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Die Herren in Grün auf Shoppingtour

Das Masters braucht mehr Platz

Die Washington Road durchschneidet die Stadt Augusta in Georgia und ist eine der typisch amerikanischen Hauptstrassen, die von Einkaufszentren, Autohändlern, Fastfood-Ketten, Banken und den unvermeidlichen Drugstores gesäumt werden. Keine besonders noble Adresse also, es sei denn in unmittelbarer Umgebung des Augusta National Golf Clubs. Da sind die Bodenpreise in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert.

Das Masters ist zweifelsohne das meistbeachtete Golfturnier der Welt und zieht jedes Jahr Tausende in die Stadt am Savanna River an der Grenze zu South Carolina und Millionen vor die Fernseher. Zugegeben, der Anlass auf dem immer bestens gepflegten Platz mit seiner einmaligen Blumenpracht ist eine Augenweide, hat aber auch seine dunklen Seiten. Es wird immer mehr Raum für Parkplätze, ein neues Pressezentrum, VIP-Zonen, usw. benötigt und sogar zusätzliche Parzellen, um den Course für die Spitzenspieler wettkampftauglich zu halten.

In den letzten 15 Jahren hat Berckman Residential Properties LLC (eine Firma, die dem Augusta National Golf Club gehört) Grundstücke für rund 50 Millionen Dollar aufgekauft. Der letzte Coup: Im November 2016 wechselte eine Parzelle von gerade mal 3‘000 m2 (Schätzpreis ca. $640‘000) an der Ecke Washington Road und Old Berckmans Road für die Rekordsumme von 5.35 Millionen Dollar die Hand. Jay’s Music & Sound Center, 25 Jahre an diesem Standort zu Hause, ist bereits umgezogen und das Gebäude abgerissen worden. Was auf dem Areal geplant ist, darüber gibt es nur Vermutungen – ein grünes Sakko ist gleichbedeutend mit dem Mantel der Verschwiegenheit.

Spekuliert wird auch seit längerem über einen Umbau bzw. eine Verlängerung der 13. Spielbahn „Azalea“, einem 465 Meter langen Par 5. Der Club hat zu diesem Zweck vom benachbarten, ebenfalls exklusiven Augusta Country Club ein Stück Land gekauft. Kostenpunkt: Rund 27 Millionen Dollar. Das Loch könnte dadurch um etwa 50 Meter verlängert und wieder zu einem „richtigen“ Par 5 werden. Dafür verliert aber der Nachbarclub, dessen Platz 1899 vom legendären Donald Ross (Pinehurst Nr. 2) designt wurde, seine 9. Spielbahn.

Auch wenn der Nobelclub mit seinen 300 lauter sehr einflussreichen Mitgliedern, darunter zum Beispiel Bill Gates, Condoleeza Rice und Warren Buffett, für Grundstücke Spitzenpreise bezahlt, herrscht nicht überall Freude in Augusta. Viele Einwohner sind – hinter vorgehaltener Hand – nämlich der Meinung, dass die enormen Infrastrukturen für nur gerade eine Woche im Jahr geschaffen werden und sich die Herren in Grün während den übrigen 51 Wochen nicht um den Austragungsort kümmern. Von Ende Mai bis Mitte Oktober ist der Superplatz jeweils sogar komplett geschlossen, eine Tradition, weil die Resorts in Georgia (wie auch in Florida und South Carolina) früher Winterdestinationen für sonnenhungrige besser Verdienende aus den Nordstaaten waren.

Text: Peter Hodel

Grafik: GoogleMaps

Rot = Jay’s Music Center, Orange = auch Eigentum des Augusta National; Hellblau = eventuell weitere Akquisition

Quellen: Golf News Net, Augusta Chronicle

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