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Grösser ist nicht besser

In unserer letzten Newsletter haben wir auf ein Testturnier hingewiesen, bei welchem die Teilnehmenden Erfahrungen darüber sammeln wollten, wie es sich anfühlt, wenn die Golflöcher 38,1 Zentimeter gross sind, statt den traditionellen 10,79 Zentimeter. Wir haben einen der Teilnehmer, Golfregelguru Yves Ton-That, nach seinen Erfahrunge gefragt. 

Swigo: Sie haben am Testturnier mit den grossen Löchern teilgenommen. Welches war ihr Eindruck?

Ton-That: Der Anblick war zuerst sehr gewöhnungsbedürftig, aber das vergeht rasch. Was das Spiel angeht, so hatte ich persönlich grosse Schwierigkeiten: Ich glaube, ich habe noch nie so schlecht geputtet [lacht].

Swigo: Hat Sie ihre Erfahrung überrascht? Oder haben Sie nichts anderes erwartet?

Ton-That: Ja, das hat mich sehr überrascht, denn ich dachte, das Putten würde ein Kinderspiel. Aber das ist genau das Problem: Bei so grossen Löchern konzentriert man sich offenbar weniger und schwups ist der Ball am Loch vorbei. Aber selbst nachdem ich dies erkannt hatte, fiel es mir schwer, mich zu konzentrieren – man darf nämlich keinesfalls auf das Loch als Ganzes zielen, sondern muss sich sehr genau auf einen Punkt im Loch konzentrieren und das ist bei so einem grossen weissen Kübel gar nicht leicht.

Swigo: Für gute Golfer scheint die Sache tatsächlich fragwürdig zu sein, gab es keine positiven Reaktionen?

Ton-That: Einen Vorteil bringt es vor allem bei den sogenannten Wadenbeissern – also den unangenehmen kurzen Putts, die eigentlich rein müssen. Aber genaugenommen verschiebt sich das Problem nur: Ein Wadenbeisser ist nun einfach einen Meter länger. Was jedoch angenehm auffält, ist, dass die Fahne immer im Loch bleibt und somit das ganze Handling des Bedienens, Herausnehmens und Zurücksteckens wegfällt.

Swigo: Bedeuten grössere Löcher, weniger Konzentration?

Ton-That: Mit Sicherheit: Das hat übrigens eine Studie bereits vor vielen Jahren belegt: Am Anfang scoren die Spieler besser, aber nach kurzer Zeit spielen sie gleich gut oder gleich schlecht wie zuvor, da sie sich weniger konzentrieren.

Swigo: Wie wär’s mit einem Zwischending? Etwas zwischen den traditionellen Löchern und der Testgrösse?

Ton-That: Ich sehe keinerlei Vorteil durch die Veränderung der Lochgrösse. Genausogut könnte man darüber diskutieren, die Löcher komplett zu eliminieren – sobald der Ball auf dem Grün liegt, ist das Loch beendet. Für mich gehört das Putten zum Golfspiel und ich möchte es nicht missen.

Swigo: Wird durch die grossen Löcher der Spielfluss beschleunigt?

Ton-That: Der Zeitgewinn ist minimal. Das ist auch wenig überraschend, denn Staus werden in der Regel durch Bällesuchen und nicht durch schlechtes Putten verursacht. Wenn man kürzere Rundenzeiten möchte, kann man dies anders erzielen, z. B. indem man das Rough mäht oder rote Pfähle auch an Waldrändern und Ausgrenzen erlaubt.

Swigo: Falls dieser Vorschlag mit den grossen Löchern keine Zukunft hat, was für Erleichterungen würden Sie vorschlagen um das Golfspiel etwas entspannter zu gestalten. Insbesondere für Anfänger?

Ton-That: Ich denke, dass Anfänger eher Probleme haben, das Grün überhaupt zu erreichen und weniger mit dem Putten selbst. Anfängern hilft es, wenn sie weiter vorne abschlagen oder eine entspannte Spielform wie z. B. Scramble wählen.

Swigo: Es ist eine Tatsache, dass der Golfboom vorbei ist, was könnte man unternehmen, um den Sport vor allem bei Jüngeren attraktiver zu gestalten?

Ton-That: Jeder Boom ist irgendwann vorbei, sonst wäre es kein Boom. Es wird eine Konsolidierung geben und das hat auch seine guten Seiten. Ich denke nicht, dass man in panischen Aktionismus verfallen sollte, denn wenn man den Golfsport revolutioniert, um ihn krampfhaft einer neuen Zielgruppe schmackhaft zu machen, besteht die grosse Gefahr, dass sich die bisherige Klientel abwendet. Aber natürlich wurde es im Golfsport verschlafen – oder schlichtweg ignoriert – dass man mit der Zeit gehen muss, um auch für die Generation Y attraktiv zu sein. M. E. muss es in Zukunft günstigere und vor allem flexiblere Angebote geben, denn die Zeiten, in denen man sein Leben lang im selben Club Mitglied war, entsprechen nicht mehr den Ansprüchen der heutigen, hochmobilen Gesellschaft. Wohn- und Arbeitsorte werden heute viel häufiger gewechselt, da ist es nur verständlich, wenn jemand nicht zigtausend à fond perdu in einen Golfclub investieren möchte. Wichtig ist auch eine Öffnung gegenüber neuen Technologien, Stichwort Smartphones. Die Gratwanderung zwischen Werte erhalten und Neues willkommen heissen wird uns in Zukunft noch viel mehr fordern.

Swigo: Gibt es regeltechnisch Möglichkeiten, um das Spiel weniger anspruchsvoll zu machen?

Ton-That: Im Regelbereich gibt es sicherlich diverse Möglichkeiten, das Spiel weniger komplex und flüssiger zu gestalten. Man muss allerdings aufpassen, dass es dabei attraktiv und eine Herausforderung bleibt, sonst wird es seinen Reiz verlieren. Weniger ist nicht immer mehr.

Swigo: Sie haben eine neue App lanciert, was bringt sie für Vorteile?

Ton-That: Unsere neue App heisst «Swiss Caddie», ist gratis und enthält alle Schweizer Plätze mit Infos, GPS-Birdiebuch, Score-Berechnung und vieles mehr. Damit hat man alles auf dem iPhone, was man für die Runde braucht und kann sich nur noch auf sein Spiel konzentrieren. Kurz: Ein Muss für jeden Golfer, der mit der Zeit geht und nicht wegzudenken für die nachfolgenden Golfer der Generation Y.

Interview: Piero Schäfer

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