere Überraschung ist fast schon garantiert…

Text: Peter Hodel

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