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Das Imperium schlägt zurück

 

Der Schweizer Golfverband ASG hat eine Entscheidung getroffen, die für einiges Aufsehen und wohl auch rauchende Köpfe sorgen wird. Es geht um die Verträge mit der ASGI und ASG Golfcard Migros, die 2017 bzw. 2018 auslaufen und nicht mehr verlängert werden. Die ASG will künftig eine eigene Sport- (oder besser) Golf-Lizenz auszugeben und damit Verkauf und Verwaltung der Spielberechtigungen konzentrieren – exklusiv und ohne lästige Mitbewerber.

Die Kommunikation zur geplanten neuen Public ASG-Karte ist bisher mehr als dürftig ausgefallen. ASG-Präsident Jean-Marc Mommer liess nur verlauten, dass für die ASGI-Lizenzhalter (und ein Jahr später für diejenigen der ASG Migros Golfcard) nur die Telefonnummer ändern würde und man ihnen die gleichen attraktiven Bedingungen wie bisher anbieten wolle. Dann wieder wurde von „marktüblichen Preisen“ für die Betreffenden geredet – was immer das für die rund 35‘000 Kartenhalter bedeuten mag… Schliesslich wurde die Katze dann aber doch noch aus dem Sack gelassen: Zusätzlich zu den bisher an die ASG geflossenen 85 Franken von den Beiträgen der Clubfreien werden auch die „restlichen“ Gelder (geschätzte sieben Millionen pro Jahr) künftig den Clubs zu gute kommen. Das klingt so ähnlich wie „Exportrisikogarantie“ oder „Direktzahlungen“ und ist im 21. Jahrhundert ein Anachronismus. Statt nach neuen Ideen und Konzepten zu suchen, werden einfach Beiträge von Verbandsmitgliedern umverteilt.

Die ganze Sache gleicht einem „unfriendly takeover“ und ist aus verschiedenen Gründen mehr als fragwürdig. Zum einen wurde von der ASG jahrelang ein friedliches Mit- und Nebeneinander propagiert – hier die Clubs mit ihren Mitgliedern, da die beiden Verbände der unabhängigen Spieler, die sich aus verschiedensten Gründen (noch) nicht für eine Clubmitgliedschaft entschieden hatten. Diese Botschaft war rückblickend betrachtet wohl eher ein (notwendiges) Lippenbekenntnis und wurde nun, offenbar hauptsächlich wegen sinkenden Mitgliederzahlen in den Golfclubs, ad absurdum geführt. Zweitens ist der Beschluss des immerhin zehntgrössten Sportverbandes der Schweiz ein Schlag ins Gesicht von Demokratie und freier Marktwirtschaft und die Aussage, dass die ASGI und ASG Migros Golfcard „sehr professionell“ auf die Nachricht reagiert hätten, ist… echt jetzt?

Die künftigen Aufgaben (und damit Daseinsberechtigung) der beiden Organisationen sind noch völlig offen. Verbandspräsident Mommer gab zwar in einem Interview mit dem hauseigenen Magazin der Hoffnung Ausdruck, dass die ASGI und ASG Migros Golfcard auch weiterhin ihre Events und Turniere durchführen, aber da ist wohl der Wunsch (nach noch mehr Einnahmemöglichkeiten für die Clubs) Vater des Gedankens.

Die Bemühungen anderer Interessenten zur Herausgabe einer eigenen ASG-Karte wurden mit dem Entscheid des Verbandes ebenfalls zunichte gemacht. Jean-Marc Mommer gab zwar zu, „dass man solche Vorhaben aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wohl nicht hätte ablehnen können.“ Mit der alleinigen Übernahme aller Spiellizenzen seien diese Diskussionen aber wohl erledigt… Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Mit der Monopolisierung schaltet man bestehende und eventuelle künftige Anbieter auf einen Schlag aus. Es wird sich zeigen, ob diese Strategie langfristig aufgehen wird. Im Hinblick auf das Ziel bis 2020 zehntausend zusätzliche Golfer und Golferinnen für das Spiel zu gewinnen, könnte sich die künftige Alleinherrschaft als Eigentor erweisen. Die Kunden sind preisbewusster geworden, verlangen nach flexiblen Lösungen und suchen individuelle, auf ihre Wünsche und Bedürfnisse zugeschnittene Angebote. Aus purer Verzweiflung (Stichwort: Clubs in Nöten) in althergebrachte Muster zu verfallen und rund ein Drittel aller Golfspielenden aus den vertrauten und funktionierenden Strukturen zu reissen, ist keine zukunftsweisende Lösung.

Text: Peter Hodel

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