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Die beiden Golfturniere in Rio waren eine echte Bereicherung des olympischen Programms. Trotz Absenz einiger Topspieler gab es spannende Wettkämpfe auf einem tollen – wenn im Vorfeld auch kontrovers diskutierten – Linkscourse, der vom Amerikaner Gil Hanse gebaut worden war. Die Idee bei der Planung war, eine öffentliche Golfanlage zu schaffen und die vor allem von Fussball und Volleyball besessenen Brasilianer auf die Fairways zu holen.

Nun meldete die französische Nachrichtenagentur AFP dass der für fast 20 Millionen US Dollar extra für die Spiele erstellte Golfplatz kaum genutzt wird und sich darauf mehr Capybaras und Kaimane als Golfspielende tummeln. Es besteht sogar die Gefahr, dass die Natur das Gelände in kurzer Zeit zurückerobern könnte. Dies meint zumindest der Brite Neil Cleverly von der Firma Progolf die für den Unterhalt zuständig ist. „Wir haben keinen Vertrag mit dem brasilianischen Golfverband und für unsere Arbeit seit zwei Monaten kein Geld mehr erhalten. Niemand von uns weiss, ob er nächstes Jahr noch einen Job hat.“

Ein paar einheimische Benützer schwärmen zwar vom Golfplatz, befürchten aber auch, dass „ihr“ Platz unter den gegenwärtigen Umständen vielleicht ganz aufgegeben wird. Dass sie in Rio alternative Spielmöglichkeiten finden, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt in der zweitgrössten Stadt von Brasilien gerade einmal zwei Golfclubs (mit 27 bzw. 18 Löchern) und einen kleinen 6-Loch (Par 3) Platz.

Es scheint in Rio an allem zu fehlen: Der Platz ist mangels Wegbeschreibungen schwer zu finden, eine eigene Webseite nicht vorhanden, das Clubhaus praktisch unmöbliert, der vorgesehene Proshop ohne Material und auch kein Golflehrer da, um Interessierten das Spiel näher zu bringen. Zudem sind Greenfees von $75.- bis 82.- für viele Cariocas (wie die Bewohner von Rio genannt werden) unerschwinglich. Und auswärtige Besucher müssen noch tiefer in die Tasche greifen: Fast zweihundert Dollar sind selbst für einen olympischen Austragungsort ganz schön happig. Da bekommen Golfreisende an anderen Destinationen ein besseres Preis-Leistungsverhältnis.

Paulo Cezar Pacheco, Präsident der Confederação Brasileira de Golfe beschwichtigt zwar: „Wir werden einen neuen Betreiber verpflichten und Rio wird letzten Endes einen der besten und symbolträchtigsten Golfplätze der Welt haben.“ Er gibt zwar zu, dass die Besucherzahlen nach dem Grossanlass bescheiden geblieben sind. Dies entspreche aber der Planung eines „soft-openings“, so bleibe Zeit die geplanten Investitionen zu tätigen. Was es damit auf sich hat, darüber streiten sich die Gemüter. Kritiker meinen, dass letztlich nur der lokale Baulöwe Pasquale Mauro mit dem Erstellen von 22 Hochhäusern am Rand des Courses seinen Schnitt machen wird. So sei es auch beim Bau anderer Sportstätten in Rio abgelaufen: Ein Bauherr lieferte ein Stadion oder Wohnhäuser für Athleten und bekam im Gegenzug lukrative Bewilligungen.

Es bleibt zu hoffen, dass aus dem Campo Olímpico de Golfe nicht eine der vielen Olympia-Ruinen wie die Skisprunganlage und Bobbahn in Sarajewo, die Sportstadien in Athen oder das Stone Mountain Tennis Center in der Nähe von Atlanta wird. Sinnvolle Planung und nachhaltiges Bauen waren bei der Vergabe und Durchführung von Olympischen Spielen noch nie relevant. So soll Montreal noch heute Schulden von den Sommerspielen 1976 abzutragen haben und dass die in Bejing 2008 investierte Summe von über 50 Milliarden Dollar einmal amortisiert werden kann, scheint mehr als fraglich.

In vier Jahren wird Golf in Tokyo wieder dabei sein. Als Austragungsort ist der 1929 eröffnete Kasumigaseki Country Club in Saitama vorgesehen. Golfförderung wird auf der Agenda der Organisatoren in Japan wohl nur eine Nebenrolle spielen, das Interesse ist schon seit langem viel grösser als die Spielmöglichkeiten in den überwiegend exklusiven Privatclubs. Bereits im September 2017 soll im IOK darüber befunden werden, ob Golf auch 2024 (in Budapest, Los Angeles oder Paris) einen Platz im Zeichen der Fünf Ringe hat. Nach nur einer Austragung wollen die Gralshüter von Olympia also entscheiden, ob sich der Golfsport am grössten Sportereignis bewährt hat. Nachhaltigkeit sieht auch hier anders aus…

Text: Peter Hodel

Foto: Stan Badz

Quellen: Yahoo Sport / Agence France Press

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