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Golf als Strafe

Das US Open wurde auf einem Platz ausgetragen, den man als Durchschnittsgolfer nur als Zumutung empfinden kann. Und auch die meisten Profis hatten nur Hohn und Spott für die Anlage. 

Es würde nicht überraschen, wenn der eine oder andere Golfprofi, der beim 115. US Open am Start war, im Nachhinein noch von Alpträumen geplagt würde. Hinter dem gemütlich klingenden Namen Chambers Bay verbirgt sich ein Golfplatz der auch dem ambitioniertesten Golfer den Schneid abkauft. Die Mondlandschaft, in welcher schmale, steinharte und braune und monströs coupierte Fairways ansatzweise die Richtung anzeigten, wo der Ball hätte landen müssen und die von gigantischen und grauen Bunkern verteidigten Grüns machten es den Teilnehmern am zweiten Major des Jahres nicht leicht, ihre Runden ohne gröberen Schaden zu absolvieren. Und selbst wenn einer unbeschadet seinen Ball auf den sogenannten Greens parkiert hatte, war das noch nicht die halbe Miete: Die riesigen Dinger waren allesamt onduliert und in Schieflage. Ein Ball konnte knapp neben der Fahne niedergehen und dann gleichwohl noch 50 Meter in eine Mulde rollen.

Es war zum Verzweifeln. Tiger Woods kann davon ein Lied singen. Die ehemalige Nummer eins der Welt verpasste nicht nur den Cut, sondern klassierte sich nach Runden von 80 und 76 (+16) nach zwei Tagen als Viertletzter der Rangliste. Aber auch Chris Kirk (die Nr. 18 der Welt), der nach zwei Tagen mit +3 den Cut überstanden hatte, brach auf Runde 3 und 4 total ein und klassierte sic mit +21 im 75. und letzte Rang. Was die USGA veranlasst hatte diesen Links im Staate Washington für die Open zu bestimmen bleibt deren Geheimnis.

Instinktiv drängen sich Parallelen zur Fifa und der Fussball-WM in Katar auf. Entsprechend fielen auch die Kommentare von prominenten Golfern aus: «Der Platz ist praktisch unspielbar», kritisierte Gary Player und Sergio Garcia meinte: «Es schmerzt zu sehen, was die aus dem Platz gemacht haben.» «Die USGA muss Verantwortung übernehmen für diese katastrophalen Grüns», reklamierte Ernie Els und Ian Poulter doppelte nach: «Ich habe während meiner ganzen Karriere als Pro noch nie eine derartige Grünoberfläche gesehen.

An einem gewöhnlichen Turnier wären die Spieler abgereist, aber bei einem Major macht man das halt nicht.» Der Fernsehzuschauer hatten entweder Mitleid oder freuten sich, dass auch die Golfgötter einmal echt unten durch mussten.

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Piero Schäfer

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