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Das Masters und seine Gründerväter

Bobby Jones nach dem Grand Slam 1930 mit den vier Trophäen

Ab 6. April 2017 wird zum 81. Mal das Masters Tournament im Augusta National Golf Club ausgetragen. Grund genug, einen kurzen Blick auf die Initianten des vielleicht prestigeträchtigsten Golfclubs und Turniers der Welt zu werfen.

Die Gründerväter des legendären, ultraprivaten und von vielen Spekulationen umwobenen Clubs waren Robert Tyre „Bobby“ Jones Jr. und Clifford Roberts. Letzterer war ein Investment-Banker von der Wallstreet, 1931- 76 Clubpräsident und gewiefter Strippenzieher im Hintergrund. Roberts war beispielsweise, zusammen mit einigen Geschäftsfreunden, die treibende Kraft hinter der Präsidentschaftskandidatur von „Ike“ Dwight D. Eisenhower (POTUS von 1953- 61).

Bobby Jones gehörte in den 30er Jahren – zusammen mit dem Baseballspieler (George Herman) „Babe“ Ruth und dem Boxer Jack Dempsey – zu den populärsten, nicht nur in den USA vergötterten Sportikonen. Es ist heute, im Zeitalter von It-Girls, Realitysternchen und Cervelat-Promis kaum mehr nachvollziehbar, welchen Status jene Sportler auch noch lange nach Beendigung ihrer aktiven Karriere genossen. Beispiel: 1958 machte Jones einen Zwischenhalt in St. Andrews und wollte eine „private“ Runde auf dem Old Course spielen. Innert kürzester Zeit waren sämtliche Geschäfte geschlossen, an den Türen hingen Schilder mit der Aufschrift „Our Bobby is Back“ und Tausende von Menschen strömten als Zuschauer auf den Platz. Am gleichen Tag wurde ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt verliehen, eine Auszeichnung, die vorher nur Benjamin Franklin erhalten hatte.

1930 gelang Jones der Grand Slam; die vier „Majors“ umfassten damals allerdings noch das US- und British Amateur und die Open Championships der USA und von Grossbritannien. Dennoch sind seine Leistungen herausragend: Zwischen 1923 und 1930 holte sich der Amateurspieler insgesamt 13 Majortitel (vier US- und drei British Open, viermal die US- und einmal die British Amateurmeisterschaften) und klassierte sich zudem sechsmal als Zweiter bei einem der vier grossen Turniere. Bemerkenswert, dass der überragende Golfspieler während seiner Aktivzeit auch noch erfolgreich drei Hochschulstudien am Georgia Tech (Mechanical Engineering), in Harvard (englische Literatur) und an der Emory University of Law (Anwaltspatent) abschloss.

Bobby Jones machte Golf unglaublich populär – nur vergleichbar mit der Wirkung von Arnold Palmer und Tiger Woods in den 1960er beziehungsweise 1990er Jahren. 1926 und 1930 kam er in den Genuss einer „Ticker Tape Parade“ in New York City, eine Ehre, die vor ihm nur zweimal Sportlern (1912 dem Zehnkämpfer Jim Thorpe und 1924 dem US-Olympiateam) zuteil wurde. Seine Gegner auf dem Golfplatz trieb er allerdings oft an den Rand eines Nervenzusammenbruchs und es geht die nette Anekdote um, dass der damals beste Profi Walter „The Haig“ Hagen nach einem verlorenen Turnier seine Mitstreiter mit den Worten „wie lange wollen wir uns noch von diesem Amateur derart vorführen lassen“ verbal lautstark zusammenstauchte.

Zu Beginn trug das Turnier auf dem von Jones und Alister McKenzie gebauten Platz den Namen „Augusta National Invitational“ und Bobby war über den 1939 eingeführten Namen „Masters Tournament“ nie richtig glücklich. „Zu anmassend“, befand der beste Amateurgolfer aller Zeiten, der „seinen“ Anlass nie gewinnen konnte. Ende der 1940er Jahre wurde bei Jones die sehr seltene Rückenmarkserkrankung Syringomyelie diagnostiziert und der einst grossartige Athlet musste einen jahrzehntelangen Leidensweg erdulden.

Text: Peter Hodel

Foto: Atlanta History Center

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