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Die Hälfte fehlt

Insgesamt acht Golfer der Weltranglistenersten haben ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen abgesagt. Das wirft ein wenig überzeugendes Licht auf die erstmalige Austragung des Sportes nach 112 jährigem Unterbruch. Vor allem, weil alle Damen der Top-15 teilnehmen. 

Natürlich haben alle ihre triftigen Gründe. Und im Prinzip geht es niemanden etwas an, wenn ein Sportler auf die Teilnahme an einem Turnier verzichtet. Dennoch: Dass Golf erstmals seit 1904 wieder olympische Disziplin ist, bedeutet einen Meilenstein in der Geschichte der Veranstaltung. Die Sache ist historisch. Man könnte also meinen, jeder Golfer, der qualifiziert ist, müsste mit Freude und Motivation an den Spielen teilnehmen. Immerhin geht es um viel Ehre, und es vergehen zwischen den Austragungen jeweils vier Jahre. Und – was vielleicht niemand so richtig realisiert: Das erstmalige Aufteen nach so langer Zeit geschieht nur provisorisch!

Das IOC behält sich vor, die Disziplin wieder abzusetzen, wenn gewisse Bedingungen nicht erfüllt sind. Dazu gehören neben dem sportlichen Erfolg auch ein hoher Beachtungsgrad durch die Medien und vor allem durch die Zuschauer. Was hat man aber jetzt davon zu halten, wenn von den Top-15 der Weltrangliste, die automatisch für Rio qualifiziert wären (max. vier von einer Nation), mehr als die Hälfte, nämlich acht Profis nicht am Start sind? Es fehlen die Nummern 1,2,3,4,8,12,13, und 15 der Order of Merit.

Weist das nicht darauf hin, dass viele der Top-Spieler die OS nicht ganz ernst nehmen und dem Event zu wenig Respekt entgegenbringen? Und: Wie wirkt sich die Abwesenheit eines Jason Day, eines Dustin Johnson, Jordan Spieth oder Adam Scott auf den sportlichen Wert der Veranstaltung aus? Natürlich (und wie eingangs erwähnt), hat jeder das Recht, selbst zu bestimmen, ob er die Reise nach Südamerika antreten will, aber gleichwohl muss die Frage erlaubt sein, welches der wirkliche Grund für die Absage ist. Ist es tatsächlich die Angst vor dem Zika-Virus? Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Situation bei den Damen total anders ist.

Top 15 der Ladies alle dabei

Alle 15 Ladies der Weltrangliste (minus jene, die wegen Nationenzugehörigkeit überzählig sind) reisen an die Olympischen Spiele! Eine bemerkenswerte Erkenntnis. Haben die Damen einfach mehr Respekt vor Olympia? Sind sie wagemutiger als die Herren der Schöpfung? Falls das Olympiaturnier trotz langer Abwesenheitsliste ein Erfolg wird und Golf weiterhin olympische Disziplin bleibt, wird es interessant sein zu sehen, wie sich die Lage in vier Jahren präsentiert: In Japan sind Zika-Mücken praktisch unbekannt.

Piero Schäfer

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