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Ein Youngster liess sich vom „Beast“ nicht beeindrucken

Feiern konnten beide: Rafa Cabrero Bello einen raren Albatros und Si-Woo Kim seinen zweiten Toursieg

Die Players Championship auf dem TPC in Sawgrass wird oft als das „Fünfte Major“ bezeichnet. Nicht zu Unrecht, denn das Turnier ist der höchstdotierte Einzelanlass im Profigolf (Preisgeld 2017 satte 10.5 Millionen Dollar), abgesehen von den Majors gibt es an diesem Anlass am meisten Punkte für die Weltrangliste zu sammeln, der jeweilige Sieger erhält eine Spielberechtigung für 5 Jahre auf der US-Tour und – last but not least – findet der Anlass auf dem vielleicht anspruchsvollsten Platz überhaupt statt. Und so richtig zu mögen scheinen die besten Spieler – in diesem Jahr waren 98 der Top 100 der Weltrangliste am Start – das Terrain offenbar nicht.

Pat Perez: „Mit gefällt kein einziges Loch auf diesem Platz, der gebaut wurde um die Spieler zu bestrafen. Überall lauern Gefahren und wir können uns nie in Sicherheit wiegen, bei keinem einzigen Schlag.“ Diese Aussagen stammen nicht etwa von einem frustrierten Spieler, der den Cut verpasste. Perez klassierte sich, wie schon am Masters im April, im 18. Schlussrang und nahm einen Check von $92‘137 mit nach Hause.

Rory McIlroy der leider wieder einmal mit leichten Rückenproblemen zu kämpfen hatte (am Schluss auf dem geteilten 35. Platz), sieht es ähnlich: „Auf diesem Platz hat man das Gefühl, gefesselt zu spielen und den Driver lässt man am besten gleich zu Hause. Ich hatte es bei meinen ersten vier Teilnahmen mit Power versucht und bin prompt viermal am Cut gescheitert.“ Die Nummer Zwei der Weltrangliste hatte sich speziell für dieses Turnier ein Eisen 1 anfertigen lassen, um damit mehr Präzision vom Tee zu erreichen.

An der „Yardage“ des Platzes kann es nicht liegen, mit 6565 Metern von den hintersten Abschlägen ist der Stadium Course – eine Koproduktion von Pete Dye und dem ehemaligen PGA-Commissioner Dean Beaman – sogar etwas kürzer als der Woodside Course (6637 Meter) im Golf Sempachersee. Und Mitte Juni wartet an den US Open ein ganz anderer Brocken auf die Pros: Der Platz in Erin Hills (Wisconsin) ist fast 7600 Meter lang. Die Schwierigkeiten in Ponte Vedra Beach sind viele Schräglagen, schmale Fairways, viel Wasser, die ausgedehnten und tiefen Bunker – ein typisches „Dye-Merkmal“ – und auch der unberechenbare Wind an der Atlantikküste im Norden von Florida.

Am dritten Spieltag kassierten nicht weniger als 49 von insgesamt 82 für die Finalrunden qualifizierten Pros ein Doppelbogey oder höher. So notierte Matt Kutchar (in Augusta noch hervorragender Vierter) am Samstag an der 14. Bahn (Par 4, 437 Meter) Neun Schläge. Ganz schlimm spielte der Platz auch J.B. Holmes mit: Nach der dritten Runde noch Co-Leader produzierte er am Sonntag eine 84er Runde, versenkte an der 17 gleich zwei Bälle im Wasser, schrieb eine Acht und fiel auf den 41. Platz zurück. Auch andere etablierte Spieler mussten Federn lassen: Die Sieger der beiden Vorjahre, Jason Day und Rickie Fowler teilten sich den 60. Platz und Jordan Spieth, Bubba Watson, Carl Schwartzel und Danny Willett konnten sogar schon nach zwei Tagen ihre Koffer packen.

Das Signature Hole auf dem Platz ist natürlich das berühmt-berüchtigte 17., ein Par 3 mit gerade mal 121 Meter Länge und das Inselgrün zu erreichen ist so etwas wie die ultimative Herausforderung. Aber Hey! Profis könnten den Ball aus solchen Distanzen mit einer Wedge fast in einem Gummiboot versenken und Sergio Garcia erzielte in der ersten Runde am Donnerstag sogar ein As. Das Problem ist also auch da nicht die Länge, sondern vielmehr die oft unerwartet auftretenden Windböen (an den ersten drei Tagen landete 57 Mal ein Ball im Wasser) und vor allem die Anspannung. An diesem Loch sind die Zuschauer am zahlreichsten und alle scheinen nur auf das nächste Desaster zu warten…

Der junge Südkoreaner Si-Woo Kim liess sich von all den potentiellen Katastrophen nicht beeindrucken, blieb über vier Tage „Mr. Cool“, spielte ruhig und überlegt und musste auf den Samstag- und Sonntagsrunden nur ein einziges Bogey hinnehmen. Das allein wäre schon eine aussergewöhnliche Leistung auf einem Platz, der – wie oben ausgeführt – für seine hohen Nummern berüchtigt ist. Die Schlussrunde wurde für den 21jährigen sogar so etwas wie ein Schaulaufen. Louis Oosthuizen und Ian Poulter hatten zwar am Schluss nur drei Schläge Rückstand, doch eine echte Herausforderung konnten die beiden nie starten. Kim brillierte vor allem mit seinem tollen Kurzspiel. Obwohl auch er nur acht Greens in Regulation traf, hatte der jüngste Gewinner der Players nach den Annäherungsschlägen jeweils kaum je einen Putt mit über einem Meter Länge.

Ein besonderes Kapitel schrieb aber auch der Engländer Ian Poulter. Vor wenigen Tagen hiess es zuerst, dass er seine Tourkarte (Berechtigung zur uneingeschränkten Teilnahme an den Turnieren der US PGA Tour) verloren habe. Dann wurde ein Rechenfehler festgestellt und die Entscheidung korrigiert. Wieder einmal kein Ruhmesblatt für die Offiziellen, wie auch schon bei der umstrittenen Entscheidung zu Ungunsten von Lexi Thompson in Mission Hills (ein Zuschauer hatte per E-Mail auf einen Regelverstoss hingewiesen). Poulter gab die Antwort auf dem Golfplatz mit seinem sehr guten zweiten Platz, verbesserte sich in der Weltrangliste um gleich 115 Ränge und ist nun bis auf weiteres aus dem Schneider.

Hier einige Highlights (und ein Überblick zum Platz) der Players Championship 2017:

www.youtube.com/watch?v=_JKbjLyUECo
https://tpc.com/sawgrass/the-players-stadium-yardage-guide/

Text: Peter Hodel
Foto: PGA Tour

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