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«Golf hat ein Imageproblem»

Einmal mehr haben sich die Stimmbürger an der Urne gegen ein Golfprojekt ausgesprochen. Und dies obschon die Migros-Anlagen zu den am besten geführten und am nachhaltigsten ausgerichteten des Landes gehören. Swigo hat den Migros-Golfanlagenleiter Matthias Reutercrona zur Situation im Schweizer Golf befragt 

swigo: Das Golfplatzprojekt Beichlen in Wädenswil ist von den Stimmbürgern klar verworfen worden. Welche Gefühle überwiegen bei Ihnen? Erleichterung, dass es vorbei ist oder Frust?

Reutercrona: Ganz klar der Frust, habe ich doch sehr viel Energie und Herzblut ins Projekt gesteckt. Die Migros hätte für die vielen Golfer im Raum Zürich sehr gerne ein neues Angebot geschaffen. Zudem wäre die Anlage auch für die Region und für die Natur ein grosser Gewinn gewesen.

swigo: Nach Wädenswil war dies die vierte Abfuhr an der Urne im Kanton Zürich. Wie erklären Sie sich diese Aversion gegen Golf?

Reutercrona: Golf hat definitiv ein Imageproblem. Dies habe ich auch in vielen Gesprächen mit der Bevölkerung erfahren müssen. Golf wird immer noch als Sport ein paar weniger Reichen angesehen. Und diese «Elite» braucht für ihren Sport so viel Land, welches dann der breiten Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung steht. Ausserdem ist sehr viel Neid vorhanden, in der nicht-golfspielenden Bevölkerung wie auch bei den Bauern, welche ihr Land nicht für das Golfprojekt abgeben können.

swigo: Es fällt auf, dass jedes Projekt auch von den Grünen abgelehnt wird, obschon Golfplätze anerkanntermassen ökologischer sind als Monokulturen. Wie kommt das?

Reutercrona: Das ist tatsächlich so und im Prinzip unverständlich. Wir haben schon von Anfang an mit der Fachhochschule Wädenswil und dem lokalen Naturschutz zusammengearbeitet. Es wurde ein einzigartiges Konzept entwickelt, welches für die Natur im Gebiet eine unglaubliche Aufwertung bedeutet hätte. Die Grünen waren jedoch schon von Anfang an dagegen, wollten auch nicht mitarbeiten und haben ihre Haltung auch bald nach aussen kommuniziert. Dies war meiner Meinung nach aus rein parteipolitischen, fundamentalistischen Gründen und hatte weniger mit «grünen» Anliegen zu tun.

swigo: Bedeutet die Abstimmungsniederlage von Wädenswil, dass Migros keine weiteren Golfplätze mehr plant?

Reutercrona: Ich kann nur für die Migros Zürich sprechen. Die Chancen für die Bewilligung neuer Golfprojekte im Raum Zürich ist so gering und die Kosten und das Risiko des Scheiterns so hoch, dass wir wohl momentan darauf verzichten, ein neues Projekt zu starten.

swigo: Ist es heute schwieriger geworden, ein Golfplatz-Projekt zu realisieren als noch vor ein paar Jahren?

Reutercrona: Ich meine schon, ja, auch wenn ich mich noch nicht seit Jahrzenten mit Golfprojekten befasse.

swigo: Warum ist das so?

Reutercrona: Die Antwort ist sehr komplex. Es war schon immer hart, die Landverhandlungen zu führen und das Land zusammen zu kriegen. Zudem haben sich die Anforderungen an eine Golfanlage in letzter Zeit dramatisch verschärft. Nur ein Drittel des Lands, welches umgezont werden soll, darf für Golf verwendet werden, zwei Drittel müssen extensiv bewirtschaftet oder als Naturflächen ausgeschieden werden. Darum braucht es auch viel mehr Land für einen Golfplatz als früher. Zudem konnte vor nicht allzu langer Zeit die Standortgemeinde über eine Golfanlage entscheiden, heute geht eine Golfanlage in den regionalen Richtplan und somit wird eine Golfanlage zur Sache der Region. In Wädenswil haben 12 Gemeinden über den Richtplaneintrag abgestimmt. Kommt dazu, dass die Bevölkerung einerseits über die hohen Direktzahlungen der Bauern schimpft, andererseits eben doch Sympathien für die Bauern und die inländischen Produkte hegt. Gute Nahrungsmittel sind gerade in der heutigen Zeit zwingend notwendig, eine neuer Golfplatz eben nicht.

swigo: Der Golfsport scheint in einer Krise zu stecken: Die Mitgliederzahl in den ASG Clubs stagniert, die Zahl der Junioren hat gar abgenommen. Hat der Golfsport seinen Zenith überschritten?

Reutercrona: Die Jahre des grossen Wachstums sind definitiv vorbei. Ein Grund ist sicherlich, dass in den letzten Jahren kaum neue Golfanlagen gebaut wurden. Dass die Zahl der Mitglieder stagniert, hat im Raum Zürich damit zu tun, dass die Clubs mehrheitlich voll sind und nur bei Abgängen wieder neue Mitglieder aufnehmen. Dies ist ja eine gute Situation. Viel wichtiger als die Mitgliederzahl in den ASG Clubs ist die Entwicklung der gesamten Anzahl Golfer in der Schweiz, inklusive den Clubfreien. Das Clubleben ist etwas Schönes und Wichtiges. Für viele Golfer hat es jedoch keine Bedeutung mehr, deshalb ist es wichtig, dass es die beiden clubfreien Vereinigungen gibt, welche für diese Golfer eine gute Lösung bieten und sie vom Absprung bewahren. Dies wäre für die Branche verheerend. Das Gesamtwachstum ist jedoch eindeutig zu gering. Wir müssen aktiver werden, am Imageproblem arbeiten und nicht-golfende Freunde auf den Golfplatz einladen.

Interview: Piero Schäfer

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